Herr Hermann ist genau einen Meter lang. Normalerweise wächst der Leguan jedes Jahr, deshalb misst Tierpflegerin Alexandra Urban bei der Inventur genau nach. Rechts: 133 sind noch im Laden, 7297 wurden im vergangenen Jahr verkauft: Die Salzsäckchen sind laut Inventur einer der Bestseller in der Tourist Information. Fotos: nh/t&w

Inventur: Zeit des großen Zählens

Nindorf/Lüneburg. Die Präriehunde werden die Inventur wieder einmal verschlafen. Wenn Tierpflegerin Alexandra Urban in diesen Tagen im Wildpark unterwegs ist, um jedes einzelne Tier zu zählen, dann schlummern die Nager gemütlich unter der Erde. Auch die Wasserschildkröten sind zum Winterschlaf abgetaucht. "Die sehen wir erst im Frühling wieder. Zählen können wir die jetzt nicht", verdeutlicht die Leiterin der Tierpflege, die gerade viel Zeit mit Zahlen und Daten verbringt: Die Behörden möchten einmal im Jahr den aktuellen Stand haben, zudem gibt es gesetzliche Vorgaben, bestimmte Tiere einmal im Jahr zu melden. Deshalb ist eine Inventur im Wildpark Lüneburger Heide jedes Jahr im Januar Pflicht.

Schildkröten und Vögel müssen auf die Waage

Für die Tierpfleger ist es auch die Gelegenheit, bei einigen Bewohnern Größe und Gewicht zu kontrollieren. "Bei Vögeln kann man das Gewicht schwer sehen. Und das ist immer ein Indiz für Gesundheit", weiß Urban. Und auch bei Schildkröten könne man durch den Panzer nicht sagen, ob sie dick oder dünn seien. Deshalb heißt es jedes Jahr: Ab auf die Waage, um danach zu entscheiden, ob die Schildkröten auch im nächsten Jahr noch so viel Obst essen dürfen oder ob ihre Ration durch mehr Gurken und Salat ersetzt wird.

Ab auf die Waage, heißt es jedes Jahr für die Schildkröten im Wildpark. Das Gewicht entscheidet auch über die Diät im nächsten Jahr: Viel Obst oder doch mehr Gurken und Salat?
Ab auf die Waage, heißt es jedes Jahr für die Schildkröten im Wildpark. Das Gewicht entscheidet auch über die Diät im nächsten Jahr: Viel Obst oder doch mehr Gurken und Salat?

„Wir zählen hier alles. Von Schokolade über Gulaschund sogar Schafe.“
Judith Peters, Leiterin Tourist-Information

Ganz so weitreichende Entscheidungen bringt die Inventur in vielen Lüneburger Läden und Unternehmen vermutlich nicht, doch auch hier ist in diesen Tagen Zählen angesagt. "Wir müssen es ja irgendwann machen. Wir brauchen den Überblick darüber, was wir verkauft haben, und es ist auch wichtig für den Jahresabschluss", erzählt die Leiterin der Tourist-Information, Judith Peters, die gerade zwei Lüneburg-Besuchern erklären musste, dass der Anlaufpunkt leider erst wieder am Nachmittag öffnen kann. Die wenigen Stunden bis dahin nutzen sie und ihre Mitarbeiter für eine gründliche Bestandsaufnahme: "Wir zählen hier alles. Von Schokolade über Gulasch und sogar Schafe." Die kleinen Stofftiere haben zwar wenig Ähnlichkeit mit ihren Artgenossen aus der Heide, sind aber als Souvenir trotzdem beliebt. Genauso wie die kleinen Salzsäckchen, die sich auch bei dieser Zählung als Bestseller entpuppen.

Zählung bis zum Schluss spannend

Dass Läden wegen Inventur geschlossen haben, vor vielen Jahren noch eine gängige Praxis, sieht man in Lüneburg heute eher selten. "Wir machen das nebenbei. Einen Großteil des Lagers haben wir schon erfasst", erzählt Michael Kalb von der Rasierer-Zentrale. Er und seine Söhne haben gerade viel zu tun, um Messer, Taschenlampen und Rasierer akribisch zu zählen und in Listen zu erfassen. "Zu sagen, dass ich das gerne mache, wäre übertrieben", sagt Kalb, "Aber es soll ja alles genau werden." Eingeplant hat er zwei Tage, dann soll alles fertig sein.

Schäfchen zählen – einmal im Jahr Teil des Jobs von Sandra Boemke und Christian Sterz (v.l.), sie arbeiten bei der Tourist-Info. Foto: t&w
Schäfchen zählen – einmal im Jahr Teil des Jobs von Sandra Boemke und Christian Sterz (v.l.), sie arbeiten bei der Tourist-Info. Foto: t&w

Ganz so schnell geht es im Wildpark nicht. Bei 145 Arten und mehr als 1200 Tieren wird Alexandra Urban noch bis Ende der Woche brauchen, bis alle Listen gefüllt sind. Beim Zählen setzt sie auf Teamwork. "Bei 56 Tieren im Rudel ist es teilweise schwierig, jedes einzelne zu sehen. Deshalb zählen wir morgens beim Füttern durch, das ist auch für die Tiere einfacher, weil sie die Situation kennen", so Urban. Für Spannung sorgen gerade noch die Zwergziegen. "Da sind in den letzten Tagen schon 26 Jungtiere zur Welt gekommen und weitere Geburten stehen noch an", erzählt die 32-Jährige. Die Zahl der Bewohner im Wildpark kann sich also jede Minute ändern.

Von Manuela Gaedicke