Freitag , 30. Oktober 2020
Lüneburger Politiker diskutieren über Verbleib oder Ausstieg bei der Tourismusgesellschaft. Foto: A/t&w

Wie viel Werbung braucht Lüneburg?

Lüneburg. Die Lüneburger Heide GmbH (LHG) vermarktet die gleichnamige Urlaubsregion. Einer der Gesellschafter ist die Stadt Lüneburg. Sie zahlt dafür einen jährlichen Zuschuss von 50.000 Euro. Im Wirtschaftsausschuss, in dem sonst gerne nach Vorlage abgestimmt wird, gab es nun eine kontroverse Diskussion darüber, ob und wann man eine Kündigung beschließen solle. Am Ende wurde beschlossen: kein Beschluss.

Fernsehpräsenz als Magnet

Zum Hintergrund: Die Verwaltung hatte in einer Vorlage zum Ausschuss dargestellt, dass die Stadt den Vertrag mit der Tourismusgesellschaft jährlich kündigen könne mit einer Frist von drei Jahren. Eine Kündigung mit Wirkung zum 31. Dezember 2019 wäre danach bis spätestens zum 31. Dezember 2016 erforderlich. Im Beschlussvorschlag hieß es: Die Hansestadt werde von ihrem Kündigungsrecht mit Wirkung zum 31. Dezember 2019 keinen Gebrauch machen und die Zusammenarbeit fortsetzen.

Claudia Schmidt (Grüne) eröffnete die Diskussion mit der Frage, ob man wirklich in der LHG präsent sein solle. Um sich ein Bild davon zu machen, ob deren Tourismusförderung überhaupt Sinn und Nutzen für die Stadt Lüneburg habe, habe Niels Webersinn (CDU) bereits 2014 einen Bericht gefordert. Der sei ausgeblieben. „Ich möchte aber eine klare Auflistung, was die Lüneburger Heide GmbH bringt“, sagte die Grünen-Politikerin. Im Übrigen seien die ARD-Telenovela „Rote Rosen“ und die Vox-Reihe „Hautnah: Die Tierklinik“ gute Tourismus-Werbung. Bei den Übernachtungszahlen sei man eh am Limit. Den Beschluss solle man verschieben.

Viel Geld, wenig Nutzen?

Das war ganz auf der Linie von CDU-Mann Webersinn. Den Beschluss solle der neue Rat fassen, der sich am 1. November konstituiert. Schließlich hätte in der laufenden Wahlperiode die Gruppe SPD/Grüne auch bei verschiedenen Anträgen der CDU so argumentiert. Eugen Srugis (SPD) versuchte, das Ruder ­herumzureißen: „Wir haben immer gesagt, dass es wichtig ist, Gesellschafter zu sein.“ Selbst wenn der Geschäftsführer Ulrich von dem Bruch vortragen würde, werde man nicht wissen, wie groß die Werbe-Wirksamkeit der LHG sei.
Michèl Pauly (Linke) hielt dagegen, dass es um einiges Geld gehe. „Dafür bekommen wir wenig“, findet er. Zumal man vor Ort die Lüneburg Marketing GmbH habe. Warum solle man da doppelt zahlen, gab auch Ulrich Blanck (Grüne) zu bedenken. Die 50000 Euro könne man eventuell auch anders zum Wohle der Stadt einsetzen. Pauly sowie Birte Schellmann (FDP) stellten sich ebenfalls hinter die Argumentation Webersinns, dem neuen Rat die Entscheidung zu überlassen.

Gegen diese Allianz halfen auch Klaus-Dieter Salewskis (SPD) Einwände nichts, dass der LHG-Geschäftsführer im Sommer im Wirtschaftsausschuss des Landkreises referiert und dabei deutlich gemacht habe, dass Gäste aus der Heideregion aufgrund der Werbung eben auch die Stadt besuchten.
Neuer Rat soll Entscheidung treffen

Kämmerin Gabriele Lukoschek erinnerte daran: „Herr von dem Bruch war wiederholt hier im Ausschuss. Da haben alle gesagt: Wir stehen zu dieser Gesellschaft.“ Der Tourismusstandort brauche viele Akteure, die gute Werbung für die Stadt machen. Durch den Beschluss würden keine Fakten geschaffen, denn es bestehe jährliches Kündigungsrecht. Eberhard Manzke (CDU) sprang der Kämmerin bei: Selbst wenn man Bedenken habe, könne man für dieses Jahr entscheiden und fürs nächste Jahr der neue Rat.
Die SPD und Eberhard Manzke blieben auf verlorenem Posten. Mehrheitlich stimmten CDU, Grüne, FDP und die Linke gegen eine Beschlussfassung.

Von Antje Schäfer