Dienstag , 27. Oktober 2020
Melanie Mertz (l.) hatte gestern gut zu tun. Kunden wie Mara Twesten (17) wollten in der Buchhandlung Lünebuch ihre Weihnachtsgutscheine einlösen. Foto: be

Lüneburger Einzelhandel brummt nach dem Fest

Lüneburg. Die stylischen weißen Kopfhörer gab es zwar wie gewünscht zu Weihnachten, nur leider hatten sie einen Wackelkontakt. Kein Problem für Carsten Lemmen und seine beiden Töchter Maya und Sophia. „Meine Frau braucht sie zum Arbeiten, und da wir sie zu Hause ablenken, sind wir einfach kurz losgefahren.“ Dafür nutzte das Trio gestern auch gleich den ersten Verkaufstag nach Weihnachten, um die Kopfhörer im Lüneburger Elektromarkt expert Bening umzutauschen.

Oma und Tante sorgen für nachträgliche Bescherung

Louis war dagegen total zufrieden mit seinen Weihnachtsgeschenken. „Von meiner Oma und meiner Tante habe ich Gutscheine bekommen“, erzählt der Zwölfjährige, der sich jetzt davon einen Nintendo samt Spiel gekauft hat. Etwas Geld musste Ute Wermbter aber noch oben drauf legen. Dafür habe ihr Neffe nun aber das, was er sich gewünscht habe. „Ein Gutschein ist immer ein sicheres Geschenk.“

Das beobachtet auch Marktleiter Ralf Böhling. „Gutscheine sind bei uns klar der Top-Seller“, sagt er. Im Vergleich zum Vorjahr habe expert Bening in Lüneburg „bestimmt doppelt so viele“ verkauft. Am ersten Tag nach Weihnachten sei vergleichsweise auch mehr los. Neben Gutscheinen würden dann auch unpassende Geschenke wie Notebooks oder Tablets, die dem Beschenkten nicht zusagen, zurückgegeben. Mit dem Weihnachtsgeschäft ist Böhling insgesamt mehr als zufrieden. Besonders die letzte Woche sei hektisch gewesen, sagt er. Am meisten Anklang hätten Blue­tooth-Lautsprecher, Nespresso Kaffeemaschinen und Handys gefunden. „Das waren klassische Last-Minute-Geschenke.“

 

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr nutzen auch viele Buch-Liebhaber, um sich Nachschub zu besorgen. Darunter seien aber nur wenige, die die Buchhandlung Lünebuch für einen Umtausch ansteuern, hat Geschäftsführer Jan Orthey beobachtet. In diesem Jahr habe man sich bei der Titel-Auswahl breiter aufgestellt, wenige Spitzentitel angeboten. „Der Buchverkauf an sich war sehr gut, besser als im Vorjahr.“ Große Posten seien stets Romane, Krimis und Kinder- und Jugendbücher. Auch Gutscheine habe man gut verkauft.

Unsicher bei der Geschenkeauswahl war die Großmutter von Mara Twesten. „Sie schenkt mir gern einen Gutschein, weil sie nicht genau weiß, was ich lese“, sagt die 17-Jährige, die sich davon gleich einen neuen Fantasy-Roman gekauft hat. Auch Liebesgeschichten landen oft bei ihr im Regal. „Gutscheine haben bei mir kein langes Haltbarkeitsdatum.“

Wichtige Tage für den Lüneburger Einzelhandel

Bei Media Markt konnten die Kunden am Dienstag schon um 8 Uhr den Laden stürmen. Die Aktion „Frühshoppen“ sei „super angenommen“ worden, sagt Werbe-Koordinator Florian Drechsler. Auch Gutscheine würden als Geschenke immer interessanter, einige seien gestern schon eingelöst worden. Daneben halte sich der Umtausch von Geschenken noch in Grenzen.
Dass der Gutscheinverkauf Jahr für Jahr zunimmt, kann auch Heiko Meyer, Chef der Kaufleute-Organisation LCM, bestätigen. So sei er jetzt im Vergleich wieder um drei bis vier Prozent gestiegen. „Die Leute wollen halt nicht irgendwas kaufen.“

Während im Vorjahr viel Technisches verschenkt wurde, seien es jetzt wieder viele Bücher, „um abzuschalten, sich zu besinnen.“ Außerdem seien in diesem Jahr vor allem hochwertige und namhafte Artikel in den Einkaufstaschen gelandet. Besonders hochpreisige Geschenke seien auch direkt vor Weihnachten über die Ladentheke gegangen. Dann würden stets einige Männer „panisch loslaufen“, dabei nicht auf den Euro achten. „Es gibt aber auch Frauen, für die Weihnachten ganz plötzlich kommt.“

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr sei wichtig für den Einzelhandel. „Wir erwarten weiterhin gute Umsätze“, sagt Meyer. Das Weihnachtsgeschäft ziehe sich aber auch noch bis in die erste Januarwoche. Insgesamt sei der Einzelhandel in etwa auf dem Niveau vom Vorjahr. „Die Ergebnisse im stationären Handel sind nicht herausragend, aber zufriedenstellend“, bilanziert Meyer. Besorgniserregend sei dagegen der stetige Zuwachs im Online-Bereich. „Das schafft keine Arbeitsplätze in der Innenstadt und schädigt dem stationären Handel in jeder Stadt.“

»Wer ein unpassendes Geschenk bekommen hat, kann es auch heute bei der Nacht der langen Gesichter von 16 bis 18 Uhr im Glockenhaus versteigern lassen (Abgabe (14.30 bis 16 Uhr) und damit gleich etwas Gutes tun. 15 Prozent des Erlöses gehen je zur Hälfte an die Kindertafel und die Stiftung Medien- und Onlinesucht.

Von Anna Paarmann