Sie gehören zu dem 33-köpfigen Azubi-Team, das vorübergehend die Leitung im Lidl-Markt an der Willy-Brandt-Straße übernommen hat: (v.l.) Stefanie Schreiner, Sarah Hermann, Desirée van Slobbe, Alyssa Trumann und Ines Rainer. Foto: t&w

Führungskräfte auf Zeit: Azubis leiten Supermarkt-Filiale

Lüneburg. Nein, schlecht geschlafen habe sie die vergangene Nacht nicht, "ich fühle mich gut vorbereitet", sagt Alyssa Trumann. Seit Montag ist sie die Chefin in der Lidl-Filiale an der Willy-Brandt-Straße, zumindest vorübergehend. Denn die 20-Jährige hat gemeinsam mit weiteren Auszubildenden des Lebensmittel-Discounters für zwei Wochen das Zepter in die Hand genommen. Ganz auf sich gestellt sollen sie zeigen, ob sie zur Führung einer Filiale in der Lage sind.

Auch Unverhofftes kann stets dazwischenkommen

Gerade will Alyssa von ihrer neuen Aufgabe berichten, da ertönt im Verkaufsraum die Sirene. Sie eilt herbei, schaut nach dem Rechten, ein kurzes Gespräch im Kassenbereich. "Da hat jemand den Notausgang mit der Kundentoilette verwechselt", berichtet sie knapp. Erledigt. Überhaupt wirkt sie wenig aufgeregt beim Blick auf die jetzt vor ihr liegenden Aufgaben, immerhin hat sie seit gestern gemeinsam mit 32 weiteren Auszubildenden aus verschiedenen Lidl-Standorten in Norddeutschland die Verantwortung für den ordnungsgemäßen Ablauf der Filiale übernommen.
Dass dazu mehr gehört als die Abrechnung der Kassen nach getaner Schicht, die Einteilung der Kräfte oder das "Verräumen" der Waren, macht Sandra Grundmann deutlich. Seit einem halben Jahr leitet sie den Lidl-Standort, weiß, dass neben der normalen Tätigkeit immer auch Unverhofftes dazwischenkommen kann.

Zum Beispiel ein Bombenfund im Roten Feld oder der Eisregen in der vergangenen Woche: "Weil alle schnell noch einkaufen wollen, kann man sich erst vor Arbeit nicht retten, danach ist dann plötzlich Ruhe", berichtet die 32-Jährige. Den 33 Auszubildenden, die sich für das Azubi-Projekt in Lüneburg beworben hatten, traut Sandra Grundmann dennoch zu, die bevorstehenden Hürden zu meistern: "Ich hab keine Angst um meine Filiale, weiß, was sie können. Außerdem ist es eine wichtige Erfahrung, sollte mal ein Fehler passieren."

Einsatz auch bei der Tafel und der Kindertafel

Ein wenig Respekt haben Alyssa und ihre Mit-Auszubildende Sarah Hermann vor den kommenden Tagen dennoch. "Mal schauen, wie es ist, wenn man wirklich auf sich allein gestellt ist", sagt Sarah, die nicht wie Alyssa an vorderster Front steht, aber als Schichtleiterin ähnliche Verantwortung übernehmen muss. Die Hamburgerin, die wie einige andere während dieser Zeit in der Lüneburger Jugendherberge untergebracht ist, sagt aber auch: "Es ist eine gute Chance, sich beweisen zu können." Das können die Azubis im Übrigen nicht nur in der Lidl-Filiale, sie unterstützen in der Zeit auch die Lüneburger Tafel und die Kindertafel bei der Essensausgabe, dort helfen sie obendrein bei den Hausaufgaben.

Auch für Ausbildungsleiter Bastian Zitzen ist das Azubi-Projekt eine spannende Erfahrung: "Wir haben so etwas schon einmal vor ein paar Jahren gemacht und wollen es jetzt wiederbeleben." Verantwortung übernehmen, Teamgeist fördern, Selbstständigkeit stärken gleich ein knappes Dutzend Ziele hat er dafür mit den Azubis gemeinsam erarbeitet und auf die große Pinwand geschrieben. Gleich zwei Mal taucht dort aber auch auf: "Spaß haben."

Von Ulf Stüwe