Dienstag , 27. Oktober 2020
Landrat Manfred Nahrstedt (2.v.r.) mit seinen drei gewählten Stellvertretern (v.l.): Günter Dubber, Nicole Ziemer und Tanja Bauschke. Foto: t&w

Kreistag startet ohne Streit und Sticheleien

Lüneburg. Erst ging es in die Kirche, um Gottes Segen abzuholen, dann in die Ritterakademie, um Politik zu machen. Am Montag fand die konstituierende Sitzung des Kreistages statt. Im Gegensatz zur Stadtratssitzung vor wenigen Tagen in Lüneburg, wo schon über die neue Sitzordnung heftigst gestritten wurde, verlief die erste Sitzung des Kreistages ruhig und konstruktiv. Wichtige Personalentscheidungen waren bereits vorab zwischen den Fraktionen einvernehmlich geklärt worden. Spannend war somit nur noch, wie der Kreistag in Gänze über die einzelnen Tagesordnungspunkte abstimmen würde. Um es vorwegzunehmen: Überraschungen blieben aus.

Personalentscheidungen verlaufen friedlich

Zum Herren der Sitzungs-Glocke wurde einstimmig bei fünf Enthaltungen der Grünen Rainer Dittmers (SPD) gewählt. Der Sozialdemokrat folgt seinem Parteifreund Heinz Fricke, der für den neuen Kreistag nicht mehr kandidiert hatte (LZ berichtete). Dittmers bedankte sich artig für das Vertrauen und versprach, stets sein Bestes zu geben und die „Sitzungen ordentlich zu leiten“. Genügend Erfahrungen konnte Dittmers bereits in Adendorf sammeln, wo er ebenfalls bis zum Ende der vergangenen Ratsperiode den Ratsvorsitz innehatte. Zum stellvertretenden Kreistagsvorsitzenden wurde Hans-Georg Führinger (CDU) gewählt ebenfalls einstimmig.

Und so friedlich gingen denn auch die nächsten Personalentscheidungen über die Bühne: Dem neuen Kreisausschuss gehören neben Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) von den Sozialdemokraten an: Franz-Josef Kamp, Andrea Schröder-Ehlers und Nicole Ziemer; von der CDU: Alexander Blume, Günter Dubber und Ulrike Walter; von den Grünen: Petra Kruse-Runge und Tanja Bauschke; von der FDP: Gisela Plaschka. Die AfD schickt Stephan Bothe in den Kreisausschuss, die Linke ist mit einem Grundmandat vertreten, das Frank Stoll besetzt.

Und nachdem diese Personalien geklärt waren, konnten dann auch die stellvertretenden Landräte gewählt werden Nicole Ziemer (SPD), die dieses Ehrenamt auch schon in der vergangenen Legislaturperiode ausübte, Günter Dubber (CDU) und Tanja Bauschke (Grüne).

Große Mehrheit schmettert Wahleinspruch ab

Unangenehm wurde es gestern lediglich noch einmal für die SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Brigitte Mertz: Die Neetzerin musste den Sitzungssaal verlassen, als der Einspruch gegen ihre Wahl in den Kreistag noch einmal thematisiert wurde. Wie berichtet, hatten die Unabhängigen Wahleinspruch eingelegt mit der Begründung, dass die Sozialdemokratin auf dem Wahlzettel mit der Berufsangabe „Wissenschaftliche Mitarbeiterin“ die Wähler getäuscht habe.

Mertz ist Mitarbeiterin im Wahlkreisbüro der Landtagsabgeordneten Andrea Schröder-Ehlers. „Wir haben den Einspruch geprüft und sind zu der Auffassung gelangt, dass der Begriff wissenschaftliche Mitarbeiterin kein geschützter Beruf ist“, erklärte Jürgen Krumböhmer. Im Übrigen, so der Erste Kreisrat weiter, habe ihr der Ärger um die Berufsbezeichnung durch die öffentliche Debatte mehr geschadet als genutzt. „Frau Mertz hat dadurch deutlich weniger Stimmen bekommen.“

Argumente, die Martin Gödecke so nicht nachvollziehen konnte. Er erinnerte daran, dass Politiker Vorbildfunktion haben sollten. „Ich würde in einem solchen Fall mein Mandat niederlegen“, so der Unabhängige. Der Wahleinspruch wurde von der Mehrheit des Kreistags gegen sieben Stimmen der Unabhängigen und der AfD zurückgewiesen. Brigitte Mertz kann aufatmen und im Gremium bleiben.

Von Klaus Reschke

Oberjäger im Amt bestätigt

Hans-Christoph Cohrs bleibt für weitere fünf Jahre Kreisjägermeister. Foto: t&w
Hans-Christoph Cohrs bleibt für weitere fünf Jahre Kreisjägermeister. Foto: t&w

Hans-Christoph Cohrs bleibt Kreisjägermeister. Der Betzendorfer wurde gestern einstimmig für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. Ebenso wie sein Stellvertreter Christoph Lütgens aus Dahlenburg. Cohrs war bereits bei der Hauptversammlung der Jägerschaft im Frühjahr als Kandidat der Jäger für das Amt vorgeschlagen worden.

Seine Wahl hätte somit ein Selbstgänger sein müssen – wenn nicht Dr. Hinrich Bonin (SPD) aufgestanden wäre und an die Unstimmigkeiten in der Jägerschaft erinnert hätte. Damit hatte der Sozialdemokrat, selbst Jäger, allerdings mehr Fragen als Antworten aufgeworfen.

„Ich kenne die Interna in der Jägerschaft nicht, obwohl ich selbst dem Verband angehöre“, betonte Alexander Blume (CDU), „aber ich weiß, dass Cohrs bereits seit zehn Jahren hervorragende Arbeit leistet“. So sahen das auch die anderen Kreistagsmitglieder, sie stimmten ebenso wie Bonin für die Amtszeitverlängerung. kre