Freitag , 30. Oktober 2020
Edwin Germer (2.v.l.), Organisator der Umwelt-Filmtage, und Scala-Betreiberin Ruth Rogée begrüßten den Murks-Kritiker Stefan Schridde (3.v.l.) und der Lüneburger Umweltdezernenten Markus Moßmann. Foto: t&w

Wegwerfwirtschaft Thema bei Umwelt Filmtagen

Lüneburg. Morgens beim Zähneputzen: Die Elektrozahnbürste surrt, der Mund schäumt. Doch plötzlich gibt das Gerät den Geist auf. Reparatur? Null Chance. Für Edwin Germer, Organisator der Lüneburger Umwelt-Filmtage, ein Fall von Murks und geplantem Verschleiß. Diesem Thema widmete sich Stefan Schridde in seinem Eröffnungsvortrag im Scala-Kino bei den Umwelt-Filmtagen unter dem Titel „Damit die Dinge besser werden“.

Geplanter Verschleiß von Produkten

Schridde ist Betriebswirt sowie Initiator und Vorstand des Vereins „Murks? Nein Danke!“, einer bürgerschaftlichen Verbraucherschutzorganisation für nachhaltige Produktqualität und gegen geplante Obsoleszenz. Der Begriff steht für geplante absichtliche Verringerung der Lebensdauer von Produkten. Dass Unternehmen und ihr Management darauf setzen, sei keine Verschwörungstherorie, machte Schridde deutlich. Als Beispiele für geplanten Verschleiß nannte er unter anderem Turnschuhsohlen mit Netzstruktur oder Kunststoffzahnräder in Rührgeräten, die nicht tauschbar sind wie bei alten Geräten. Oder Toner-Kartuschen, deren Zahlenzahnräder den Eindruck vermitteln, nach 1400 Seiten drucken sei die Kartusche leer. Also wegwerfen und neu anschaffen. Doch dreimal wieder auf Null gesetzt, konnten zirka 5000 Seiten gedruckt werden, berichtete Schridde. Die Zeiten, in denen Geräte lange hielten, Teile ausgetauscht werden konnten, seien vorbei. „Heute heißt es: neu kaufen.“

„Wir laufen an den Regalen vorbei und müssen uns anhören, wir sind schuld. Als hätten wir die Dinge so bestellt.“ Aber der Bürger sei nicht schuld, sondern die, die etwas in die Regale stellen, seien verantwortlich. Die Hersteller seien gefordert. Aber auch der Bürger habe ein Stück Verantwortung, indem er sich für Rahmenbedingungen und Regeln starkmache, damit Produkte haltbar werden, sagt Schridde. „Wir sind keine Wegwerf-Gesellschaft, wir haben eine Wegwerf-Wirtschaft.“

Künftig müsse die Wirtschaft im Kreislauf denken, statt im Wachstum, appelliert Schridde und lieferte das Prinzip an einem Beispiel aus der Natur: Ein Baum liege am Boden, Tiere zerlegen ihn, damit daraus Humus wird. Daraus wächst wieder ein Baum, der dann wieder fällt. Inzwischen gebe es viele Initiativen, die für eine Kreislaufgesellschaft stehen, in der Dinge sich nicht verbrauchen, sondern als Rohstoffe wieder in Produktionsprozessen verwandt werden.

Kreislaufwirtschaft gehört die Zukunft

Es gebe viele Möglichkeiten der Haltbarmachung und das setze Geld frei, sagt Schridde. Doch als Angstmacher-Argument würde ins Feld geführt: Das kostet Arbeitsplätze. Ganz im Gegenteil, meint Schridde, Haltbarkeit und Kreislaufwirtschaft würden Arbeitsplätze in der Region schaffen. Haltbare Konsümgüter herzustellen, sei das einfachste in der Welt. Doch dazu müsste an Stellschrauben gedreht werden. Unternehmen seien in zweierlei Hinsicht gefordert: Bei Produktentwicklungen sei darauf zu achten, bei gleichen Kosten Haltbarkeit herzustellen und es müsse Kreislauf-konform produziert werden, also so, dass bestimmte Rohstoffe wieder in den nächsten Herstellungsprozess gehen können. Aber auch die Politik sei gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass zum Beispiel Ersatzteile frei verfügbar sind. „Wenn etwas kaputt geht und nicht reparabel ist, ist das Murks.“

Markus Moßmann, Umweltdezernent bei der Stadt, dankte Edwin Germer, dass mit den Umwelt-Fimtagen das Thema Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung in den Mittelpunkt gestellt wird. Denn das seien wesentliche Aspekte für den Klimaschutz, der vor Ort anfange und dem sich die Stadt verpflichtet sehe.

Von Antje Schäfer