Das Harvesteraggregat mannshoch und schwer. Gut zu erkennen die beiden großen Rollen, durch die der Baum durchgezogen wird. Unten, auf Dackelhöhe, die Bodenplatte mit der Säge. Maschinenführer Stefan Gruner (r.) im Gespräch mit Förster Robert de Mol. (Foto: kre)

Zweitgrößtet Harvester Deutschlands im Göhrde-Einsatz

Göhrde. Wer Stefan Gruner im Wald besuchen möchte, muss nur die Ohren und vor allem die Augen offen halten. Denn dort, wo rund 30 Meter hohe Bäume wie von einer Riesenfaust gepackt hin und her wedeln, da ist der 32-Jährige bei der Arbeit. Stefan Gruner bedient Deutschlands zweitgrößten Harvester eine gewaltige Holzerntemaschine, die mächtige Fichten und Kiefern wie Schnittblumen am Stamm packt, in Sekundenschnelle absägt, aufrecht zur Seite hebt, um sie dann an anderer Stelle behutsam abzulegen und auf Länge zu sägen. Stefan Gruner ist mit seiner Monstermaschine bundesweit überall dort im Einsatz, wo wertvolle Jungbestände durch die Fällarbeiten möglichst wenig in Mitleidenschaft gezogen werden sollen. Zurzeit ist der gebürtige Mittelfranke im Forstamt Göhrde unterwegs.

„Der Einsatz lohnt sich erst, wenn mindestens 3000 Festmeter an einem Ort zur Aufarbeitung anstehen.“
Dr. Uwe Barge, Forstamtsleiter

Der Einsatz des Giganten begeistert auch den Göhrder Forstamtsleiter Dr. Uwe Barge und seinen Kollegen Robert de Mol. Denn Maschinen dieser Größe sind auch in der Göhrde nicht allzu oft im Einsatz: 60 Tonnen bringt der "Hanimax-Soft" auf die Waage. Angetrieben wird das Kettenfahrzeug von einem 270-PS-Dieselmotor. Ein entscheidender Vorteil dieses Arbeitsgeräts: Bei 15 Meter Kranreichweite hat die Maschine noch circa drei Tonnen Hubkraft bei Vollauslage. Das reicht allemal, um Bäume nicht einfach nach vorne in die Verjüngung fallen zu lassen, sondern das Holz kann ganz behutsam zur Seite gelegt werden. Schonende Naturverjüngung dank High-Tech. Und auch die Bodenverdichtung sei vergleichsweise gering. "Dank des breiten Kettenlaufwerkes", erklärt Reiner Baumgart, regionaler Pressesprecher der Landesforsten. Ein weiterer Vorteil sei die Arbeitssicherheit: "Diese Maschine wird vorzugsweise dort eingesetzt, wo das Fällen mit der Motorsäge per Hand zu aufwändig und zu gefährlich ist", erläutert Baumgart.

Bäume fällen leicht gemacht: Der Einsatz des Hanimax-Soft erinnert Laien fast ein wenig an Blumen pflücken. Doch die Arbeit ist kompliziert, und die Maschine kann nur von Spezialisten bedient werden. Foto: kre

Der Einsatz des grün lackierten Giganten muss freilich genau geplant werden, denn billig ist die Maschine nicht. "Der Einsatz lohnt sich erst, wenn mindestens 3000 Festmeter an einem Ort zur Aufarbeitung anstehen", erklärt Dr. Barge. In der Göhrde sind es sogar 5000 Festmeter, die gefällt werden sollen. Knapp ein Zehntel des Jahreseinschlages in der Göhrde.
Vergleichsweise aufwändig ist das Umsetzen der Maschine. "Das geht nur mit Tieflader", erläutert Stefan Gruner. Denn auf eigener Kette zum nächsten Einsatzort zu fahren, macht bei einer Höchstgeschwindigkeit von 2,2 km/h keinen Sinn. Da wird selbst das Queren einer Straße zu einer größeren Aktion, "die wir aus Sicherheitsgründen vorher bei der Polizei anmelden", berichtet der 32-Jährige.

Man muss nicht nur den Job mögen, man muss vor allem auch mit der Einsamkeit klar kommen. Denn die meiste Zeit ist Stefan Gruner alleine und auf sich gestellt. Nur der Förster und am Anfang auch die Presse schauen bei ihm vorbei, staunen über die Leistungsfähigkeit der Maschine. Wenn es technische Probleme gibt, muss der 32-Jährige sie selbst lösen: In unmittelbarer Nähe zum "Hanimax-Soft" steht deshalb auch immer ein bestens ausgestatteter Werkstattwagen mit Ersatzteilen und Betriebs- und Schmierstoffen. Denn Zeit ist Geld. Wenn beispielsweise die Sägekette stumpf ist, dann ist der Wechsel für einen geübten Harvesterfahrer nur eine Sache von Minuten "nix Großes", sagt der 32-Jährige schmunzelnd und zieht an seiner Zigarette. In früheren Jahren war Stefan Gruner begeisterter Moto-Cross-Fahrer "dafür habe ich jetzt aber keine Zeit mehr", sagt er.

Dabei wäre Ausgleichssport gar nicht verkehrt, denn trotz der 60 Tonnen wackelt und ruckelt die Maschine doch ganz gewaltig, wenn sie die markierten Bäume greift, sägt und ablegt. Als er erstmals auf der Maschine saß, war das auch für Gruner ein gewöhnungsbedürftiges Arbeiten. Denn im Gegensatz zu den herkömmlichen Harvestern, die die Bäume von der Maschine weg sägen, sieht der 32-Jährige jeden Baum, den er mit seinem Greifern und den Sägekopf klammert, auf sich zufallen. Da kann es auch schon mal passieren, dass eine Krone abbricht und runterkracht. Und dann? "Kopf einziehen", sagt Gruner unbeeindruckt, drückt seine Zigarette aus und steigt wieder in die Fahrerkabine. Denn Zeit ist Geld und es sind noch viele Bäume in der Göhrde zu fällen.

Von Klaus Reschke