Überraschend wurde am Sonnabend das ehemalige Gasthaus Fehlhaber in St. Dionys abgerissen. Foto: be

St. Dionys: War der Abriss vermeidbar?

St. Dionys. Dem Abriss des Gasthauses Fehlhaber im Barumer Ortsteil St. Dionys ist offenbar ein Kommunikationsdesaster verschiedener Akteure vorausgegangen, die eigentlich das Objekt erhalten wollten. Und Projektentwickler Udo Barth dreht nun den Spieß um, macht indirekt die Gemeinde Barum für den vorzeitigen Abriss des ehemaligen Gasthauses verantwortlich. Er sagt: "Wenn der Gemeinderat nicht die Veränderungssperre für den Bereich beschlossen hätte, würde das Gebäude heute noch stehen." Projektentwickler und Eigentümer hätten sich aber nicht den neuen Planungsbeschränkungen unterwerfen wollen. Hingegen hatte die Gemeinde mit ihrem Schritt einen Abriss verhindern wollen. Ein potenzieller Investor jedenfalls fühlt sich vom plötzlichen Abriss überrumpelt.

Sowohl die Kommune als auch Projektentwickler Udo Barth nebst Neu-Eigentümer Eberhard Manzke hatten nach eigenem Bekunden das gleiche Ziel: den Erhalt des um 1870 erbauten Landgasthofs. Bekanntlich ist seit Sonnabend davon nur noch Schutt übrig.

Projektentwickler wollte Zeit für Investorensuche gewinnen

Der Voreigentümer des ehemaligen Gasthauses Fehlhaber, der Fleischermeister Horst Rothe, wollte das Gebäude aus wirtschaftlichen Gründen ohnehin abreißen lassen. Der Denkmalschutz war bereits 2013 aufgehoben worden. Doch der St. Dionyser Projektentwickler Udo Barth, der im Ort seit Jahren mehrere Objekte in einem Gesamtkonzept zusammenfassen will, war nach eigenem Bekunden auf Investorensuche für das Gasthaus Fehlhaber. Barth sagt: "Ich habe mit zwei potenziellen Investoren gesprochen, die sich auch schon um eine Finanzierung bemüht haben." Um einen kurzfristigen Abriss zu verhindern, sei der Lüneburger Unternehmer Manzke mit seiner "Manzke Besitz KG" als Projektpartner eingesprungen, hat Gasthaus und Grundstück gekauft, "um Zeit zu gewinnen", sagt Barth. "Ich habe per Mail bereits im September 2016 dem Bürgermeister mitgeteilt, dass ein Abriss des Gasthauses zunächst bis Ende Januar 2017 zurückgestellt wird." Es sollte so lange nach einem qualifizierten Kaufinteressenten gesucht werden, der aus dem Gasthaus entweder Wohnungen oder "ein kleines Landhotel" machen wolle.

An eine entsprechende E-Mail kann sich Barums Bürgermeister Torsten Rödenbeck auf LZ-Nachfrage nicht entsinnen. Dafür erinnert er sich an eine gemeinsame Ortsbegehung im Gasthaus Fehlhaber, an der neben Barth auch Ortsplaner Wolfgang Stöhr teilgenommen hat. Das war am 25. Oktober.

Eigentlich ging es bei dem Dreiertreffen um die Bauleitplanung in dem Ortsbereich von St. Dionys. Da das Gasthaus aber ein Kernpunkt war, besichtigten die drei auch das Gebäude. Planer Stöhr sagt rückblickend auf LZ-Nachfrage: "Die Gemeinde hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie am Erhalt und Betrieb des Gasthauses interessiert ist." Sein persönlicher Eindruck von der Bausubstanz war: "Das Haus war nicht abrissreif. Aber das sieht jeder Investor anders. Ich war jedenfalls überrascht, in welch gutem Zustand das Gebäude noch war." Klar sei aber auch gewesen, dass das Haus nicht als Ruine habe stehen bleiben können. Sowohl Barth als auch Rödenbeck wollten sich weiter um Investoren bemühen. Stöhr untermauert Rödenbecks Sicht: "Konkrete Abrisspläne sind in dem Gespräch nicht thematisiert worden." Dazu sagt nun Barth: "Ich wollte das nicht vertiefen, schließlich stand das ja schon schriftlich fest."

Auf der anderen Seite hatte Barth das Projekt Wiederbelebung Gasthaus einem potenziellen Geldgeber schmackhaft machen können, hatte vor Weihnachten dem örtlichen Unternehmer Michael Tackenberg die Pläne vorgestellt. Barth sagt: "Eigentlich sollte er sich bis Silvester zurückmelden. Hat er aber nicht." Deswegen habe er ihn auch nicht mehr über den anstehenden Abriss in Kenntnis gesetzt. Tackenberg bestätigt zumindest, dass er an einem Kauf des Hauses interessiert gewesen sei. Er habe auch schon Innenarchitekten sowie weitere Partner gesucht. "Über den plötzlichen Abriss bin ich sehr erschrocken." Und: "Ich hatte mit Herrn Barth eine andere Absprache. Das ist alles sehr schräg, was da gelaufen ist."

Was wird aus dem Grundstück und benachbarten Flächen?

Die Gemeinde hatte Mitte Dezember vorsorglich die Veränderungssperre für den Planungsbereich beschlossen um dem Abriss des Gasthauses vorzubeugen. Dazu Barth: "Man kann aber niemanden zwingen, in so ein Objekt Millionen zu investieren. Jetzt war Not am Mann." Also entschieden sich Manzke und Barth für den schnellen Abriss, bevor die Veränderungssperre mit der Veröffentlichung im Amtsblatt am kommenden Freitag rechtskräftig geworden wäre. Bürgermeister Rödenbeck hatte die Maßnahme in einer ersten Reaktion als "hinterhältig" bezeichnet.
Barth regt nun an, an dem Standort des ehemaligen Gasthauses Fehlhaber die im Sommer 2015 abgebrannte historische Scheune des Nachbargrundstücks wiederaufzubauen erhaltenes Baumaterial hatte Barth damals sichern lassen. Auch ein sogenannter Rüsselhof aus der Heideregion könne dort neu aufgebaut werden. Doch dafür bedarf es eines Bebauungsplanes, der nun aber vom Gemeinderat einkassiert werden könnte, nachdem das alte Gasthaus als Kernstück zerstört wurde. Rödenbeck weiter: "Und weil Barth uns vorher immer mitgeteilt hat, dass das Gasthaus ein wichtiger Bestandteil seiner Planungen sei. Insbesondere zur Ausnutzung von Synergie-Effekten mit dem Golf-Club."

Mit dem Bebauungsplan St. Dionys Nr. 4 "Frankenweg Süd", der in Arbeit ist, würde zudem aus einem dahinterliegenden Weidegrundstück zusätzliches Bauland. Besitzer ist Projektentwickler Barth. Sollte der Bebauungsplan nicht zustande kommen, fällt laut Barth für ihn eine wichtige Refinanzierungsmöglichkeit weg, um das denkmalgeschützte Fachwerkhaus im Gotenweg 1, gegenüber der Kirche, zu sanieren. Dann droht womöglich der Abriss eines weiteren historischen Gebäudes.

Von Dennis Thomas