Mittwoch , 28. Oktober 2020
DRK-Mitglied Dr. Bernd Althusmann erzählt bei der Erntedank-Veranstaltung in Heiligenthal über Bildungsarbeit und Zukunftschancen in Namibia. Foto: t&w

Althusmann: Politische Einsicht in der Wüste+++mit Video

Von Dennis Thomas

Heiligenthal. Rund 100 Gäste waren der Einladung des Kirchgellerser Ortsverbandes im Deutschen Roten Kreuz (DRK) zum Erntedankfest in Heiligenthal gefolgt. Nach dem Gottesdienst mit Pastor Andreas Zachmann in der Gutskapelle schlemmten die DRKler bei einer Vesper in der Wassermühle und lauschten den Worten eines besonderen Referenten: Dem designierten Spitzenkandidaten des CDU-Landesverbandes für das Amt des niedersächsischen Ministerpräsidenten. Dabei betonte Dr. Bernd Althusmann, das die DRK-Ortsvereinsvorsitzende Wildtraud Harbarth ihn bereits vor Monaten gebeten hatte, über seine Zeit in leitender Funktion der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Namibia zu berichten. Er sprach über Bildungsarbeit und Korruption. Und in der Wüste sei er nicht nur zur Ruhe, sondern auch zu politischen Einsichten gekommen.

Vor allem mit Opposition zusammengearbeitet

Nach dem Regierungswechsel 2013 hatte Althusmann ohne Ministeramt und Landtagsmandat dagestanden. Er übernahm für drei Jahre die KAS-Leitung in Windhuk, koordinierte vor allem Bildungsprojekte in Namibia und im Nachbarstaat Angola, war schließlich mit Frau und drei Kindern dorthin gezogen.

Während im Saal der Wassermühle das Publikum speist und das Geschirr klappert, spricht der gebürtige Oldenburger über das geschützte Leben hinter hohen Mauern, Elektrozäunen und Sicherheitsdienst, das er führte in dem sonst so armen Land, in dem „Trinkwasser ein Luxusgut ist“ und Bürger stundenlang in Wahllokalen anstehen, um wählen zu dürfen. „Die Arbeitslosigkeit liegt bei knapp 30 Prozent und etwa 43 Prozent aller Namibier leben an der Armutsgrenze von zwei US-Dollar pro Tag.“ Umso wichtiger sei es, in dem Land in Bildungsprojekte zu investieren, dessen politisches System sich zusehends hin zu einem Ein-Parteien-Staat entwickle, in dem die SWAPO 77 von 96 Parlamentssitzen innehabe. Althusmann: „Von der KAS aus haben wir vor allem mit den Oppositionsparteien zusammengearbeitet, auch wenn das nicht immer gerne gesehen wurde.“

Kritisch äußert sich Althusmann auch zur deutschen Außenpolitik. Noch immer fordern vergeblich Opfervertreter der Herero von Deutschland, den Genozid an ihrem Volk zu Kaisers Zeiten einzugestehen. Althusmann: „Gemessen an der Armenien-Resolution des deutschen Bundestags ist auch das, was zwischen 1904 und 1908 die sogenannten deutschen Schutztruppen begangen haben, schlichtweg als Völkermord zu sehen.“ Gleichwohl glaube er nicht, dass Reparationszahlungen möglich seien. Vielmehr hoffe er darauf, dass Deutsche und Namibier eine „gemeinsame Erinnerungskultur entwickeln“.

Unterm Sternenhimmel zur Ruhe gekommen

Althusmann sprach auch von besonderen Rückzugsmöglichkeiten zum Nachdenken: „In der namibischen Wüste, unterm klaren Sternenhimmel oder zum Sonnenaufgang, bin ich zur Ruhe gekommen und habe auch über manche politische Auseinandersetzung der Vergangenheit nachgedacht und den einen oder anderen Fehler.“ Nach der Veranstaltung fragte die LZ nach, ob unter jenen Fehlern auch die Einführung des sogenannten Turbo-Abis gewesen sei, für die Althusmann als Kultusminister verantwortlich gewesen ist und die durch die Schulreform unter Rot-Grün wieder rückgängig gemacht wurde.

Dazu Althusmann: „Ja, auch der zum Teil ideologisch geführte Kampf um das G8 oder G9, das sogenannte Turbo-Abitur, auch da würde ich heute sagen: Die Weichen sind gestellt. Wir brauchen keine Schulstrukturdebatten. Wir brauchen keine Debatten über G8, G9, weil ich glaube, die Sache ist jetzt entschieden.“ Und weiter: „Nichts wäre schlimmer für niedersächsische Schüler, als wenn jetzt eine neue Landesregierung alles wieder rückgängig machen würde. Ich glaube, wir sollten jetzt dabei bleiben.“ Gleichwohl wünscht er sich eine Angleichung unter den Bundesländern.

Noch sei auch nicht entschieden „in welchem Wahlkreis ich kandidieren möchte, in welchen Wahlkreis ich kandidieren soll“. Denn: „Wenn man Landesvorsitzender wird und Spitzenkandidat für die niedersächsische Landtagswahl, dann sollte man üblicherweise einen Wahlkreis anstreben und in einem kandidieren“ und langfristig wolle er da auch leben, „weil ich mich um die Menschen vor Ort kümmern möchte“. Aber noch sei alles offen. Neben Lüneburg sei auch die CDU-Hochburg Seevetal im Gespräch, sogar Springe und Hildesheim seien ihm angetragen worden. „Aber, auch das habe ich in Afrika gelernt, erstmal abwarten und sehen, wie sich die Dinge entwickeln.“