Dienstag , 27. Oktober 2020
Eichhörnchen fressen sich schon im Sommer Winterspeck an, verbuddeln Nüsse, Kastanien und Bucheckern. Im Winter naschen die putzigen Tiere jedoch auch gern an Meisenknödeln. Foto: A/t&w

Futter braucht im Winter fast jedes Tier

Von Robin Williamson
Lüneburg. Wird es draußen kälter, beginnt für Vögel und Wildtiere die harte Zeit: Oft ist der Boden gefroren, die Futtersuche bei Schnee schwierig. Viele Tierfreunde bestücken ihr Vogelhäuschen deshalb mit Futter oder hängen Futterspender an die Bäume im Garten. Doch ist das überhaupt sinnvoll? Und kann der Mensch auch andere Tiere durch die kalte Jahreszeit füttern? Die LZ hat bei Vogel- und anderen Tierexperten nachgefragt.

Vögel: „Man muss nicht füttern“, erklärt der Lüneburger Vogelexperte Heinz-Georg Düllberg. „Aber Vögel können dabei gut beobachtet werden, das ist insbesondere für Kinder spannend“.

Doch dabei sollten gewisse Regeln berücksichtigt werden: „Wer füttern möchte, sollte dies ganzjährig oder zumindest im Winterhalbjahr tun.“ Denn die Piepmätze gewöhnten sich schnell an die Futterquelle, versiege sie, geraten sie in Schwierigkeiten. Auch sollten die Futterstellen an geschützten Orten stehen. „Damit Katzen sie nicht erreichen können, sollten die Spender in Bäumen an kleinere Äste gehängt werden“, sagt Düllberg. Auch Vogelhäuschen auf einem längeren Standfuß seien geeignet. Bloß nicht auf der Erde sollten die Futterquellen stehen, denn sonst seien die Vögel eine leichte Beute für Katzen. „Die haben einen Jagdtrieb, auch wenn sie nicht hungrig sind“, weiß Düllberg.

Auf den Speiseplan für Vögel gehörten weder Gesalzenes noch Speisereste, warnt der Vogelexperte. „Gut geeignet ist Körnerfutter wie Sonnenblumenkerne oder Sesamsamen“. Gerne gefressen werden auch Nüsse und Meisenringe. Von Ambrosiasamen rät der Experte ab. Das Futter sollte möglichst trocken bleiben und nicht matschig werden.

Doch auch auf die Hygiene sollte geachtet werden: „Die Futterstellen sollten regelmäßig gesäubert werden“, rät Heinz-Georg Düllberg. Sonst könnten dort verschiedene Krankheiten übertragen werden.

Vor der Vogelgrippe müssten sich Vogelfreunde aber nicht fürchten: „Die derzeitige Geflügelpest ist nur für Wasservögel wie Schwäne, Enten und Möwen und Hühnervögel gefährlich“, erklärt Ulrich Thüre vom Naturschutzbund Niedersachsen. Die im direkten Umfeld des Menschen lebenden Singvögel spielten für die Verbreitung des Virus keine Rolle. Vorsicht sei allerdings bei anderen Vogelarten geraten, warnt Lüneburgs Kreisveterinär Thomas Volksdorf: „In keinem Fall sollten Futterstellen für Möwen, Krähen, Raben, Wassergeflügel unterhalten werden.“

Eichhörnchen: Die Nager sind richtige Planer. Schon im Sommer fressen sie sich einen Winterspeck an. Im Herbst beginnen die Eichhörnchen dann mit dem Hamstern: Sie verbuddeln Nüsse, Kastanien oder Bucheckern an geheimen Orten, etwa unter Wurzeln und in Baumhöhlen. „So haben die Kletterkünstler, die keinen Winterschlaf sondern nur Winterruhe halten, in den Kältemonaten genug zu knabbern,“ weiß Eva Goris von der Deutschen Wildtierstiftung. Eichhörnchen kommen also auch gut ohne menschliche Unterstützung aus. Und ihr putziges Verhalten ist auch nur Fassade: Tatsächlich lieben Eichhörnchen fetthaltige Meisenknödel — und stibitzen sie gerne ihren angedachten Nutznießern.

Igel: Beim Igel ist es ähnlich. Auch sie sind nicht auf Futterspenden des Menschen angewiesen. „Futterstellen im Garten locken zudem Ratten, Füchse und Mäuse an“, warnt Eva Goris. Es sei viel effektiver, den Garten so naturnah wie möglich zu gestalten. „Denn dann kann das Stacheltier im Frühjahr selbst Schnecken, Würmer und Asseln suchen“, sagt die Expertin — das Tier sei damit gut versorgt.

Damwild: Rehe und Hirsche passen sich im Winter ihrer kalten Umgebung an — und senken ihre eigene Körpertemperatur. Damit sparen sie Energie. „Sie stehen dann häufig bewegungslos in der Landschaft“, berichtet Eva Goris von der Wildtierstiftung. „Ihr Herzschlag hat sich dann verringert. Statt 60 bis 70 Mal in der Minute schlägt das das Herz jetzt nur 30 bis 40 Mal.“ Nur bei extremen Temperaturen und extremem Schneefall sieht das Niedersächsische Jagdrecht eine sogenannte Notzeit vor, die von den Landkreisen ausgerufen wird. Dann sind Revierinhaber unter anderem dazu verpflichtet, das Wild zu füttern.

Die letzte Notzeit im Landkreis Lüneburg gab es im Winter 1979/80.