Dienstag , 27. Oktober 2020
Das neue Schöpfwerk des Wasserverbands der Ilmenau-Niederung während der letzten Bauarbeiten. Jetzt wurde das Millionen-Bauwerk in Betrieb genommen. Foto: be

Neues Schöpfwerk in Fahrenholz hält Elbmarsch trocken

Von Ingo Petersen

Fahrenholz. 17 Kubikmeter. Das sind 17000 Liter. Oder der Inhalt von fast 200 Badewannen. Etwa soviel Pumpleistung — und das pro Sekunde — bietet das neue Schöpfwerk, das der Wasserverband der Ilmenau-Niederung am heutigen Donnerstag in Fahrenholz in der Samtgemeinde Elbmarsch, ganz in der Nähe der Lüneburger Kreisgrenze, in Betrieb nimmt. Die stolze Summe von zwölf Millionen Euro legt der Verband für das neue Bauwerk auf den Tisch — allerdings nicht aus eigenen Mitteln. Kostenträger sind vielmehr aus Mitteln des Küstenschutzes der Bund (70 Prozent) und das Land Niedersachsen (30 Prozent).

Erster Spatenstich vor eineinhalb Jahren

In den mehr als 130 Jahren seines Bestehens „ist das der größte Einzelauftrag, den wir je vergeben haben“, erklärte Johannes Hilmer, Geschäftsführer des Wasserverbandes, Anfang März 2015, beim ersten Spatenstich. Eineinhalb Jahre waren für den Bau vorgesehen gewesen. „Und wir haben den Zeitplan eingehalten“, freut sich Hilmer.

Die meiste Zeit des Jahres wird das Schöpfwerk in Fahrenholz stillstehen. Gibt es aber eine neue Elbeflut, eine Sturmflut aus Richtung Nordsee oder dauerhaften, starken Regen, dann werden die gewaltigen Pumpen eingeschaltet und befördern die überschüssigen Wassermassen, die zu Überflutungen führen oder auch den Boden durchnässen können, in den Ilmenau­kanal.

Das neue Schöpfwerk in Fahrenholz ersetzt drei, die bisher im Einsatz waren: zwei in Fahrenholz selbst, die schon abgerissen wurden, und das in Barum, das Anfang kommenden Jahres abgerissen werden soll.

 

2010 mit den Planungen begonnen

Im Zuge der Ramm- und Abstützarbeiten wurden 430 Tonnen Spundbohlen verbaut, dazu 60 Tonnen Profilstahl, dazu kommen Druckrohre mit einem Gewicht von 50 Tonnen. Verbraucht wurden auch 4000 Kubikmeter Beton und 470 Tonnen Bewehrungsstahl. 18000 Kubikmeter Boden wurden bewegt, 1800 Kubikmeter Wassersteine gesetzt.

Die kostspieligsten Einzelposten sind die drei hochmodernen Pumpen für insgesamt 1,5 Millionen Euro, die künftig in dem Backsteinbau arbeiten werden. Die Pumpen waren im Mai dieses Jahres in den bis dahin stehenden Rohbau eingebaut worden, ehe die Arbeiten am Gebäude weitergingen. „Die Pumpen sind leise und können sehr dosiert arbeiten“, freut sich Johannes Hilmer. Früher sei das anders gewesen, „da hatte man nur die Wahl zwischen An und Aus. Ähnlich kostspielig wie die Pumpen war die Querung von Deichen und Bahnlinie.

2010 war mit den Planungen für das neue Schöpfwerk begonnen worden, erinnert sich Hilmer. In diesem Zuge wurde auch die gesamte Untere Neetze neu vermessen, um den Bedarf an Pumpleistung errechnen zu können. Umfangreiche Baugrunduntersuchungen und die Prüfung von Naturschutzbelangen fanden statt. 2013 waren die Anwohner ausführlich über die geplanten Arbeiten informiert worden.

Bei Flut laufen Schöpfwerke im Dauerbetrieb

Man habe Glück gehabt, dass es in der Zeit des Baus keine nennenswerten Hochwasserereignisse gegeben habe, stellt Johannes Hilmer fest. Jetzt, mit der Inbetriebnahme des neuen Schöpfwerkes, sei man wieder gerüstet. Während der sogenannten „Jahrhunderthochwasserereignisse“ der vergangenen Jahre seien die Schöpfwerke des Wasserverbands wochenlang gelaufen, erinnert sich Hilmer.

Den berühmten „Knopf“, der die Pumpen des hochmodernen Schöpfwerks heute zum „Summen“ bringen soll, wird Harburgs Kreisrätin Monika Scherf drücken. Für Interessierte kündigt Verbandsgeschäftsführer Johannes Hilmer die Möglichkeit an, das neue Schöpfwerk zu besichtigen. „Wir laden dazu ein, wenn alles fix und fertig ist“, sagt er.

Verband besteht seit 134 Jahren

Die historisch gewachsene Hauptaufgabe des 1882 gegründeten Wasserverbandes der Ilmenau-Niederung besteht darin, das anfallende Wasser aus seinem Verbandsgebiet abzuleiten. Das „anfallende Wasser“ ist dabei nicht nur der Niederschlag, sondern auch das sogenannte „Qualmwasser“, das bei Hochwasser in der Elbe in der tieferen Lüneburger Elbmarsch zutage tritt. Bevor das Wasser die Ilmenau bzw. die Elbe erreicht, muss es durch ein weit verzweigtes Netz von Gewässern fließen.
Das Verbandsgebiet reicht von Winsen und Rönne im Nordwesten bis Neu Darchau und Himbergen im Südosten und berührt die Landkreise Harburg, Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg. Gesamtfläche: 633 Quadratkilometer.

Zuständig ist der Verband auch dafür, innerhalb seines Verbandsgebiets die Gewässer „II. Ordnung“ zu unterhalten, darunter die Alte Ilmenau, der Alte Neetzekanal und zahlreiche Gräben. Zur Gewässer­unterhaltung gehört auch der Betrieb und die Unterhaltung von zahlreichen Anlagen, darunter 15 Schöpfwerken.
Finanziert wird der Verband durch die Mitgliedsbeiträgen seiner Verbandsmitglieder, das sind die rund 18000 Grundstücksinhaber im Verbandsgebiet sowie 16 Gemeinden. pet