Dienstag , 27. Oktober 2020
Europässe übergab Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers (hinten, 2.v.r.) an Schülerinnen und Schüler der BBS. Darüber freuten sich auch Schulleiterin Christiane Pätz (r.) sowie die Lehrerinnen Susanne Jochim, Kerstin Hagemann (hinten, v. l.) und Angela Spinck (hinten, 3. v. r.). Foto: be

Lernen im Ausland mit Europass

Von Ingo Petersen
Lüneburg. In Montecatini Terme, in der italienischen Toskana, mussten sich Schüler aus dem Gastronomiebereich der Lüneburger Berufsbildenden Schulen III in Tophotels beweisen. Mitschüler aus dem Ausbildungsbereich Tiermedizinische Fachangestellte machten ihr Auslandspraktikum auf Ibiza oder in Malaga. Sieben BBS-Schüler, die im Rahmen des europäischen „Erasmus+-Programms“ europaweit unterwegs waren, haben jetzt ihren „Europass“ erhalten.

Vier Jugendliche, die sich in diesem Jahr für vier oder drei Wochen Praktikumsluft im Ausland um die Nase wehen ließen, berichteten über ihre Erfahrungen. Etwa die 22-jährige Paulina Mallast, die im dritten Lehrjahr der Ausbildung zur Hotelfachfrau steht. „Andere Arbeitstechniken“ habe sie in Italien kennengelernt. Vor allem aber auch: „Ich bin selbstständiger geworden und habe mehr Selbstvertrauen bekommen.“

In einem Fünf-Sterne-Haus am gleichen Ort war Jan-Philip Trenner (23), angehender Hotelfachmann, für vier Wochen beschäftigt: „Alles musste immer perfekt sein, das ging schon mit der perfekt gebügelten Kleidung los.“ Nach seiner Ausbildung möchte er gern noch für „ein, zwei Jahre“ ins Ausland gehen, um weitere Erfahrungen zu sammeln.

Drei Wochen Praktikum in Tierarztpraxis auf Ibiza

Franziska Horn (21), Auszubildende im dritten Lehrjahr zur Tiermedizinischen Fachangestellten (TFA), hatte die Gelegenheit zu einem dreiwöchigen Praktikum in einer Tierarztpraxis auf der spanischen Mittelmeerinsel Ibiza. Was sie dort unter anderem feststellte, war, dass der Ausbildungsstand in Deutschland weit höher ist als der in Spanien. Einen Venenkatheter legen, intubieren, bei Operationen EKG und Atmung kontrollieren das konnte sie leisten, so dass der Tierarzt sich mehr auf den Eingriff konzen­trieren konnte.

Das Interesse, an einem Praktikum im europäischen Ausland teilzunehmen, sei bei den Schülern groß, berichtet Christiane Pätz, Leiterin der Berufsbildenden Schulen III. „Wir freuen uns, wenn die Betriebe ihre Auszubildenden dafür freistellen. Noch mehr würden wir uns freuen, wenn noch mehr Betriebe das tun würden.“ Das sehen auch die Lehrerinnen Susanne Jochim, Kerstin Hagemann und Angela Spinck so. „Toll wäre es, wenn ein Auslandspraktikum gleich im Ausbildungsvertrag integriert wäre“, sagte Hagemann.

An der BBS I, so Christiane Pätz, gebe es schon Pläne, auch Auszubildenden aus weiteren Bereichen die Möglichkeit zum Auslandspraktikum zu geben. Den angehenden Pferdewirten etwa, wo es Kontakte ins spanische Andalusien gibt. Schon für das kommende Jahr sei geplant, künftige Erzieherinnen zum Praktikum nach England zu schicken, so Christiane Pätz.

Im Ausland gemachte Erfahrungen dokumentiert

Die Lüneburger Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers (SPD) übergab den Auszubildenden ihre Europässe, mit deren Hilfe die Auszubildenden ihre im Ausland gemachten Erfahrungen künftig dokumentieren können. „Es ist so wichtig, die europäischen Länder kennenzulernen. Wir tun gut daran, solche Programme zu fördern und zu unterstützen. Wichtig ist, dass sich nicht nur Universitäten beteiligen, sondern auch der berufsbildende Bereich“, sagte die Landtagsabgeordnete.