Freitag , 30. Oktober 2020
Die Grafik zeigt die Zahlen der beiden Kirchenkreise Lüneburg und Bleckede, die mit der Fusion im neuen Jahr nun zu einer Einheit verschmelzen. Aufgeführt sind beispielhaft fünf Bereiche, hinter denen vor allem Menschen stecken. Grafik: hm

Kirchenkreise Lüneburg und Bleckede fusionieren

Lüneburg. Am 1. Januar ist es offiziell, mit Urkunde und Siegel: Aus den beiden Kirchenkreisen Lüneburg und Bleckede entsteht ein neuer Kirchenkreis. Unter dem Namen „Ev.-luth. Kirchenkreis Lüneburg“ reicht er von der Kirchengemeinde Amelinghausen im westlichsten Zipfel bis zur Kirchengemeinde Tripkau im östlichen Bereich. Zum Auftakt gibt es am Freitag, 6. Januar, um 17 Uhr in der St. Johanniskirche in Lüneburg ein Fest zum Epiphaniasempfang.

Mit 32 Kirchengemeinden und rund 88000 Mitgliedern ist es der größte Kirchenkreis innerhalb der Landeskirche Hannover. „Für die Gemeindemitglieder selbst wird sich nicht viel ändern, außer dass das Dach über ihren Gemeinden größer wird“, sagt Superintendentin Christine Schmid, die dann den Titel Leitende Superintendentin trägt, Bleckedes Superintendent Christian Cordes behält seinen Titel und sein Büro in Bleckede. Schmid nennt den Hauptgrund für die Fusion: „Die Stabilität der Strukturen wird gestärkt, wir können durch die gemeinsame Organisation übergemeindliche Dienste verbessern, beispielsweise die Notfallseelsorge, die Klinikseelsorge und das Schulpfarramt.“ Cordes ergänzt: „Besondere Einrichtungen wie die starke Diakonie oder die Familien-Bildungsstätte werden auf das Gebiet des Landkreises getragen.“

Kirchenmusik und Jugendarbeit werden gestärkt

Mit Kürzungen von Pastoren-Stellen oder gar Kirchen-Schließungen rechnet Christine Schmid auf absehbare Zeit nicht: „Wir schrumpfen bei der Mitgliederzahl nur wenig, da die Region Lüneburg ein Zuzugsgebiet ist. Ich gehe von relativ stabilen Zahlen in den nächsten Jahren aus.“ Christian Cordes sieht die Fusion unterm Strich so: „Wir sparen finanziell zwar wenig, gewinnen aber an Beweglichkeit.“ Beispielsweise durch eine engere Kooperation einzelner Gemeinden etwa bei Projekten: „Die Grenzen hatten sich überlebt.“

„Wir sparen finanziell zwar wenig, gewinnen aber an Beweglichkeit.“
Christian Cordes, Superintendent

Gestärkt wird beispielsweise die Kirchenmusik, für die Lüneburg bekannt ist. Künftig werden sich zwei Kirchenkreis-Kantore Henning Voss aus St. Michaelis und Jan Peter Heine aus Bleckede unter anderem um die Aus- und Fortbildung von Kirchenmusikern kümmern und Projekte wie „Come together“, mit dem moderne Klänge in die Kirchen gebracht werden, weiterentwickeln. Die Jugendarbeit erhält eine halbe Stelle mehr, Kreisjugenddienstleiter Frank Jonas wird unterstützt von Diakon Stephan Eckardt und Diakonin Barbara Schink. Christian Cordes erläutert: „Sie bilden auch Interessierte für die Jugendarbeit aus, da hatten wir bislang Kapazitätsprobleme: Es wollten sich mehr ausbilden lassen als wir ausbilden konnten.“ Ein gemeinsamer Kindertagesstättenverband wurde längst gegründet, über die Gründung eines Friedhofsverbands wird diskutiert.

Für das Leitungsmodell wurde eigens eine Erprobungsverordnung von der Landeskirche erlassen, für den neuen Kreis sind gleich zwei Superintendenten im Einsatz, Christine Schmid: „Für einen ist der Kirchenkreis einfach zu groß. Und der Kreis wird ja auch nicht kleiner an Gemeinden und Pastoren.“ Sie selbst ist dann Leitende Superintendentin, Cordes Superintendent. Als Gewinn aus der Bildung des neuen Kirchenkreises sieht Christine Schmid auch, dass die Idee der Landeskirche, das Kirchenkreisamt Lüneburg zum Winsener Amt zu verlegen, vom Tisch ist es bleibt in der Hansestadt.

Der neue Kirchenkreistag konstituiert sich am 1. Februar.

Das Gründungsfest

Die Besucher des Gründungsfestes am Freitag, 6. Januar, um 17 Uhr in St. Johannis erleben eine Premiere: eine audio-visuelle Reise durch den Kirchenkreis. „Man bekommt einen schönen Eindruck von der Vielfalt der Gotteshäuser. Auch engagierte Menschen, die unseren Kirchenkreis so lebendig machen, werden zu sehen sein“, kündigt Superintendent Christian Cordes an.

Oberlandeskirchenrat Dr. Rainer Mainusch von der Landeskirche Hannover überreicht die Gründungsurkunde. Landrat Manfred Nahrstedt und Oberbürgermeister Ulrich Mädge halten Grußworte. Die musikalischen Beiträge gestalten Kirchenkreiskantor Hennig Voss mit dem Kammerchor St. Michaelis sowie die Musiker Daniel Stickan und Uwe Steinmetz.

Im Anschluss wird zu einem Empfang eingeladen. Eine weitere Premiere an dem Abend wird der Verkaufsstart des neuen Kirchenführers des Lüneburger Autorenduos Berit Neß und Carolin George sein: „Gottes Häuser – Vom Turm aus Feldsteinen bis zum Glasaltar“ heißt das 156 Seiten starke Buch, das es an dem Abend bereits für 9,90 Euro zu kaufen gibt.

 

Der neue Kirchenkreis in Zahlen

Die nachfolgende Zusammenstellung gibt einen Überblick über den neuen Kirchenkreis mit aktuellen Zahlen sowie Zahlen von 2015 für die damals zwei Kreise zusammen:

  • Kirchengemeinden ↔32
  • Gemeindemitglieder ↔ca. 88 000
  • Pastoren ↔51
  • Diakone ↔16
  • Mitarbeitende ↔750
  • Kleinste Gemeinde ↔Stapel/509 Mitglieder
  • Größte Gemeinde ↔ St. Michaelis/7015
  • Mitglieder Taufen im Jahr 2015 ↔752
  • Konfirmationen ↔939
  • Trauungen ↔173
  • Bestattungen ↔1007
  • Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen ↔1921
  • Gottesdienstbesucher Heiligabend ↔34 904
  • Besucher Kirchenmusik-Konzerte ↔42 083
  • Gebäude ↔166
  • Friedhöfe ↔30