Mittwoch , 28. Oktober 2020
Im Herbst 2013 öffnete das Zwick, jetzt ist die Zeit der Musikkneipe beendet. Einen Grund für das Aus nennt der Betreiber nicht. Foto: wk

Lüneburg: Es hat sich ausgerockt im Zwick

Lüneburg. „Liebe Gäste, das Zwick wird bis auf weiteres geschlossen.“ Ein handgeschriebenes Schild hängt an der Eingangstür der Musikkneipe am Schrangenplatz in Lüneburg. Ein Grund wird nicht angegeben. Auch per Facebook bedankt sich das Zwick lediglich bei seinen Gästen „für eine schöne Zeit und das entgegengebrachte Vertrauen“. Ob wirtschaftliche Gründe eine Rolle für die Schließung spielten, ist fraglich. Sicher ist aber, dass es Differenzen mit dem Vermieter gab und der Geschäftsführer Uli Salm im Clinch mit einem ehemaligen Mitarbeiter liegt.

Rechtliche Auseinandersetzung mit ehemaligem Mitarbeiter

Kurz angebunden reagiert Uli Salm auf die LZ-Anfrage, sagt nur: „Ich kann im Moment zu allen Anfragen, die das Zwick Lüneburg betreffen, keinerlei Stellung nehmen. Dazu bin ich durch ein laufendes Verfahren verpflichtet.“ Es läuft aktuell ein arbeitsrechtliches Verfahren, Salm hatte einem führenden Mitarbeiter Unterschlagung vorgeworfen, der hatte dies allerdings vehement bestritten. Das Gericht hat beide Männer zum Stillschweigen verpflichtet.

Uli Salm machte als Musiker Karriere, der Bassist war Mitbegründer der Skiffle-Gruppe Leinemann und ist heute noch als Kopf der Band Rudolf Rock & die Schocker aktiv. Daneben baute er sich als Gastronom ein zweites Standbein auf, eröffnete in Hamburg drei Zwick-Läden mit Kultstatus. 2013 zog es ihn an die Ilmenau, am 9. August eröffnete er zusammen mit seiner Ehefrau Susi, Sängerin bei den Schockern, offiziell das Zwick an der Oberen Schrangenstraße. Eingerichtet wurde die Gaststätte mit vielen Musikstücken aus seiner eigenen Sammlung, mit Gitarren, Schallplatten, Plakaten von Musikern, Autogrammen und vielem mehr. Es gab Auftritte bekannter Bands und Sessions mit Lüneburger Musikern.

Das Lüneburger Zwick punktete bei seinen Gästen auch mit Sportübertragungen auf mehreren Bildschirmen auf den beiden Etagen, die Gäste sahen bei Bier, Burgern und anderen Spezialitäten aus der Küche Spiele der Fußball-Bundesliga und der Champions League. Die Gastronomie lief zwar schon ab Herbst 2013, der Mietvertrag allerdings wurde laut Hausbesitzer Jörg Teichert 2014 erneuert, als Uli Salm auch das Hinterhaus dazugenommen hatte. Teichert erzählt: „Anfangs gab es keine Prob­leme, später aber erhebliche Differenzen. “

Differenzen zwischen Mieter und Hausbesitzer

Probleme habe es zum Beispiel mit behördlichen und gesetzlichen Auflagen gegeben wie Genehmigungen für die Live-Musik und die Nutzungsrechte als Gastronomiebetrieb, behauptet Hausbesitzer Teichert. Gerichtliche Schritte seitens der Stadt Lüneburg hat es gegen das Zwick aber nicht gegeben, wie die Verwaltung bestätigt.
Jörg Teichert war selbst ein wenig überrascht über das plötzliche Aus. Er will gesehen haben, dass am Montag und Dienstag bereits Teile des Inventars aus dem Haus geschafft wurden. Und der Besitzer legt Wert auf die Feststellung: „Ich habe ihm nicht gekündigt. Unser Vertrag war auf zehn Jahre angelegt, er läuft noch bis 2024.“ Teichert hat nach eigenem Bekunden inzwischen Rechtsanwälte eingeschaltet.

Unterdessen bedauern Gäste das Aus fürs Zwick. Über Facebook heißt es etwa von Daniela Kaddatz: „Schade, wir sind immer 50 Kilometer gefahren, um bei Euch zu essen.“ Andere fragen sich, wo sie nun Fußball schauen sollen. Und Lüneburgs aktuell erfolgreichster Sänger Henning Basse schreibt unter anderem: „Ein großer Verlust. Lüneburg verliert ein bisschen RocknRoll und viele Fernseher. Wo sollen Bands noch spielen?“

Von Rainer Schubert