Freitag , 30. Oktober 2020
Die Skizze zeigt die beiden Geschossbauten, hinter denen jeweils drei Reihenhäuser entstehen sollen. Das gemeinschaftliche Wohnprojekt bietet Platz für 19 Parteien. Skizze: arch.tekton GmbH

Baugemeinschaft plant strohgedämmten Gebäudekomplex im Speicherquartier

Von Antje Schäfer
Lüneburg. Das Modell Baugemeinschaft wird seit Jahren bundesweit umgesetzt. In Lüneburg wurde das erste gemeinschaftliche, generationsübergreifende Wohnprojekt von der Gruppe LeNa am Brockwinkler Weg initiiert und realisiert. Nun will eine Baugemeinschaft nicht nur ein weiteres Projekt im nördlichen Bereich des Speicherquartiers auf den Weg bringen, sondern es soll auch der erste strohgedämmte Gebäudekomplex in Lüneburg entstehen. Zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe gehören Anke und Ulrich Adolphi.

Vor 14 Jahren haben die Adolphis in Lüneburg geankert, nachdem sie beruflich viel in Deutschland und im Ausland unterwegs waren. Sie bauten in Häcklingen, allerdings schon mit dem Hintergedanken: Wenn die beiden Söhne erwachsen sind, wollen wir in ein gemeinschaftliches Wohnprojekt einziehen. „Schon während des Studiums hatten wir ein solches Wohnprojekt mit Freunden ins Auge gefasst. Das hat dann aber leider nicht geklappt“, sagt Anke Adolphi. Inzwischen studiert der älteste Sohn in Leipzig, der jüngere macht in zwei Jahren Abi. Genau dann könnten die Gebäude mit dem Arbeitstitel „Am Speicherbogen“ bezugsfertig sein.

Noch Wohnungen für junge Familien frei

Über eine Kollegin, die in dem Projekt am Brockwinkler Weg wohnt, war Anke Adolphi auf das Vorhaben aufmerksam geworden. Volker Holtermann von der planW Organisations- und Projektentwicklungs mbH, die auch bereits die LeNa-Gruppe begleitet hatte, lud dann zu einem Interessententreffen ein. „Im ­April standen wir auf dem nackten Acker, danach wurden bei einem Gespräch erste Skizzen präsentiert.“ Danach gings rasant nach vorne. Die Stadt gab grünes Licht für den Erwerb des Grundstückes im Erbbaurecht, im Juni gründete sich die Planungsgemeinschaft mit acht Parteien. Für elf Wohnungen werden noch Interessenten gesucht. Das sollen junge Familien sein, denn zurzeit gehören zur Gruppe Alleinstehende sowie Paare, bei denen die Kinder aus dem Haus sind. Alle Generationen unter einem Dach ist das Ziel des gemeinschaftlichen Wohnens. Das präferieren die Adolphis, weil es „lebendiger ist, man sich mit anderen auseinandersetzt und andere Perspektiven bekommt“.

Die Außenwände in Holzständerbauweise werden mit Stroh und Lehm gedämmt

Dass die Gruppe noch nicht komplett steht, bezeichnet das Ehepaar als angenehmes Wagnis. Denn das schafft einen offenen Raum, um gemeinsam Ideen zu entwickeln zum Beispiel für die Nutzung des Gemeinschaftsraumes. Genauso wichtig ist ihnen aber der ökologische Aspekt bei den Gebäuden. Die Außenwände in Holzständerbauweise werden mit Stroh und Lehm gedämmt. Damit werden nachwachsende Rohstoffe genutzt, die für eine gute Wärmeisolierung sorgen. Das wirke sich positiv auf die Heizkosten aus, sorge gleichzeitig für ein gesundes Raumklima, macht Ulrich Aldophi deutlich.

»Die Gruppe des Wohnprojekts „Am Speicherbogen“ ist auch bei der Veranstaltung „1,2,3 viele Wohnprojekte in und um Lüneburg bewegt sich was“ dabei, die am Freitag, 18. November, von 17 Uhr an in der Uni, Wilschenbrucher Weg 84, stattfindet. Ab 20.30 Uhr kann man sich dort mit ihr und Vertretern anderer Wohnprojekte austauschen. Weitere Informationen zum Projekt unter www.speicherbogen.de im Internet.

Ökologische Bauweise

19 Wohneinheiten mit Flächen von 50 bis 180 Quadratmetern sollen für das Projekt „Am Speicherbogen“ entstehen, für das die Lüneburger Architekten Stephan Seeger und Dirk Scharmer verantwortlich zeichnen. Zur Elisabeth-Maske-Straße hin sind zwei Geschossbauten (zwei Geschosse plus Staffelgeschoss) geplant, die durch eine Toreinfahrt getrennt sind. „Dahinter entstehen jeweils drei Reihenhäuser. Das Gebäudeensemble gruppiert sich um einen Hof“, erläutert Seeger. Das gesamte Objekt zeichnet sich durch strohgedämmte Holzbauweise aus. Die Außenwände bestehen aus Holzständern, die mit Stroh gedämmt werden. Innenseitig werden diese mit Lehm verputzt, außenseitig mit Kalk und mit Holzfassaden versehen. Der Vorteil bei dieser Bauweise ist laut Seeger: Die Baustoffe haben eine gute Ökobilanz, weil es sich um nachwachsende Rohstoffe handelt, die nicht schadstoffbelastet sind.