Mittwoch , 28. Oktober 2020
Annette Kork, Harald Heuer und Jens Kaidas wollen eine Mitfahrerbank in jedem Ort der Samtgemeinde Scharnebeck aufstellen. Für die CDU-Mitglieder im Rat eine gute Alternative zu den oft nur spärlich vorhandenen Busverbindungen. Foto: t&w

Eine Bank für Mitfahrer

Hohnstorf/Elbe. Die Bünsdorfer haben eine, ebenso wie die Jesteburger und wenn sich die Hohnstorferin Annette Kork mit ihrem Vorstoß durchsetzt, haben bald auch die Menschen in der Samtgemeinde Scharnebeck ihre eigene Mitfahrerbank. Seit einigen Jahren findet das etwas andere Mobilitätskonzept bundesweit immer mehr Anhänger, im kommenden Jahr wollen auch Kork und ihre Mitstreiter aus der CDU-Fraktion im Scharnebecker Samtgemeinderat die moderne Form des Trampens einführen. Das Konzept dahinter: Menschen stellen sich an speziell gekennzeichnete Bänke, zeigen mit Klappschildern ihr Ziel an und warten darauf, mitgenommen zu werden.

Annette Kork ist durch eine Fernsehsendung auf die Mitfah­rerbänke aufmerksam geworden, „da dachte ich schon, was für eine nette Idee“, erinnert sie sich. Als die Kommunalpolitikerin dann auch noch einen Artikel darüber in einer Zeitschrift des Städte- und Gemeindebundes gelesen hat, entschied sie, selbst tätig zu werden. Sie überzeugte Mitstreiter und ihren Fraktionsvorsitzenden Harald Heuer von der Idee, formulierte einen Antrag und Heuer schickte ihn dem Samtgemeindebürgermeister mit der Bitte, das Thema in die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung aufzunehmen.

Nach Vorstellung der CDU-Fraktion soll in Zukunft in jedem Ort der Samtgemeinde eine Mitfahrerbank stehen. „Mit entsprechenden Schildern können die Menschen dort dann anzeigen, wo sie hinwollen, etwa nach Lüneburg, Scharnebeck oder auch Lauenburg“, sagt Kork. Geld darf fürs Mitfahren nicht fließen, „und auch Kinder dürfen nicht mitgenommen werden“. Ansonsten spricht offiziell nichts gegen den Mitfahr-Deal. „Alle Mitfahrer sind über die Kfz-Haftpflicht mitversichert.“

Wer als Fahrer Mitbürger mitnehmen will, kann das mit einem großen „M“ im Autofenster klar kommunizieren. „Man kann aber auch einfach an der Bank anhalten, wenn es passt“, betont Kork.
Bleibt die Frage, ob das Angebot tatsächlich angenommen wird. Denn Erfahrungen aus anderen Gemeinden zeigen: Nicht überall lassen sich die Menschen auf das Prinzip der „Mitfahrbank“ ein. Auch Annette Kork macht sich keine Illusionen: „Die Menschen werden sicherlich nicht gleich Schlange stehen“, sagt die Hohnstorferin, „so etwas braucht Zeit.“ Trotzdem lohne es sich, das Konzept auszuprobieren. „Zumal es leicht umzusetzen ist und kaum Investitionskosten gibt.“ Scheitert das Projekt, „können die Bänke jederzeit woanders zum Einsatz kommen“. Gelingt es, „ist es eine super Ergänzung für Menschen, die selbst kein Auto haben und mal außerhalb der oft nur spärlich vorhandenen Busverbindungen irgendwo hin wollen“.

Ob die Mitfahrbank in der Samtgemeinde Scharnebeck tatsächlich eingeführt wird, muss der Samtgemeinderat entscheiden. Noch steht nicht fest, wann genau das Thema von der Politik verhandelt wird, doch Annette Kork hofft, die Mehrheit der Ratskollegen von der Idee überzeugen zu können. „Das wäre eine schnelle und günstige Möglichkeit, um das Leben auf den Dörfern attraktiver zu machen“, sagt sie. „Zumindest den Versuch sollte es wert sein.“

von Anna Sprockhoff