Wenn es für im Internet bestellte verschreibungspflichtige Arzneimittel Rabatte gibt, gefährdet das die Apotheken und deren Notversorgung vor Ort, beklagen auch die Lüneburger Apotheker.

Rabatte gefährden die Versorgung vor Ort

Lüneburg. Scharf kritisieren Apotheker bundesweit ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes, wonach ausländische Versand­apotheken Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente auch in Deutschland gewähren können. Denn in Folge sehen sie die Existenz von Apotheken bedroht mit der Konsequenz, dass eine wohnortnahe Versorgung nicht mehr gewährleistet ist. An einer deutschlandweiten Unterschriften-Aktion beteiligt sich auch Katharina Gonzales-Krückeberg, Inhaberin der Bären-Apotheke Ilmenau in Deutsch Evern und Vorsitzende des Bezirks Lüneburg im Landesapothekerverband.

Gut ausgebildetes Personal ist nicht umsonst zu haben

Bisher galt in Deutschland für alle rezeptpflichtigen Medikamente der identische Preis egal, ob der Patient das Rezept in seiner Apotheke einlöste oder das Medikament in einer Online-Apotheke bestellte. 2012 wurde zusätzlich festgelegt, dass auch ausländische Versandapotheken an diese einheitlichen, deutschen Preise gebunden sind. Die Richter des Europäischen Gerichtshofes erklärten nun die deutsche Regelung für unzulässig. Nach ihrer Auffassung stellen Festpreise eine nicht gerechtfertigte Beschränkung des freien Warenverkehrs dar. Die Folge: Ausländische Versandapotheken dürfen Rabatte geben.

Katharina Gonzales-Krückeberg weist darauf hin, dass es in der EU nur sieben Mitgliedsstaaten inklusive Deutschland gibt, in denen der Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten überhaupt erlaubt ist. In drei Viertel der EU-Staaten sei es verboten. Sie sieht in dem Internethandel unter anderem das Risiko, dass nicht absehbar sei, wie mit dem Datenschutz umgegangen wird.
Für manchen Patienten biete der Internethandel zwar den Anreiz, dass er sparen könne. Doch das habe auch eine Kehrseite: Denn Beratung bieten nur die Apotheken vor Ort an. "Dazu bedarf es Fachpersonal und das ist kostenintensiv."

Arbeitsplätze könnten in Gefahr geraten

Viele der insgesamt 155000 Arbeitsplätze in deutschen Apotheken könnten in Gefahr geraten, wenn aufgrund des destruktiven Preiswettbewerbs Apotheken schließen müssen, schließt sich Katharina Gonzales-Krückeberg der Einschätzung von Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes, an. Die Folge: Eine wohnortnahe Versorgung könnte dann mittelfristig nicht mehr gewährleistet sein, Notdienste wären nicht mehr möglich. "Was macht man dann, wenn man in einem akuten Fall nachts noch ein Medikament braucht? Per Internet ist das kaum möglich." Über das könnten auch individuell hergestellte Arzneien nicht geordert werden.

Die Apothekerin erläutert auch, was hinter der bisher gelten Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneien steht. Auf den Einkaufspreis dürfen Apotheken jeweils einen gesetzlich festgelegten Zuschlag von drei Prozent erheben. Hinzu kommt ein Beratungshonorar von 8,35 Euro. Bei einem Medikament, das 5000 Euro kostet, würden so rund 158 Euro in der Kasse klingeln. Das ist eher weniger die Regel kostet es 50 Euro, verdient der Apotheker knapp 10 Euro. Dennoch: Verschreibungspflichtige Arzneimittel machen 80 bis 85 Prozent der Einnahmen aus. "Brechen diese aufgrund des ausländischen Rabatt-Versandhandels weg, muss mancher sein Geschäft schließen."

Unterschriftenliste soll Druck ausüben 

Katharina Gonzales-Krückeberg und ihre Kollegen richten deshalb den Blick nach Berlin. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will ein Gesetz auf den Weg bringen, das den Versand von rezeptpflichtigen Medikamenten untersagt. Damit solle die Qualität und Sicherheit einer flächendeckenden, wohnortnahen Versorgung weiterhin gewährleistet sein, heißt es. Mit der Unterschriftenliste soll dem zu Nachdruck verholfen werden. Dort heißt es: "Ich fordere von der Politik: Stoppen Sie die gefährlichen Einflüsse von außen. Schützen Sie die Apotheke vor Ort."

Von Antje Schäfer