Sonntag , 25. Oktober 2020
Ein Spezialunternehmen verlegt Rohre für das Glasfasernetz in der Elbmarsch. Foto: pet

Rohre für Glasfasernetz in der Elbmarsch verlegt +++ mit Video

Uwe Luhmann und Diana Wodetzki begutachten das Bohrloch – nach 180 Metern hat die Bohrung das Südufer der Ilmenau erreicht. Foto: pet
Uwe Luhmann und Diana Wodetzki begutachten das Bohrloch – nach 180 Metern hat die Bohrung das Südufer der Ilmenau erreicht. Foto: pet

Fahrenholz. Mehrere hundert Kilometer lang ist das Glasfasernetz, das seit mehr als einem Jahr auf dem Gebiet der Samtgemeinde Elbmarsch in den Boden gebracht wird ein kurzes, aber ganz besonderes, Stück war in dieser Woche im Drager Ortsteil Fahrenholz zurückzulegen: Auf einer Strecke von 180 Metern ging es dort im „Horizontalspülbohrverfahren“ tief unter der Ilmenau hindurch.

In Ziesendorf bei Rostock hat die Firma Thomsen Bohrtechnik ihren Hauptsitz. Europaweit sind die Spezialisten im Horizontalbohren mit ihrem schweren Gerät unterwegs, bohren Gas-, Trinkwasser- oder Abwasserdruckleitungen. Da geht es dann auch schon mal unter dem NordOstsee-Kanal hindurch, wie ein Mitarbeiter verrät. Und in dieser Woche eben unter der Ilmenau.
„In einem Gefälle von 25 Prozent bohren wir in die Erde, bringen das Bohrgestänge dann in die Waage und steigen am anderen Ufer mit einer Steigung von fünf bis zehn Prozent wieder an“, erklärt Geräteführer Stefan Kunze. Sechs Meter unter dem Grund der llmenau, elf Meter unter dem Deich am Südufer des Flusses, liegt jetzt das Leerrohr, in das später die für digitale Versorgung der Samtgemeinde benötigten Glasfaserkabel eingebracht werden.

Findling stoppt den ersten Bohrversuch nach 120 Metern

Die Arbeiten an der Ilmenau gestalteten sich schwieriger als erwartet: Der erste Versuch, eine Röhre vom nördlichen Ufer in Richtung Rottorfer Weg zu bohren, scheiterte. „Wir sind auf einen Findling gestoßen, dem wir auch nicht ausweichen konnten. Es war keine Steuerung mehr möglich. Und das nach 120 Metern, als wir unter der Ilmenau schon durch waren“, berichtet Kunze. Der Fehlversuch kostete das Team einen Tag, der zweite Versuch, am nächsten Tag, gelang.

„Aber die Bohrfirma wird auch noch kommende Woche hier sein“, sagt Uwe Luhmann, gemeinsam mit Diana Wodetzki Vorstand der samtgemeindeeigenen Elbmarsch Kommunal Service (Elbkom), die den Bau des Glasfasernetzes betreibt. Mit dem Rohr unter der Ilmenau werde der Rottorfer Weg am südlichen Ende der Samtgemeinde Elbmarsch für den Ausbau mit Glasfaserkabel erschlossen, sagt Luhmann. Auch das nahegelegene Ilmenaupegelhaus werde angeschlossen, um so von dort online Wasserstandsdaten liefern zu können.

Schwierige Bohrung in Fahrenholz

Glasfasernetz soll bis zum Frühjahr fertig sein

Nach der Bohrung für den Glasfaseranschluss wird noch ein zweites Rohr verlegt ein Abwasserrohr, durch das für die Zukunft die Möglichkeit eröffnet werden soll, das Gebiet am Rottorfer Weg an das Abwassersystem der Samtgemeinde anzuschließen. „Das ist aber nur eine Option, da ist noch nichts geplant“, betont Uwe Luhmann, der auch Leiter des Bauamts der Samtgemeinde Elbmarsch ist.

Ursprünglich sollte die jetzt unter der Ilmenau hindurchführende Leitung für das Glasfaserkabel an der nahe gelegenen Brücke über den Fluss verlegt werden. Luhmann: „Das hat sich dann aber als nicht durchführbar erwiesen.“ Weil die Ilmenau eine Bundeswasserstraße ist, hätte man nicht nur eine wasserrechtliche Genehmigung gebraucht, sondern auch eine schifffahrtsrechtliche Genehmigung.

Die große Hoffnung der Verantwortlichen der Elbkom ist es weiterhin, die Samtgemeinde Elbmarsch bis zum kommenden Frühjahr komplett mit Glasfaser­anschlüssen versorgt zu haben.

Von Ingo Petersen

Bohrkopf ständig unter Kontrolle

Das „Horizontalspülbohrverfahren“ ist eine Richtbohrtechnik, bei der ein steuerbarer Bohrkopf verwendet wird. Damit können horizontale Rohrleitungen unterirdisch verlegt werden, ohne dazu einen Graben ausheben zu müssen. Die Horizontalspülbohranlage bohrt zunächst einen unterirdischen Kanal. Während des Bohrvorgangs können die Spezialisten mit Hilfe einer im Bohrkopf eingebauten Sonde zu jeder Zeit prüfen, in welcher Tiefe, an welcher Stelle und in welcher Stellung er sich befindet, erklärt Olav Beisler, Bauleiter bei Thomsen Bohrtechnik.

Am Ziel angekommen, können ein „Räumer“ und ein Leerrohr an das Bohrgestänge angeschlossen werden. Das Gestänge wird dann zurückgezogen. „Im Rückwärtsgang weiten wir den Bohrkanal auf, in diesem Zuge wird auch das jeweilige Rohr eingezogen“, so Beisler. Der Bohrkanal wird außerdem mit „Bentonit“, einer selbsthärtenden Bohrspülung stabilisiert. Horizontalspülbohranlagen arbeiten mit Zug- und Schubkraft, Rotation, Spülung und „Schlag“. pet