Mittwoch , 28. Oktober 2020
Und ein weiteres Mal gehts hinauf auf den Wasserturm: Leon (r.), Finja (l.) und ihre Mitschüler der benachbarten Oberschule strengen sich an, denn damit helfen sie Kindern in Kenia. Foto: t&w

13708 Stufen im Laufschritt für Kenia

Von Alexander Hempelmann

Lüneburg. Leon Schröter legt sich mächtig ins Zeug, 15-mal war er schon oben, genauso häufig wieder ganz unten. Jetzt ist er auf dem Weg zu seinem 31. Stempel, mit dem Mitschüler ihm jedesmal quittieren, wenn er wieder den Wasserturm hinauf- und hinuntergelaufen ist. Dem 13-Jährigen rinnt der Schweiß von der Stirn, er pustet immer wieder deutlich vernehmbar durch. Dennoch versichert der Siebtklässler: „Nein, ich bin noch nicht kaputt.“ Sagts und nimmt die nächsten Stufen im Laufschritt.

21 Mal hinauf und wieder hinunter

Jedes Jahr veranstaltet die Oberschule am Wasserturm einen Marathon im bekannten Wahrzeichen gleich neben dem Schulgelände. Das Prinzip: Die Schüler des jeweils 7. Jahrgangs bewältigen die 298 Stufen im Turm rauf und wieder runter. Für jede Etappe erhalten sie einen zuvor festgelegten Geldbetrag in Höhe von 2,50 Euro pro Auf- und Abstieg von privaten Sponsoren. Am Ende wird die gesamte erlaufene Summe gespendet, und zwar für Schulkinder in Kenia. Die können sich dadurch Schuhe oder auch Schulmaterial kaufen, was ohne die finanzielle Unterstützung nicht möglich wäre. Im Mai hatte die Lüneburger Schule Besuch aus Kenia, der davon berichtete, wie das Geld den dortigen Kindern konkret helfe.

Ein Grund mehr für die Lüneburger, sich an diesem Tag zu quälen und womöglich einen Muskelkater in Kauf zu nehmen. Finja Schenck (13) war schon ein Dutzend mal ganz oben im Turm und hat noch Puste. Jussi Schlender (12) hat noch eine weitere besondere Motivation: „Ich will den Rekord meines Bruders Matti knacken, der ist im vergangenen Jahr 23 Mal hoch- und runtergelaufen.“ Am Ende verfehlt er das Ziel knapp, schafft aber stolze 19 Runden und ist damit einer der Top-Läufer des Tages. Den Spitzenwert unter den knapp 70 Startern aus vier Klassen in diesem Jahr erreicht Bilal Alali, dessen Stempel schließlich von 21 Runden (13708 Stufen) zeugen.

Birgit Dröge, Unesco-Koordinatorin der Schule, ist stolz auf die Mädchen und Jungen: „Allein die erste Klasse hat heute Morgen 650 Euro erlaufen. Das ist doch enorm.“ Und der Marathon fördert auch den Zusammenhalt, denn die sportlichen Schüler mit Top-Ausdauer, die ihr angestrebtes Pensum von zehn Auf- und Abstiegen, also zusammen 5960 Stufen, schon voll haben, können weiterlaufen und für jene Mitschüler Etappen absolvieren, denen schon etwas eher die Puste ausgeht.