Freitag , 30. Oktober 2020
Foto: be

Immer mehr „Jobs zweiter Klasse“ durch Leiharbeit

Lüneburg. Die Zahl der Leiharbeiter im Kreis Lüneburg hat stark zugenommen. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Arbeitsagentur 1515 Beschäftigte in Leiharbeit. Zehn Jahre zuvor waren es noch 1009. Das macht eine Zunahme von 50 Prozent, rechnet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vor. In Niedersachsen stieg die Zahl der Leiharbeiter im selben Zeitraum sogar um 150 Prozent. Die NGG spricht von einer alarmierenden Tendenz und fordert die Politik zum Handeln auf.

„Gerade berät der Bundestag über ein Gesetz gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen. Die Zahlen zeigen, dass wir eine Regelung dringender brauchen denn je“, sagt NGG-Gewerkschaftssekretärin Manuela Schäffer. Allerdings müsse am Gesetz noch deutlich nachgebessert werden. „Hierfür sollten sich die Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Lüneburg in Berlin starkmachen.“

Gleiche Arbeit, weniger Geld

Bei der Leiharbeit werden Beschäftigte an einen Betrieb verliehen, wo sie meistens für den gleichen Job weniger Geld bekommen als das Stammpersonal. Ursprünglich sollte das mal auf Auftragsspitzen bei Unternehmen beschränkt sein „oft nutzen Chefs das aber zur dauerhaften Lohn-Drückerei“, sagt Manuela Schäffer. Und die Leiharbeiter bekämen meist keine Chance, ins Stammpersonal aufzurücken. Das neue Gesetz müsse dem Anstieg der „2.-Klasse-Jobs“ einen Riegel vorschieben.

Der Gesetzentwurf sieht im Wesentlichen vor, dass Leiharbeiter spätestens nach neun Monaten in einem Betrieb die gleiche Bezahlung bekommen wie das Stammpersonal. Die Höchstverleihdauer soll auf 18 Monate begrenzt werden. Dies gelte jedoch laut Schäffer „nur für Personen, nicht aber für die Arbeitsplätze. Damit können Leiharbeiter im Prinzip alle 18 Monate einfach ausgetauscht werden. Trotz allem wäre das Gesetz ein erster Schritt“, betont Schäffer. red