Freitag , 30. Oktober 2020
Am 11. März soll das Zentralgebäude in Anwesenheit von Ministerpräsident Stefan Weil und Architekt Daniel Libeskind eingeweiht werden. Foto: t&w

Gut 100 Millionen für Libeskind-Bau

Lüneburg.  Am Ende wird der Libeskind-Bau vermutlich mehr als 100 Millionen Euro teuer. Davon geht jetzt auch die Uni Lüneburg selber aus. Wer allerdings die Zeche zahlt, lässt die Leuphana-Spitze offen. Sie zitiert da die Wissenschaftsministerin Dr. Heinen-Kljajic, die habe bereits im Juni angekündigt, das Land werde sicherstellen, dass die Finanzierung des Bauvorhabens nicht zulasten von Forschung und Lehre gehe. Doch das Ministerium blockt ab. Für weitere Mehrkosten sei die Uni am Zug.

Montag legte das Land noch einmal nach: Rund 15 Millionen hat der Haushaltsausschuss des Landtages für den Libeskind-Bau in Lüneburg freigegeben, der danach 87,2 Millionen kosten dürfte. Aber klar war im Ausschuss auch schon: Das reicht nicht. Die Oberfinanzdirektion in Hannover geht nach ihrer Prüfung von mehr als 100 Millionen aus. Und bereits im letzten vertraulichen Statusbericht zum Bau war inklusive Risiken von 97,8 Millionen Euro die Rede.

Stand der Dinge am Libeskind-Bau


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„Permanent neue Kostensteigerungen“

Vom Fass ohne Boden spricht der haushaltspolitische Sprecher der FDP im Landtag Niedersachsen, Christian Grascha. Er kritisiert die beschlossene Übernahme von weiteren Kosten für den Leuphana-Neubau durch das Land. „Seit Jahren werden permanent neue Kostensteigerungen angezeigt. Ursprünglich sollte der Neubau rund 58 Mio. Euro kosten, 21 Millionen Euro sollte das Land übernehmen. Mittlerweile geht man von bestenfalls 92,4 Millionen und schlimmstenfalls sogar von 103,5 Millionen Euro Baukosten aus. Dass das Land jetzt bereit ist, seinen Anteil auf mehr als 35 Millionen Euro zu erhöhen, halte ich für falsch. Denn das öffnet weiteren Kostensteigerungen Tür und Tor. Ganz davon abgesehen, birgt der von der Universität vorgelegte Kosten- und Finanzierungsplan zu viele Unwägbarkeiten. Er ist nicht ausreichend belastbar und somit auch nicht zustimmungsfähig“, so Grascha. Die FDP-Fraktion teile in dieser Hinsicht die vom Landesrechnungshof vorgebrachten Kritikpunkte voll und ganz.

Der FDP-Finanzpolitiker fordert die Landesregierung zudem erneut auf, der Leuphana die Bauherreneigenschaft zu entziehen. „Die Hochschule hat wiederholt gezeigt, dass sie es nicht kann. Es muss jetzt darum gehen, das Risiko für den Steuerzahler möglichst zu reduzieren, alle Einsparmöglichkeiten zu nutzen und weitere Kostensteigerungen zu verhindern. Das Land muss die Verantwortung übernehmen“, erklärt Grascha weiter.

Mehrkosten waren nicht absehbar

Die Uni begründet die Mehrkosten so: Neben einem konjunkturbedingt deutlichen Anstieg der Baupreise ist die Verteuerung auch darauf zurückzuführen, dass die Realisierung des Gebäudes aufgrund seiner Komplexität zu vorher nicht absehbaren Mehrkosten führte. Bauzeiten verlängerten sich, Bauabläufe mussten — auch witterungsbedingt — umgestellt werden, Maßnahmen zur Terminsicherung wurden erforderlich. Jetzt liegen die Arbeiten im Zeitplan.

Die Lüneburger SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Schröder-Ehlers: „Ich freue mich, dass der Ausschuss für Haushalt und Finanzen heute beschlossen hat, die Leuphana mit weiteren 14,89 Millionen Euro beim Bau des Audimax zu unterstützen. Wie weitere Mehrkosten aufgefangen werden sollen, ist noch unklar. Hier ist sicherlich die Universität stark in der Pflicht. Aber auch das Land wird diesen Prozess weiter intensiv begleiten“.

Die Universität hat derweil mit den Planungen für die Eröffnung des Gebäudes begonnen. Am 11. März soll es in Anwesenheit von Ministerpräsident Stefan Weil und Architekt Daniel Libeskind sowie Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft feierlich eingeweiht werden. In den folgenden Wochen und Monaten werden die Universitätsmitglieder nach und nach Besitz vom neuen baulichen Mittelpunkt der Universität mit seinen Lehr-, Forschungs- und Veranstaltungsräumen ergreifen.