Mittwoch , 21. Oktober 2020
Die Zuschauerreihen reichen fast bis an den Tisch des Referenten: Yavuz Narin, Anwalt der Nebenklage im NSU-Prozess, berichtet im Café Anna & Arthur in der Katzenstraße über seine Arbeit. Foto: be

NSU-Prozess: Einblick in akribische Recherche-Arbeit

Lüneburg. Kleine Bühne für ein großes Thema im Café „Anna & Arthur“: Auf Einladung der Falken, des DGB und des Vereins zur Förderung von Kommunikation und Streitkultur hat der Rechtsanwalt Yavuz Narin über den NSU-Prozess berichtet. Rund 70 Zuhörer saßen und standen dicht gedrängt in dem Schankraum und lauschten dem wortgewandten Opferanwalt, der in dem schlagzeilenträchtigen Prozess Yvonne Boulgarides, deren Mann einen Schlüsseldienst in München betrieb und am 15. Juni 2005 mit drei Kopfschüssen quasi hingerichtet wurde, vertritt.

Opfer und nicht nur Täter im Mittelpunkt

Ein Tisch mit den Fotos der Opfer der NSU-Mordserie, eingerahmt von Blumen, machte deutlich, dass es bei dieser Veranstaltung nicht nur um die Täter gehen soll, sondern auch um die Opfer und deren Angehörigen. Denn letztere mussten nicht nur mit dem Verlust ihrer Liebsten, die brutal und grundlos aus dem Leben gerissen wurden, fertig werden, sondern auch ertragen, dass sie selbst in den Kreis der Verdächtigen gerieten und üblen Verhörmethoden ausgesetzt waren.

Der Münchner Anwalt Narin gab Einblick in seine akribische Recherche-Arbeit und die der zahlreichen Untersuchungsausschüsse, durch die Verstrickungen von Polizei und Geheimdiensten ans Tageslicht gekommen sind. Darunter die sogenannte Konfetti-Affäre, die dafür steht, dass schon bald nach Bekanntwerden, dass der NSU hinter der unfassbaren Mordserie von September 2000 bis 2007 steckte, wichtige Unterlagen geschreddert wurden.

Auch in der anschließenden Fragerunde gab der engagierte Jurist ausführliche Antworten und erntete Applaus für sein detailliertes Hintergrundwissen, das er ohne in Unterlagen blättern zu müssen, aus dem Stegreif präsentierte.

Lesen Sie dazu auch am Freitag, 18. November, das Interview der Woche in der Printausgabe der LZ

Von Dietlinde Terjung