Bislang hat ein Zaun gereicht, damit das Damwild nicht ausbrechen kann. Jetzt muss auch das Gatter in Echem so nachgerüstet werden, dass kein Wolf einbrechen und Beute machen kann. Foto: t&w

Rückkehr des Wolfes: Damwild nur schlecht geschützt

Echem. Die Rückkehr des Wolfes lässt die Emotionen hochkochen in der Region. Auch bei Thomas Mitschke: Der Nabu-Kreisvorsitzende ist jedoch weniger wegen Isegrim als vielmehr wegen der Nachlässigkeit von Politik und Behörden frustriert und wütend zugleich. "Seit zehn Jahren ist bekannt, dass der Wolf zurückkehrt", sagt der Naturschützer, "passiert ist lange Zeit aber so gut wie nichts!" Dass selbst das Landwirtschaftliche Bildungszentrum (LBZ) in Echem als Einrichtung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen es mit Maßnahmen gegen den Wolf bislang nicht so genaunimmt, kann Mitschke nun gar nicht nachvollziehen.

"Ich habe mir das Damwildgatter des LBZ angesehen", berichtet der Nabu-Chef: "Das Gatter hat im Bodenbereich keinerlei Absicherung und keinen Untergrabungsschutz." Die gesamte Situation sei geradezu eine Einladung an den Wolf. "Und das direkt in Ortsrandlage", mahnt Mitschke, der sich gar nicht die Schlagzeilen vorstellen mag, wenn der Wolf auch in Echem Beute macht. In einem offenen Brief hat der Nabu-Kreisvorsitzende die Missstände aufgelistet.

Wie berichtet, hatte in Brockhimbergen (Landkreis Uelzen) ein Wolf gleich 23 Stück Damwild in einem Gehege gerissen. Das wäre zu verhindern gewesen, ist Mitschke überzeugt, wenn das Gatter rechtzeitig wolfsicher hergerichtet worden wäre. Dass trotz dieser Ereignisse selbst eine Einrichtung der Kammer noch auf das Prinzip Hoffnung und nicht auf einen sicheren Zaunbau setzt, ist für Mitschke unverständlich.

Sei ein Wolf erst einmal in ein Gatter eingedrungen, werde er von dem panisch umherrennenden Damwild stets neu zur Jagd animiert. "Die Beute kann aufgrund des Gatters schließlich nicht flüchten", gibt der Nabu-Experte zu bedenken. Das habe auch nichts mit einem Blutrausch zu tun solange ein Greifer die Möglichkeit hat Beute zu schlagen, werde er dies auch tun und die erlegten Tiere als Vorrat vergraben. Dass das Damwildgatter in Echem noch keinen "Wolfsbesuch" hatte, sei bislang nur glücklichen Umständen zu verdanken.
Die LZ hat bei LBZ-Geschäftsführerin Martina Wojahn nachgefragt, warum das Areal mit 25 Tieren noch nicht wolfssicher gemacht wurde. "Das Problem ist uns durchaus bewusst", räumt die Geschäftsführerin ein, verweist jedoch darauf, dass ihre Einrichtung budgetiert sei, die notwendigen finanziellen Mittel für die Ertüchtigung des Zauns bislang nicht verfügbar seien. Auf der Investitionsliste stehe der Wolfszaun aber ganz oben, "und wir hoffen, dass wir die Maßnahme in diesem Jahr endlich auch erledigen können", sagt Wojahn. Rund 7000 Euro seien für die Aktion in den Haushalt eingestellt, sagt die LBZ-Geschäftsführerin.

Nabu-Kreisvorsitzender Mitschke hofft, dass die Behörden dieses Mal schneller sind als der Wolf und der Zaun noch rechtzeitig so hergerichtet wird, dass der Wolf keinen Jagderfolg hat. "Das wäre für das Damwild gut und erst recht für die Akzeptanz des Wolfes", glaubt der Nabu-Vorsitzende.

Von Klaus Reschke