Samstag , 31. Oktober 2020
Der Coca-Cola-Konzern nutzt das Lüneburger Schienennetz, um seine Vio-Produkte bundesweit auszuliefern. Foto: nh

Lüneburger Getränke kommen per Zug

Lüneburg. Sechs Waggons voll beladen mit jeweils 33 Getränkepaletten der Marke Vio rollen ab sofort jede Woche vom Coca-Cola-Standort Lüneburg über das Schienennetz nach Bayern. Über mehrere Monate hatte der Getränkehersteller gemeinsam mit dem Projektpartner DB Cargo ein Logistikkonzept für den zuverlässigen, günstigen und umweltfreundlichen Warentransport erarbeitet und getestet. Das teilte das Unternehmen gestern mit.

Doch Coca-Cola ist der einzige Dauerkunde, der das Schienennetz nutzt, das die Stadt unter dem Dach der Hafen GmbH angesiedelt hat. Es gibt die Stränge Hafen- und Goseburgbahn, die später an die Strecken der Deutschen Bahn andocken. Einen Großkunden hatte Hafen-Geschäftsführer Lars Strehse vor einem Jahr verloren. Autoteile aus dem Werk des Zulieferers Yanfeng, ehemals Johnson Controls, wurden damals per Lastwagen und nicht mehr per Bahn zur Opel-Fabrik in Gliwice in Polen transportiert. Hintergrund waren Probleme, welche die Deutsche Bahn mit der Abwicklung internationaler Transporte hatte. Die städtische Gesellschaft verlor damit Einnahmen von mehreren 10000 Euro pro Jahr.

Sanierung hat Millionen gekostet

Strehse sagt, die Entscheidung, den Bahntransport aufzugeben, habe bei Opel gelegen. Yanfeng wolle den Anschluss an der Lüner Rennbahn behalten. Es gebe auch Gespräche mit weiteren Interessenten. Es wäre sinnvoll, neue Kunden zu gewinnen, nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch, weil die Hafen GmbH die 1971 geschaffene Anbindung des Gewerbegebiets Lüner Heide ebenso wie den Anschluss im Hafen für rund 2,3 Millionen Euro gerade saniert hat. Dafür flossen auch Bundes- und Landesmittel.
Im Wirtschaftsausschuss legte Strehse jetzt Zahlen vor. 2016 wurden über die Verbindungen bis Ende September 58769 Tonnen per Bahn umgeschlagen, im gesamten Jahr zuvor waren es 53455 Tonnen.

Coca-Cola teilt mit, dass die direkte Anbindung des Standortes über die Goseburgbahn an das Hauptstreckennetz der Deutschen Bahn ausschlaggebend für die Entscheidung war. Betriebsleiter Thorsten Kiehn sagt: „Am Standort Lüneburg ist es uns gelungen, einen Teil unserer Logistik effizient von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Damit entlasten wir auch den Lkw-Güterverkehr jedes Jahr um 175000 Kilometer und sparen rund 170 Tonnen CO2 ein.“

Goseburg, Maschen, Bayern

Nach der Beladung der Waggons direkt auf dem Coca-Cola-Betriebsgelände an der Goseburgstraße erfolgt der Weitertransport über den Rangierbahnhof in Maschen nach Bayern. Anschließend werden die Vio-Produkte per Lkw zum Coca-Cola-Standort Fürstenfeldbruck gebracht und von dort aus zu Kunden in Süddeutschland. Derzeit wird geprüft, ob der Transport der Vio-Produkte mengenmäßig ausgebaut werden kann und ob weitere Coca-Cola-Standorte angebunden werden können.
Den Coca-Cola-Standort an der Ilmenau gibt es seit 1977. Derzeit werden hier nach Werksangaben „jährlich an fünf Anlagen fast 270 Millionen Liter Getränke abgefüllt.“ ca