Freitag , 30. Oktober 2020
Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sieht keine Alternative zum „Alpha E“-Konsensdes Dialogforums Schiene Nord. Die Grünen fordern eine Stellungnahme im Verkehrsausschuss. (Foto: dth)

Resolution zur Alpha- E-Variante löst Verstimmung aus

Lüneburg. Starke Verstimmung hat bei Stadt und Landkreis Lüneburg eine Resolution des Niedersächsischen Landtags ausgelöst. Die Abgeordneten hatten sich am Mittwoch für die Realisierung der Alpha-E-Variante ausgesprochen. Diese war zuvor als Empfehlung des Dialogforums Schiene Nord für den Ausbau des Schienengüterverkehrs zwischen Hamburg, Bremen und Hannover favorisiert worden. Stadt und Landkreis Lüneburg hatten diese Variante wegen der Belastungen der Anwohner entlang der Strecke Lüneburg-Uelzen bereits in der Vergangenheit kritisiert.

Mit deutlichen Worten reagierte Oberbürgermeister Ulrich Mädge auf den einstimmig getroffenen Beschluss: „Ich habe dafür kein Verständnis. Ohne Anhörungen der Stadt und der Region soll auf Kosten der Anwohner entlang der Bestandsstrecke der Güterverkehr mehr als verdoppelt werden. Das machen wir nicht mit!“
Sollte Alpha-E kommen, befürchtet die Stadt eine Erhöhung der Zahl der Güterzüge von 180 auf 385 pro Tag. Bereits jetzt liege der Schienenlärm für Wohngebiete an der Strecke im gesundheitsgefährdenden Bereich.

Mädge kündigte an, auf ein Planfeststellungsverfahren zu klagen, um damit die Zulässigkeit des Vorhabens überprüfen zu lassen. „Hunderttausend Anwohner wären betroffen.“ Er rief dazu auf, sich stattdessen dem gemeinsamen Vorschlag der Hansestädte Hamburg und Lüneburg anzuschließen, eine lärmgeschützte Trasse aus dem Norden entlang der A7 zu errichten. „Wenn schon Alpha-E, dann bitte ausschließlich mit Umfahrung von Ortschaften und am besten durch einen Tunnel. Alles andere lehnen wir ab.“

Als „unverständlich“ bezeichnete Landrat Manfred Nahrstedt, dass die Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers (SPD) und Jörg Hilmer (CDU), in deren Wahlbereich die umstrittene Alpha-E-Trasse liegt, dieser Resolution zugestimmt haben. „Beiden ist bekannt, dass ihre Wähler in Bardowick, Lüneburg und Deutsch Evern sich vehement gegen die Realisierung der Alpha-E-Trasse wehren, da nur sie zusätzlich belastet werden.“

„Wenn so viele Menschen in der Region sich für eine solche Lösung aussprechen, steht es uns nicht an, dem zu widersprechen“, erläuterte Jörg Hilmer, warum die CDU der Resolution geschlossen zugestimmt hat. „Ich halte die Alpha-E-Variante im Prinzip für richtig“, sagt Andrea Schröder-Ehlers. Damit eröffnet sich die Chance, den Lärmschutz an der Bestandsstrecke über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus zu verbessern. Sie weist zudem darauf hin, dass mit dem Beschluss auch künftig verschiedene Trassenvarianten zu prüfen seien. Sie leitet dies aus dem Passus ab, wonach im Rahmen der Realisierung der Alpha-E-Trasse auch Ortsumfahrungen zu prüfen seien. „Welche Orte das sein werden und ob eine Umfahrung Lüneburgs bis Kirchgellersen oder an die A7 reicht, wäre zu prüfen“, sagt Schröder-Ehlers.

Nach Auffassung von Landrat Nahrstedt widerspreche dies aber den örtlichen Interessen. „Denn hierdurch wird die gewidmete OHE-Strecke von Stelle bis Celle nicht, wie von mir im Dialogprozess gefordert, in die Prüfung mit einbezogen.“