Sonntag , 25. Oktober 2020
Da liegt der Senegal: Für Ronja Stelling (16) und Angelo Romanelli (17) von der Oberschule am Wasserturm war die Reise zur Jugendakademie in Afrika eine Premiere. Foto: t&w

Lüneburger Duo im Dienst der Nachhaltigkeit

Lüneburg. Wer Großes erreichen möchte, muss manchmal klein anfangen. Den Fernseher auch mal ganz auszuschalten, statt ihn ständig im Stand-by-Betrieb Energie ziehen zu lassen oder das Handy nicht jede Nacht ans Ladekabel zu klemmen, können solche kleinen Schritte sein, wenn man das Klima retten und dafür bei sich selbst durch Stromsparen anfangen will.

Ronja Stelling (16) und Angelo Romanelli (17) wissen das natürlich, schließlich lernen sie an der Oberschule am Wasserturm, einer Unesco-Projektschule, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Umwelt zu schützen und für kommende Generationen zu bewahren. Und weil man über kleine Schritte manchmal im großem Rahmen diskutieren muss, haben die beiden Lüneburger jetzt an einer Deutsch-Afrikanischen Jugendakademie in Kaolack im Senegal teilgenommen.

Belohnung für zwei außergewöhnliche Schüler

Acht Tage lang war das Duo in Afrika, um gemeinsam mit rund 40 weiteren Jugendlichen anderer Unesco-Schulen aus dem Senegal, Kenia, Tansania und Deutschland auf Englisch über das Thema Nachhaltigkeit zu konferieren. Selbst der senegalesiche Staatspräsident war vor Ort. Ronja und Angelo waren dabei allein unter Gymnasiasten. Möglich geworden war ihr Besuch auch, weil der Unesco-Bundeskoordinator Heinz-Jürgen Rickert einst an ihrer Schule unterrichtet hatte. Dass die Schule ihre beiden Schülersprecher als Repräsentanten schickte, begründet Lehrerin Birgit Dröge damit, „dass sie außergewöhnliche Schüler sind, die immer sehr viel Interesse zeigen.“

Für beide Schüler war der Tripp eine Premiere: Für Ronja war es der erste Flug, für Angelo die erste Reise überhaupt. Neben täglichen Workshop-Teilnahmen haben sie auch den anderen Schülern den Lüneburger Wasserturm nähergebracht. Daneben blieb Zeit, um Land und Leute kennenzulernen. Angelo erfuhr, dass es im Senegal üblich ist, nicht nur auf dem Markt, sondern auch in regulären Lebensmittelgeschäften zu handeln. „Ich habe ein Bild für ein Drittel des ursprünglichen Preises bekommen“, erzählt er stolz.

Ronja wunderte sich nicht nur über die bunten Kleider ihrer afrikanischen Altersgenossinnen, die „fast wie Tischdecken aussahen“, sondern zeigte sich auch beeindruckt, wie viel Verantwortung gerade die Mädchen in ihren Familien schon in jungen Jahren übernehmen: „Die kümmern sich zu Hause meist um alles, kochen zum Beispiel jeden Tag. Ihr ganzes Leben dreht sich um Schule und Familie.“

Auch der Alltag vor Ort war für beide ungewohnt. „Im Hotel wurden wir die ganze Zeit von Soldaten mit Maschinengewehren bewacht“, erzählt Ronja. Aufgefallen ist ihr zudem „der etwas andere Umgang mit Tieren. Wir haben gesehen, wie Ziegen einfach in den Kofferraum eines Autos gesteckt wurden.“ Das Bild, dass die anderen Schüler von Deutschland gehabt hätten, sei positiv geprägt, beschreiben sie ihren Eindruck. „Ein kleiner Junge war ganz begierig darauf, Deutsch zu lernen. Am Ende unserer Reise konnte er immerhin schon die Farben und die Zahlen bis zehn“, verrät Ronja.

Zurück in Deutschland halten sie nun über WhatsApp Kontakt zu den anderen Konferenzteilnehmern, von denen einige zu Freunden geworden sind. Und ihren Mitschülern in Lüneburg berichten sie nun nach und nach von ihren Erlebnissen und geben Tipps, was jeder Einzelne tun kann, damit der eigene ökologische Fußabdruck nicht allzu groß ausfällt.

Von Alexander Hempelmann