Sonntag , 25. Oktober 2020
Zum Schutz seiner Lämmerherde setzt Schäfer Gerd Jahnke auch einen Esel ein -- teilweise offenbar mit Erfolg. Foto: t&w

Wölfe in Gellersen? Schäfermeister beklagt Schafsrisse

Südergellersen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre das der erste nachgewiesene Riss eines Nutztieres durch Wölfe in der Samtgemeinde Gellersen: In der Nacht zu Sonntag wurden zwei zirka 45 Kilo schwere Lämmer in Höhe des Alten Schafstalls bei Südergellersen getötet und weitgehend aufgefressen. Ein Mitarbeiter des Schäfers Gerd Jahnke fand am nächsten Morgen die Überreste: Von einem Lamm war beispielsweise der wollige Kopf übrig geblieben, mit der nackten Wirbelsäule daran, die übrigen Gliedmaßen lagen daneben. Schäfer Jahnke zeigte sich gestern überzeugt, dass seine rund 700-köpfige Lammherde von Wölfen angegriffen worden ist. Wolfsberater Uwe Martens wurde hinzugezogen, er hat Spuren gesichert und eine DNA-Probe genommen. Er sagt: „Ich denke, der Schutz-Esel in der Herde hat Schlimmeres verhindert.“

Die Schäfermeister Gerd und Tochter Verena Jahnke sorgen sich um die Sicherheit ihrer Herden. Foto: t&w
Die Schäfermeister Gerd und Tochter Verena Jahnke sorgen sich um die Sicherheit ihrer Herden vor Wölfen. Foto: t&w

Martens sagt: „Gerade wurde vom Land bestätigt, dass ein Wolf die vier Schafe Anfang Oktober bei Barnstedt gerissen hat.“ Das geht aktuell aus der Dokumentation von Nutztierrissen aus dem Wolfsmonitoring von Land und Landesjägerschaft hervor. Zwischen den beiden Orten liegen keine zehn Kilometer.

Doch auf Spekulationen will sich Martens nicht einlassen: „Die Endbewertung, ob in Südergellersen tatsächlich ein Wolf für die toten Lämmer verantwortlich ist, wird das Land vornehmen.“ Gleichwohl sagt Martens: „Die Menge des gefressenen Fleisches spricht schon für ein großes Wildtier.“ Die Schafkadaver fanden die Schäfer lediglich 300 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt. Laut Wolfsberater Martens sei das aber „kein Grund zur Beunruhigung, das ist nicht ungewöhnlich“

Beunruhigt und besorgt ist aber Schäfer Gerd Jahnke, der mit zwei seiner Herden derzeit auf Wanderschaft ist. In den Sommermonaten beweideten seine Schafe den Elbdeich im Winsener Ortsteil Hoopte. Jetzt ist er mit rund 650 tragenden Muttertieren und einer Lammherde mit rund 700 Tieren auf dem Weg ins Winterquartier im Landkreis Uelzen, macht dafür Station in Luhmühlen und Südergellersen.

Zum Schutz seiner Lammherde bei Südergellersen stellten die Mitarbeiter des Schäferbetriebs aus Eimke im Landkreis Uelzen einen 90 Zentimeter hohen, mobilen Elektrozaun auf. Dazu kam der Esel. Laut Wolfsberater Martens sei der geforderte Mindestschutz gegeben gewesen, auch wenn der offenbar den Wolf nicht abgehalten hat.

Sollte offiziell der Wolf nachgewiesen werden, kann der Schäfer mit einer Entschädigungszahlung rechnen. Doch die Angst beim Schäfer bleibt. Gerd Jahnke sagt: „Wir fühlen uns alleine gelassen von der Politik. Für uns Weidehalter ist es schon fünf nach zwölf.“ Und: „Wenn wir es weiter zulassen, dass der Wolf in Weideherden Beute macht, ist das wie Anfüttern. Auch zum Schutz der Wölfe, sollte man nur die Wölfe am Leben lassen, die gelernt haben, sich von Menschen fernzuhalten.“

Von Dennis Thomas

Esel verhütet Schlimmeres