Mittwoch , 28. Oktober 2020
Ihre letzte Ratssitzung war zugleich die fordernste für Bürgermeisterin Ann-Carin Büttner: Bei nur einer Gegenstime stimmte der Rat am Ende für die Änderung des Bebauungsplans und den Durchführungsvertrag. Foto: A/be

ADAC-Gelände Embsen: Rat segnet Pkw-Slalom ab

Embsen. Es ist die letzte Sitzung in dieser Wahlperiode, die letzte Sitzung von Bürgermeisterin Anne-Carin Büttner (SPD). Der große Saal im Gasthaus Stumpf ist rappelvoll, mehr als 60 Bürger sind erschienen. So viele wie selten zuvor bei einer Tagung des Gemeinderates Embsen. Aber diese Sitzung ist aus Sicht vieler Embsener Bürger die wohl brisanteste überhaupt in den vergangenen fünf Jahren.

Ihre letzte Ratssitzung war zugleich die fordernste für Bürgermeisterin Ann-Carin Büttner: Bei nur einer Gegenstime stimmte der Rat am Ende für die Änderung des Bebauungsplans und den Durchführungsvertrag. Foto: kre
Ihre letzte Ratssitzung war zugleich die fordernste für Bürgermeisterin Ann-Carin Büttner: Bei nur einer Gegenstime stimmte der Rat am Ende für die Änderung des Bebauungsplans und den Durchführungsvertrag. Foto: kre

Dabei stehen neben den Regularien nur zwei Punkte auf der Tagesordnung: „Beratung und Beschlussfassung zum Vorhabenbezogenen Bebauungsplan (…) Nr. 15 Heidkamp für das erweiterte Sondergebiet 3“ sowie der entsprechende „Durchführungsvertrag“. Übersetzt heißt das: Die Ratsmitglieder wollen an diesem Abend über das Ansinnen des Automobilclubs Ilmenau (ACI) beschließen, der auf dem Kartbahn-Gelände des ADAC-Fahrsicherheitszentrums auch Slalom-Motorsport veranstalten möchte. Doch dazu muss der Bebauungsplan geändert werden (LZ berichtete).

Von Anfang an gegen dieses Projekt hat sich der Verein „Blauer Himmel über Ilmenau“ positioniert, der im Dezember 2013 vom niedersächsischen Umweltministerium als Umweltschutzverband anerkannt wurde. Der ADAC plane mit diesem Vorhaben eine Rennstrecke, Lärm und Abgase würden zunehmen und die Bürger müssten dieses aushalten, macht der Verband noch am Abend während der Einwohnerfragestunde Stimmung gegen das Vorhaben. Allen gegenteiligen Argumenten des ADAC und des Gemeinderates in der Vergangenheit zum Trotz.

Verein unterstellt Rat mangelnde Sorgfalt

Mehr noch: Vereinssprecher Reimond Hennig unterstellt den Embsener Ratsmitgliedern mangelnde Sorgfalt: „Die erste Auslegung des Bebauungsplans war fehlerhaft, die zweite musste geändert werden und jetzt glauben Sie, dass die dritte gut geworden ist?“, fragt der Deutsch Everner provokant in Richtung des Rats­tisches und setzt süffisant nach: „Das ist wirklich mutig von Ihnen, wenn Sie glauben, dass Sie dieses Mal ohne unsere Hilfe auskommen, um Fehler auszubügeln.“ Welche „Fehler“ er konkret meint, sagt Hennig nicht.
Dafür aber geht Ratsfrau Dr. Ayna Dannenberg (SPD) auf die Kritik des Umweltverbandes ein. Und je mehr die Sozialdemokratin ins Detail geht, umso stiller wird es in den Reihen des anerkannten Umweltverbandes. Betretenes Schweigen.

Denn Punkt für Punkt widerlegt Dr. Dannenberg die Behauptungen von Reimond Hennig und seinen Mitstreitern: So hatte der Verein unter anderem immer wieder betont, „dass der Durchführungsvertrag eine deutliche Nutzungsersweiterung und Erhöhung des Lärms“ bedeute.

