Freitag , 30. Oktober 2020
Noch nutzt die Universität das Gebäude am Rotenbleicher Weg für Lehrveranstaltungen, doch der neue Besitzer plant hier Wohnungen, Büros und ein Café. Foto: t&w

Immobilien in Lüneburg: Wohnen statt studieren im Roten Feld

Lüneburg. Für mehr als zwei Millionen Euro hat die Universität jetzt ihre Liegenschaft am Rotenbleicher Weg verkauft. Dr. Martin Hecker, Geschäftsführer der RB Immobilien GmbH & Co KG, will das alte Backsteingebäude abreißen, stattdessen 40 Wohnungen, ein kleines Café und Büroflächen schaffen. Im Sommer 2017 soll das Gebäude an ihn übergeben werden, bestätigt Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff. Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2018 beginnen.

Martin Hecker lebt seit vielen Jahren im Roten Feld. Schon länger liebäugelte der 50-Jährige mit dem 4300 Quadratmeter großen Grundstück, zu dem nicht nur das Leuphana-Gebäude, sondern auch Büros, Sportflächen und ein Schwimmbad gehören. Um mitbieten zu können, gründete er mit seiner Frau im Frühjahr eine Immobilienfirma. „Ich will etwas bewegen, ich wohne da und habe eine Meinung.“ Nicht nur „Baulöwen“ sollten die Chance erhalten, eine solche Fläche zu bebauen, findet er.

Die Leuphana entschied sich für sein Nutzungskonzept, das er gemeinsam mit einem Hamburger Architekten ausgearbeitet hatte. „Die jetzt getroffene Entscheidung für das wirtschaftlichste Angebot berücksichtigt auch die bauleitplanerischen Rahmenbedingungen der Stadt Lüneburg“, begründet Zühlsdorff die Entscheidung.

Wie berichtet, hatte die Universität, die den Komplex seit 1961 nutzt, im Juni 2015 einen Projektentwickler mit einem Interessenbekundungsverfahren für die Liegenschaft beauftragt. Von 29 Interessenten, die nähere Informationen von der Leuphana anforderten, gaben 16 ein Angebot ab.

Gebäude soll im Jahr 2019 bezugsfertig sein

Für Martin Hecker war der Zuschlag eine „positive Überraschung“. Er kommt eigentlich aus der Mobilfunkbranche, sieht die Bebauung der Fläche zwischen Rotenbleicher Weg und Willy-Brandt-Straße als sein Privatprojekt an. Dafür hat er Fachleute um sich versammelt. Das Gebäude, in dem zurzeit noch 50 Wissenschaftler lehren, gefällt ihm. Ein Abriss sei dennoch unumgänglich. „Es ist teilweise mit Schadstoffen belastet und von alter Bausubstanz. Es wäre sehr teuer, das Gebäude energetisch auf den heutigen Stand zu bringen.“ Er wolle aber versuchen, das Gebäude in ähnlicher Art und Form wieder aufzubauen. So soll beispielsweise die Bauhöhe in etwa beibehalten werden.

Detaillierte Informationen zum Neubau möchte Hecker jetzt noch nicht bekannt geben. Er führe zurzeit intensive Gespräche mit der Stadt, werde wohl im Sommer 2017 mehr Einzelheiten verraten können. Nach jetzigem Stand sei geplant, dass Büroflächen und ein Café mit einer Grundfläche von rund 100 Quadratmetern zur Willy-Brandt-Straße hin entstehen sollen. „Ich möchte mit dem Café einen Mittelpunkt schaffen, einen Ort, an dem sich die Leute treffen können“, erklärt Hecker. Auch Grünflächen sollen auf dem Gelände nicht fehlen.

Von den rund 40 geplanten Wohneinheiten habe er ein Drittel als Sozialwohnungen für Menschen mit einem Berechtigungsschein vorgesehen. Ein anderer Teil sei als Ein-Zimmer-Wohnungen oder kleine Wohngemeinschaften für zwei Studenten gedacht. Auch Menschen mit mittlerem Einkommen und Familien sollen in dem Neubau Platz finden können. Wichtig sei ihm eine gute Durchmischung, erklärt der zukünftige Bauherr.

In einer Bürgerversammlung sollen auch die Anwohner informiert werden, „sobald sich die Pläne konkretisieren“, kündigt Hecker an. „Ich hoffe, dass ich den Bauantrag im Frühjahr einreichen kann.“ 2019 soll das Gebäude bezugsfertig sein.

Von Anna Paarmann

Fokus liegt auf der Scharnhorststraße

In der Entwicklungsplanung der Universität ist vorgesehen, dass sich das Hochschulleben auf den Hauptcampus an der Scharnhorststraße konzentrieren soll. Deshalb werden nach und nach die anderen Standorte aufgelöst. Seit 2007 gilt der Verkauf dieser Liegenschaften außerdem als Auflage im Zusammenhang mit dem Libeskind-Bau.

Ein erster Schritt war die Vermietung großer Teile des Standorts Volgershall. Dort ist nun das Jobcenter beheimatet. In dem anderen Gebäude sind zurzeit noch die Ingenieurswissenschaftler untergebracht. Im nächsten Jahr soll der Studiengang auch an den Hauptcampus umziehen, die wichtige Maschinenhalle wird im Keller des Zentralgebäudes untergebracht.

Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff sagt, dass weitere Teile der Liegenschaft in Volgershall zu einem späteren Zeitpunkt verkauft oder vermietet werden sollen. „Die bisher erzielten Einnahmen entsprechen den Erwartungen, die der Finanzierungsplanung zugrunde liegen.“

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