Die Mitglieder der Bürgerinitiative Bus 209 haben die mehr als 2500 gesammelten Unterschriften für eine bessere Busanbindung in Brietlingen und Artlenburg kreativ in einen selbst gebastelten Linienbus verpackt. Jetzt überreichten sie die Listen Landrat Manfred Nahrstedt (am Tisch, r.). Foto: t&w

Bürgerinitiative kämpft für bessere Busverbindungen

Lüneburg. Im Kampf um bessere Busanbindungen lässt die Bürgerinitiative "Bus 209" nicht locker. Um mehr als 2500 gesammelte Unterschriften zu übergeben, stattete eine Abordnung aus 15 Mitgliedern Landrat Manfred Nahrstedt jetzt persönlich einen Besuch ab. Eine dreiviertel Stunde hatte sich der Kreischef Zeit genommen. Initiatorin Anke Ahlf nutzte die Gelegenheit und machte noch einmal deutlich: "Wir lassen uns nicht abspeisen! Wir wollen bei den Busverbindungen endlich genauso behandelt werden wie die anderen Gemeinden im Landkreis." Am Ende gab es keine Lösung, aber eine Perspektive.

Unterschriftensammlung und Analyse

Im Mai hatte die parteilose Brietlinger Ratsfrau Ahlf die Ini­t­iative "Bus 209" ins Leben gerufen, eine Unterschriftensammlung gestartet und eine Analyse der Busanbindungen im Kreis angeschoben (LZ berichtete). Das Ergebnis: "Der überwiegende Teil der relevanten Gemeinden, sowohl in der Samtgemeinde Scharnebeck als auch im Landkreis Lüneburg, verfügt über deutlich bessere Bus- oder Bahnanbindungen als die mehr als 5200 Einwohner in Brietlingen oder Art­lenburg." Beispiele: Aus Brietlingen mit 3469 Einwohnern fahren unter der Woche täglich neun Busse nach Lüneburg, aus Rullstorf mit 1809 Einwohnern rollen wochentags 23 und aus Südergellersen (1615 Einwohner) zwölf Busse in die Hansestadt.

„Ältere Mitbürger müssen aus Brietlingen wegziehen, weil sie nicht zum Arzt nach Lüneburg kommen.“ Anke Ahlf, Ratsfrau Brietlingen

Die Folgen: "Ältere Mitbürger müssen aus Brietlingen wegziehen, weil sie nicht zum Arzt nach Lüneburg kommen", berichtete Ahlf. "Junge Leute, die in Lüneburg zur Schule gehen, müssen manchmal zwei Stunden auf den nächsten Bus warten." Unhaltbare Zustände, das finden die BI-Mitglieder, "denn letztlich heißt das, dass es in unseren Gemeinden nicht möglich ist, den Alltag ohne Pkw zu bewerkstelligen".

Landrat Nahrstedt und Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer begründeten die Bustaktung mit dem Nahverkehrsplan, in dem geregelt sei, wie viele Verbindungen Gemeinden ab welcher Größe haben sollten. Für Brietlingen (3000 bis 6000 Einwohner) seien zwischen sechs und zwölf Fahrten nach Lüneburg und zurück Pflicht. "Die Anforderung ist also erfüllt", so Krumböhmer. Dass andere, mitunter sogar kleinere Orte, in der Realität über mehr Busverbindungen verfügten, hat laut Nahrstedt unterschiedliche Gründe. "Einige Gemeinden liegen an einem Knotenpunkt oder einer Schnellbuslinie", sagte er. "Gemeinden wie Scharnebeck oder Embsen werden aufgrund der Schulzentren häufiger angefahren."

Alle Bevölkerungs- und Altersschichten betroffen

Erklärungen, mit denen sich die Mitglieder der BI nicht zufrieden gaben. Ebensowenig wie mit dem Hinweis, dass derzeit für ein neues Mobilitätskonzept im Landkreis auch die Busverbindungen auf den Prüfstand kommen. "Wir brauchen nicht 2020 eine Lösung, sondern jetzt", sagte Ahlf. "Das Thema pressiert. Und zwar in allen Bevölkerungs- und Altersschichten."
Der Landrat zeigte sich letztlich kompromissbereit, sein Vorschlag: "Sie teilen uns mit, zu welchen Zeiten Busverbindungen am dringendsten benötigt werden. Und dann starten wir eine zweijährige Testphase." Die Kosten dafür würde allerdings nicht allein der Kreis tragen, "da müssten Sie die Gemeinden und die Samtgemeinde mit ins Boot holen." Sollte sich herausstellen, dass das Angebot tatsächlich intensiv genutzt wird, "wird danach der Kreis die Kosten dafür tragen", versprach Nahrstedt. Erfahrungen aus anderen Gemeinden hätten allerdings gezeigt, "dass die Busse dann doch leer durch die Landschaft fahren". Ein Risiko, das Ahlf keine Sorgen macht. Sie ist überzeugt: Wenn die Busse erstmal da sind, werden sie auch genutzt.

Von Anna Sprockhoff