„Wir können Regeln für die Zukunft aufstellen. Und das ist uns mit dem Vertrag zur Durchführung gut gelungen.“ Anne-Carin Büttner, Bürgermeisterin Embsen

„Falsch!“, korrigiert die Ratsfrau den Umweltverband, denn: Im B-Plan werde künftig der Pkw-Slalom als zulässige Nutzung ergänzt, die Anzahl der jährlichen Betriebsstunden steige dadurch aber nicht. Im Gegenteil: „Der gegenwärtige Stand mit rund 170 Betriebsstunden im Jahr wird im Durchführungsvertrag festgeschrieben.“
Genauso falsch war auch die Behauptung des Verbands, nach der der Durchführungsvertrag auch Fahrsicherheitstrainings auf der Kartbahn erlaube, die Strecke also von Motorrädern, Pkw und anderen Fahrzeugen befahren werden könne. „Dem ist nicht so, ein Fahrsicherheitstraining steht nicht im Bebauungsplan“, stellt Dr. Dannenberg fest.

Thema auf Biegen und Brechen durchwinken?

Als falsch entlarvt Dr. Dannenberg auch andere „Informationen“ des Vereins „Blauer Himmel über Ilmenau“: So hatte der Verband immer ein „mangelhaftes Lärmgutachten“ gerügt, das nicht „die Reduktion des Lärms belege“. Dazu Ratsfrau Dr. Dannenberg: „Das Lärmgutachten bezüglich der Einhaltung der Lärmgkontingente wurde so vom Landkreis Lüneburg gefordert und erfüllt die Auflagen der Genehmigungsbehörden aus der 1. Anhörung.“

Die besorgte Frage einer Embsener Bürgerin, warum der Rat in seiner letzten Sitzung das Thema „auf Biegen und Brechen“ durchwinken wolle, beantwortet Bürgermeisterin Büttner: „Wir haben uns zwei Jahre intensiv mit dem Thema beschäftigt. Die Vergangenheit können wir nicht ändern. Aber wir können klare Regeln für die Zukunft aufstellen. Und das ist uns aus meiner Sicht mit dem Durchführungsvertrag gut gelungen“. Der große Teil des Rates sieht das genauso. Bei nur einer Gegenstimme stimmen die Ratsmitglieder der Änderung des Bebauungsplans Nr. 15 Heidkamp für das erweiterte Sondergebiet 3 (Kartbahn) und dem Durchführungsvertrag zu.

Sportveranstaltungen auf der Kartbahn

Das ändert sich mit dem Durchführungsvertrag: Insgesamt dürfen künftig maximal 166 Betriebsstunden im Jahr auf der Kartbahn stattfinden. Für diese Stundenanzahl wurden die beiden zurückliegenden Jahre zugrunde gelegt, die laut Anwohnern und Rat „so ruhig waren wie nie“. Von den 166 Betriebsstunden entfallen 120 Stunden auf Karttrainings und -veranstaltungen.

Konkret: Eine Kartveranstaltung am Wochenende, samstags und sonntags, aber nur im April oder September; sieben Trainings montags bis freitags, 14 bis 17 Uhr; 14 Trainings sonnabends, 10 bis 16 Uhr. Davon nur acht Trainingstermine zwischen dem 1. Mai und dem 31. August. 46 Stunden entfallen künftig auf Pkw-Slalom, das heißt: Eine Tagesveranstaltung ist zwischen dem 1. Mai und dem 31. August erlaubt, eine Wochenendveranstaltung im April oder im September.

Dazu kommen sechs Trainingstage mit insgesamt 16 Trainingsstunden, davon ein Training sonnabends, von 14 bis 18 Uhr, alle übrigen fünf Trainingstage dürfen nur montags bis freitags in der Zeit von 18 bis 20 Uhr stattfinden. kre