Freitag , 30. Oktober 2020
Bernd Kluczynski zeigt die Fotos, die er für den Reisepass vorgelegt habe. Darauf sieht er aus wie heute, auch sind sie biometrisch korrekt, doch das Lüneburger Bürgeramt akzeptiert die Bilder trotzdem nicht.

Reisepass: Lüneburg scheitert bei Antrag

Lüneburg. Für Bernd Kluczynski ist es reine Schikane. Im Bürgeramt der Stadt wollte der Lüneburger einen Reisepass beantragen. Als er nach längerer Wartezeit endlich an der Reihe war, wurde er enttäuscht: Seine Fotos wurden nicht akzeptiert. Dabei entsprachen die vorgelegten Bilder den biometrischen Anforderungen, der Lüneburger hatte sogar Fotos von zwei verschiedenen Aufnahmeterminen beim Fotografen dabei. „Und ich sehe auch heute kein bisschen anders aus als auf den Fotos“, sagt Kluczynski. Doch das Amt lehnte sein Ansinnen ab, forderte neue Bilder.

Auf LZ-Anfrage begründet die Stadt dieses Vorgehen. Zum Hintergrund: Die Beantragung und Ausstellung von Reisepässen ist gesetzlich geregelt. Danach habe die antragstellende Person ein aktuelles Foto abzugeben, egal ob in Schwarz-Weiß oder Farbe. „Die von dem Herrn vorgelegten Lichtbilder sind mit den bei uns hinterlegten Lichtbildern aus vorangegangenen Anträgen auf Ausstellung von Personaldokumenten aus den Jahren 2007 und 2012 identisch. Damit handelt es sich eindeutig nicht um aktuelle Lichtbilder“, begründet Stadtpressesprecher Daniel Gritz. Eben das aber bestreitet Kluczynski, zumindest die eine Bilderserie sei nach 2012 entstanden, er habe nur zufällig denselben Pullover angehabt.

Auf den ersten Blick ist kein Unterschied zwischen seinem Passfoto von 2012 und einer Serie der nun vorgelegten Bilder zu erkennen, allerdings sieht Kluczynski in der Realität auch keinen Tag älter aus als auf dem Bild. Von der Stadt heißt es dazu weiter: Unter „aktuell“ sei in der Regel zu verstehen, dass ein Foto nicht älter sein sollte als sechs Monate. „Wir erkennen jedoch auch Lichtbilder an, die älter als ein halbes Jahr sind, wenn sie in vollem Umfang dem aktuellen Aussehen entsprechen“, versichert Gritz. Hier komme es nicht darauf an, ob derjenige „gut wiederzuerkennen“ sei. „Es liegt in der Natur der Sache, dass sich Menschen verändern und sich der Alterungsprozess im Gesicht niederschlägt.

Bei der persönlichen Antragstellung ist die Diskrepanz zwischen den vorgelegten Lichtbildern und der anwesenden Person so auffällig gewesen, dass der Mitarbeiter den Antrag auf Ausstellung eines Reisepasses mit dem Hinweis auf die Erforderlichkeit eines aktuellen Lichtbildes ablehnen musste“, findet Gritz. „Der jetzt beantragte Reisepass wird mit einer Gültigkeitsdauer von zehn Jahren ausgestellt. So ist es auch für den Passinhaber wichtig, dass der Pass am Ausstellungstag dem aktuellen Aussehen entspricht.“

Bernd Kluczynski wird deshalb wohl nichts anderes übrig bleiben, als erneut bei einem Fotografen aufzuschlagen, um neue Bilder machen zu lassen. Für ihn ist das „Geldschneiderei“. ahe