Montag , 28. September 2020
Hätte auch ein kleiner Swimmingpool werden können, spaßt Schulleiter Hendrik Garbers über das inzwischen wieder mit Beton verfüllte Loch im Fußboden des Textilraums der Grundschule im Roten Feld. Foto: us

Blindgänger in Lüneburg: Das Loch ist wieder zu

Lüneburg. Noch weisen kleinere Sandhaufen und tiefe Lkw-Furchen auf dem Gelände der Schule Im Roten Felde auf die jüngste Bombensondierung hin, der Unterricht in der Grundschule aber konnte gestern wie geplant wieder aufgenommen werden. „Der Betrieb läuft wieder. Die Stadt ist sehr bemüht, die Arbeiten hier zügig zum Abschluss zu bringen“, freut sich Schulleiter Hendrik Garbers.

Das riesige Loch, das noch am Tag nach der Freilegung von harmlosen Bombenresten im Boden des Anbaus der Schule klaffte, ist inzwischen nahezu komplett geschlossen. Gestern Vormittag wurde der Hohlraum bis knapp unter die Oberkante mit Beton verfüllt, nachdem das aufgebrochene Fundament zur Begradigung auf eine etwa zwei mal zwei Meter große Fläche aufgeschnitten worden war. „Darauf kommt jetzt die Dämmung, dann der Estrich, anschließend wird der Fußbodenbelag neu verlegt“, erläutert Hendrik Garbers die Arbeiten. Inzwischen wurde auch das Erdloch auf dem Nachbargrundstück, in dem am Montag ein Blindgänger geborgen wurde, wieder verfüllt.

Statik der Grundschule ist nicht gefährdet

Befürchtungen, durch den Eingriff hätte die Statik des Anbaus in Mitleidenschaft geraten können, das Gebäude im schlimmsten Fall sogar abgerissen werden müssen, haben sich nach Aussagen der Stadt nicht bewahrheitet: „Wir schließen das Loch, das wars“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Mädge, nachdem die Ausmaße des Schadens an der Schule festgestellt worden waren.
Auch die übrigen für die Sondierung gebohrten Löcher sind bereits verfüllt, der Flur des Anbaus ist für die Nutzung wieder freigegeben worden. Lediglich der Textilraum mit der vier Quadratmeter großen Fundamentöffnung bleibt noch bis zum Abschluss der Arbeiten geschlossen.

Den Raum als Swimmingpool zu nutzen, diese Idee sei den Schülern auch gleich gekommen, berichtet Schulleiter Garbers und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Das ist nun leider zu spät.“ Die Suche nach einem Blindgänger in ihrer Schule sei für viele dennoch aufregend gewesen, noch gestern war es ausführliches Thema im Unterricht. „Jeder hat hier seine Geschichte erzählt.“ Einige Schüler seien mit ihren Eltern sogar am Montag nach dem Freilegen und Entschärfen des Blindgängers zur Schule gekommen, um den Fund mal aus der Nähe bestaunen zu können.

Anzahl der weiteren Verdachtspunkte unklar

Inzwischen laufen bei der Stadt die Vorbereitungen für die nächsten Sondierungen. „Gegenwärtig sind wir dabei, die Verdachtspunkte aus dem Gutachten auf die Flurkarten zu übertragen“, erklärt Lüneburgs Sicherheitsdezernent Markus Moßmann. Erst dann könne man genau sagen, welche Grundstücke betroffen sind. „Die betroffenen Eigentümer werden dann von uns informiert.“ In Abstimmung mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen und dem Bergungsunternehmen Schollenberger, das bereits bei der Sondierung der beiden Verdachtspunkte im Roten Feld eingesetzt war, sollen dann die nächsten Punkte angegangen werden. Dabei wird der Verdachtspunkt an der IGS Lüneburg in Kaltenmoor den nächsten Aufschlag machen.

Unklar ist offenbar, wie viele dieser Verdachtspunkte es genau gibt. Mal spricht die Stadt von 18, mal von 20 Punkten, unter denen ein Blindgänger liegen könnte. Auch die Zahl 21 wurde bereits genannt. Dazu heißt es seitens der Stadt: „Ob es nun noch 18 oder 19 verbleibende Verdachtspunkte sind, betrachtet der Oberbürgermeister als Haarspalterei. Wenn neue Karten vorliegen, werden es vielleicht noch mehr. Von daher ist das kein abgeschlossener, sondern ein laufender Prozess und daher müßig darüber zu diskutieren, ob es jetzt erstmal 18 oder 19 sind.“

Von Ulf Stüwe