Montag , 28. September 2020
Ratsmitglieder und Anwohner konnten es am Sonnabend nicht fassen: Das alte Gasthaus Fehlhaber in Dionys wurde für die Einwohner völlig überraschend abgerissen. Foto: be

Aktion überrascht St. Dionys: Eigentümer lässt altes Gasthaus abreißen

St. Dionys. Bestürzt und fassungslos verfolgten Anwohner und Mitglieder des Barumer Gemeinderates am Sonnabend, wie vor ihren Augen das ehemalige Gasthaus Fehlhaber in St. Dionys abgerissen wurde. Gegen den erklärten Willen der Kommune, das vormals unter Denkmalschutz stehende Gebäude doch zu erhalten, hat der Eigentümer Fakten geschaffen. Sogar die Polizei wurde alarmiert, konnte aber nicht einschreiten, da der Abriss rechtlich zulässig sei, hieß es. Barums Bürgermeister Torsten Rödenbeck (CDU) zeigte sich verärgert, spricht von einer „hinterhältigen Aktion“.

Aktion überrascht Anwohner

Bereits am Sonnabendmorgen fraß sich der Greifarm des Abrissbaggers in das Gemäuer des um 1870 errichteten Gasthofes. Die Arbeiten begannen auf der von der Straße abgewandten Seite des Hauses. Als Bürgermeister Rödenbeck vom Abriss erfuhr, lagen bereits große Teile des Gebäudes in Trümmern. Rödenbeck sagte auf LZ-Nachfrage: „Ich habe mich maßlos darüber geärgert. Juristisch ist es leider nicht zu beanstanden. Aber es ist eine hinterhältige Aktion.“ Erst Mitte Dezember hatte der Gemeinderat Barum eine Veränderungssperre für den betroffenen Ortsbereich beschlossen. Rechtskraft erlangt hätte die Veränderungssperre mit der Veröffentlichung im Amtsblatt des Landkreises Lüneburg, das jedoch erst am kommenden Freitag erscheint. Mit dem Abriss ist der Eigentümer der Gemeinde also zuvorgekommen.

„Ich habe mich maßlos darüber geärgert. Juristisch ist es leider nicht zu beanstanden. Aber es ist eine hinterhältige Aktion.“
Torsten Rödenbeck, Bürgermeister Barum

Betroffen von der Veränderungssperre ist der Geltungsbereich des Bebauungsplans St. Dionys Nr. 4 „Frankenweg Süd“, der sich aber noch in der Aufstellung befindet. Dazu heißt es: „Ziel und Zweck des Bebauungsplans ist die Sicherung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung im südlichen Bereich von St. Dionys unter Wahrung der historischen Entwicklung und des dörflichen Charakters. Es sollen dort einige neue Wohnbauplätze geschaffen werden sowie das historische Gasthaus Fehlhaber erhalten und wieder in Betrieb genommen werden.“

Bereits zweiter Abriss-Anlauf

Bürgermeister Rödenbeck sagt nach dem überraschenden Abriss: „Die Gemeinde wird nun überlegen müssen, ob der Aufstellungsbeschluss wieder aufgehoben wird, da mit dem Abriss ein zentrales Planungsziel nun zerstört wurde.“ Und: „Es wäre schön gewesen, wenn der Eigentümer wenigstens mit uns über seine Pläne gesprochen hätte.“

„Natürlich sind wir weiter zu Gesprächen mit der Gemeinde bereit. Wir haben großes Interesse daran, dass am Standort etwas vernünftiges Neues entsteht.“
Eberhard Manzke, Eigentümer

Bereits im Frühjahr 2013 hatten die damaligen Eigentümer, der Lüneburger Fleischermeister Horst Rothe und der Hamburger Banker Dr. Eric Hirsch, erwirkt, dass der ehemalige Landgasthof aus dem Denkmalschutz herausgelöst wird. Einem früheren Abrissantrag hatte die Gemeinde seinerzeit ebenfalls ihr Einvernehmen erteilt. Allerdings mit der Aussicht, dass an der Stelle ein neues Gebäudeensemble entsteht mit Restaurant, Dorfcafé , Hofladen sowie Büros und Appartements. Aus den Plänen wurde bekanntlich nichts. Das Gasthaus stand weitere Jahre leer. Rothe und Hirsch beendeten schließlich die Zusammenarbeit, eine Gesellschaft von Rothe wurde alleinige Eigentümerin. Und die verkaufte zuletzt den ehemaligen Landgasthof an eine Gesellschaft des Lüneburger Unternehmers Eberhard Manzke.

Abriss erfolgt nach juristischer Beratung 

Manzke betonte jetzt auf LZ-Nachfrage, dass das Vorgehen völlig rechtskonform gewesen sei. Man habe der Gemeinde Barum, so Manzke, mehrere Gesprächsangebote zur Zukunft des Gasthauses Fehlhaber gemacht. Die seien nicht angenommen worden. „Wir fühlen uns unfair behandelt.“ Nach juristischer Beratung habe man sich zum Abriss entschlossen. Nähere Auskünfte wollte Manzke angesichts der „laufenden Rechtsangelegenheit“ nicht geben. „Aber natürlich sind wir weiter zu Gesprächen mit der Gemeinde bereit. Wir haben großes Interesse daran, dass am Standort etwas vernünftiges Neues entsteht.“ Für den Erhalt des alten Gebäudes habe es aber „keine vernünftige wirtschaftliche Lösung“ gegeben.

Der Abriss des Gasthauses Fehlhaber dürfte nun auch bei der nächsten Barumer Gemeinderatssitzung auf den Tisch kommen. Termin ist am Mittwoch, 18. Januar, ab 20 Uhr im Feuerwehrhaus Barum. Hauptthema soll eigentlich der Erhalt des Gasthauses Flindt in Barum sowie dessen geplante Sanierung und der Umbau sein.