Dienstag , 27. Oktober 2020
Im Gebäudeteil des ersten Bauabschnitts sind inzwischen medizinische Gase untergebracht, die per Steuerungsanlage im Klinikum verteilt werden, zum Beispiel auf die Intensivstation und in die Operationssäle. Foto: t&w

Großbaustelle Klinikum Lüneburg

Lüneburg. Seit gut einem Jahr ist das Lüneburger Klinikum eine Großbaustelle. Da der Erweiterungsbau an der Bögelstraße mit einer Fläche von mehr als 16000 Quadratmetern im laufenden Betrieb entsteht, muss nach einem verzahnten Plan vorgegangen werden. Dr. Michael Moormann, Geschäftsführer des Klinikums, erläutert den aktuellen Stand.

Dritter Bauabschnitt steht bevor 

Den besten Überblick aufs Baufeld hat man vom Hubschrauberlandeplatz auf dem sogenannten Blauen Planeten, neben dem der Erweiterungsbau läuft. Der erste sowie der zweite Bauabschnitt sind bereits im Rohbau fertig. Dazwischen klafft eine Baugrube für den dritten Bauabschnitt. An dieser Stelle befand sich bisher ein Modulbau, in dem die vorstationäre Sprechstunde untergebracht war. „Darunter befand sich die Technikzentrale mit den Transformatoren für die Stromversorgung, die Großkälteanlage sowie die zentrale Versorgung für medizinische Gase“, schildert Moormann. All das durfte im fortlaufenden Betrieb zu keinem Zeitpunkt ausfallen, wandert nun nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts in diesen Gebäudeteil. Gleich zum Jahresanfang wird mit dem Innenausbau des ersten und zweiten Bauabschnitts begonnen: Heizung, Lüftung, Sanitäranlagen werden installiert, Anschlüsse für medizinische Geräte und Netzwerke verlegt.

Parallel dazu erfolgen die Rohbauarbeiten für den dritten Bauabschnitt, in dessen Keller weitere Technikräume einziehen werden. Zu der künftigen Nutzung erläutert Dr. Moormann: „Auf der Ebene 0 des Erweiterungsbaus Bauabschnitt 2 und 3 konzentrieren wir die Radiologie, die zurzeit noch im ganzen Haus verteilt ist.“ Dort wird auch weiter das Labor angesiedelt sein. Die Mitarbeiter waren in den vergangenen Wochen erheblichem Lärm ausgesetzt, weil für den dritten Bauabschnitt die alte Bodenplatte weggestemmt werden musste.

„Was zu Problemenführt, ist die boomende Baukonjunktur, aufgrund derer sich bei einigen Gewerken keine oder nur wenige Firmen auf Ausschreibungen melden.“
Dr. Michael Moormann, Geschäftsführer Klinikum

Patientenaufkommen in der Notfallversorgung entzerren

Auf Ebene 1 zieht die neue interdisziplinäre Notaufnahme ein. „Außerdem wird es dort Aufnahme-Betten für Patienten geben, die nachts ins Klinikum kommen und am Morgen darauf wieder entlassen beziehungsweise auf Stationen verlegt werden“, erklärt Moormann. Außerdem werde es dort ein Elektives Aufnahme-Zentrum geben für Patienten, die mit einem Termin für eine stationäre Aufnahme oder eine ambulante Untersuchung ins Klinikum kommen. „Damit wollen wir die Aufnahme dieser Patienten und von der Notfallversorgung entzerren.“

Im Stockwerk darüber befindet sich künftig die neue Intensivstation sowie die IMC, Intermediate Care, zu Deutsch Zwischenpflege, die ein Bindeglied zwischen Intensiv- und Normalpflege ist. In die dritte Ebene zieht die Kardiologie, die damit direkt neben dem Herzkatheter-Labor angesiedelt ist.

Vorgesetzt hin zur Bögelstraße wird ein flacher Anbau für die Anfahrt der Liegendtransporte. Drei massive Pfeiler für die Rampe wurden bereits gesetzt. Insgesamt 50,5 Millionen Euro werden investiert, um das Haus auf neuesten Stand zu bringen und zukunftsfähig zu machen. Die voraussichtlichen förderfähigen Kosten belaufen sich auf 38,4 Millionen Euro. Die Inbetriebnahme ist für das vierte Quartal 2018 geplant. „Die Arbeiten laufen einigermaßen im Zeitplan“, sagt Dr. Moormann, auch wenn es immer mal Unwägbarkeiten gebe.

„Was zu Problemen führt, ist die boomende Baukonjunktur, aufgrund derer sich bei einigen Gewerken keine oder nur wenige Firmen auf Ausschreibungen melden.“ Das führe dazu, dass manches vorgezogen, anderes verschoben werden müsse. Der Boom sorge zudem für deutlich gestiegene Preise. „Wir sind dennoch im Budget. Damit das so bleibt, betreiben wir ein umfangreiches Kostencontrolling.“

Von Antje Schäfer