Mittwoch , 21. Oktober 2020
Pastor Eckhard Oldenburg (l.) und Lichtdesigner Wolfgang Graemer waren gestern beim Test begeistert vom Licht- und Schattenspiel. Foto: t&w

St. Nicolai: Dezenter Lichtzauber in der Ruhe-Oase

Lüneburg. Sie ist die einzige der Stadtkirchen, die in der Adventszeit nicht nur von außen, sondern auch im Inneren illuminiert wird: St. Nicolai zeigt sich von Sonnabend an in einem ganz besonderen Licht, das laut Pastor Eckhard Oldenburg einen „Kontrapunkt setzt zu der Hektik in der Adventszeit draußen“.

Ehrenamtliche ermöglichen längere Öffnungszeiten

Auftakt der Aktion ist am Samstag zunächst mit der um 17 Uhr beginnenden „Musik zum Advent“, einem Chorkonzert mit dem Hugo-Distler-Ensemble (Eintritt 15 Euro/ermäßigt 10 Euro, Kinder 5 Euro). Zum Finale des Konzerts wird die Kirche in das dezente Licht getaucht, das dann täglich von 16 bis 20 Uhr leuchtet. „Dank unserer Ehrenamtlichen, deren Zahl wir aufstocken konnten, sind nun die längeren Öffnungszeiten möglich“, freut sich Oldenburg.

Das Projekt realisiert Lichtdesigner Wolfgang Graemer, der mit seinem Team in der dreischiffigen Backstein-Basilika 200 Scheinwerfer installiert und mehr als einen Kilometer Kabel verlegt hat. Er inszeniert allerdings keine Lichtshow, sondern setzt einen anderen künstlerischen Akzent: „Wir wollen die Architektur des imposanten Gebäudes durch das Spiel von Licht und Schatten nur anders wirken lassen, gerade bei Backstein gibt das eine ganz besondere Atmosphäre.“ Die Stärke seiner Illumination sei, das, was da ist, durch die Effekte besonders herauszuheben, so die klare Struktur des Gebäudes zu unterstreichen: „Das Licht zeigt etwas Geerdetes, aber nach oben, Richtung Himmel Spielendes.“

Bei Touristen bleibt ein unvergesslicher Eindruck

„Es ist ein Kontrapunkt zur Hektik der Adventszeit draußen, eine Oase der Ruhe“, sagt Pastor Oldenburg, der bereits aus Erfahrung weiß: „Das berührt die Leute und gibt ihnen etwas mit, was sie draußen nicht bekommen.“ Graemer ergänzt: „Gerade Touristen erhalten, wenn sie beispielsweise hier waren und auch den Wichernkranz auf dem Wasserturm haben leuchten sehen, einen unvergesslichen Eindruck von Lüneburg. Sie sehen, dass es in der Weihnachtszeit in Lüneburg nicht nur um den Kommerz geht, das grenzt Lüneburg von vielen anderen Städten ab.“

Wolfgang Graemer war es auch, der die Idee der Kirchenbeleuchtung hatte und das bereits vor rund einem Jahrzehnt, als er anregte, zur „Langen Nacht der Kirchen“ die drei großen Lüneburger Gotteshäuser von innen zu illuminieren. Die Idee kam so gut an, dass es in St. Nicolai 2012 zum Hansetag eine Neuauflage gab. 2015 konnte dank Sponsoren das Projekt wieder realisiert werden.
Finanziell ermöglicht wird die Aktion 2016 durch eine großzügige Spende vom Schuhhaus Schnabel, der Förderung der Bürgerstiftung St. Nicolai und der „Kirche im Tourismus“ sowie einer privaten Einzelspende.

Von Rainer Schubert