Sonntag , 1. November 2020
Die Grünen-Kreistagsabgeordneten Antje Aden-Meyer und Tanja Bauschke (r.) machten in der Bäckerstraße mit einem Original-Sauenkastenstand auf die Haltungsbedingungen in deutschen Ställen aufmerksam. Foto: t&w

So werden Ferkel gesäugt

Lüneburg. Minusgrade und Schnee hielten die Mitglieder des Lüneburger Kreisverbands der Grünen am Sonnabend nicht davon ab, über die Sauen-Haltung in deutschen Schweineställen aufzuklären. Ein Kastenstand zierte den Stand in der Bäckerstraße. Dieser wird in der Schweineproduktion in der Säugezeit eingesetzt, um zu verhindern, dass die Sau ihre Ferkel erdrückt. Anlass der Aktion war die Grüne Woche in Berlin, die am Freitag, 20. Januar, startet.

Inge Prestele (l.), Mitglied des Kreisvorstands der Grünen, und Martina Scholz, Veganerin und Mitarbeiterin im Lüneburger Tierheim, zeigten anhand von Virtual-Reality-Brillen eine Dokumentation über die Lebensbedingungen von Schweinen. Foto: t&w

Der Ferkelschutz war auch das Argument, das die Organisatoren der Aktion am häufigsten zu hören bekamen. Landwirte aus der Region waren vorbeigekommen, um den Einsatz dieser Sauenkastenstände zu erklären. Für Tanja Bauschke, die im Kreisvorstand der Grünen sitzt, nur die halbe Wahrheit. „Durch die Zucht wurden die Instinkte der Muttersauen reduziert, sie wären sonst viel vorsichtiger mit ihren Ferkeln, ein solches Gitter wäre dann nicht notwendig.“

Sauen sind die Leidtragenden 

Die Vorrichtung sorge zwar dafür, dass die Ferkel gesäugt werden, die Leidtragende sei aber die Sau. „Die Bucht ist zwar insgesamt rund 4 Quadratmeter groß, aber das Gitter trennt die Sau von den Ferkeln, so dass sie nur auf der Seite liegen und sich nicht bewegen kann“, sagt Bauschke. „Das Tierwohl steht dabei nicht im Vordergrund, sondern nur die billige Produktion.“

Die Schuld suchen die Vertreter der Grünen aber nicht bei den Bauern, sondern in der Politik. „Die Preispolitik sorgt dafür, dass kleinere Betriebe von den großen verdrängt werden.“ Preise würden durch die Agrarindustrie vorgegeben, deshalb seien Landwirte in dem System gefangen. Den Vorstoß des Niedersächsischen Agrarministers Christian Meyer befürwortet Bauschke. Dieser hatte kürzlich ein verbindliches Tierwohl-Label gefordert, danach soll das Fleisch von Tieren gekennzeichnet werden, deren Haltungsbedingungen über dem gesetzlichen Standard liegen. „Den Tieren würde es dann besser gehen, die Produktion wäre zwar wieder aufwendiger und teurer, aber so kann der Verbraucher mehr Einfluss nehmen.“ ap