Mittwoch , 28. Oktober 2020
Stau auf der B404. Das nervt im Moment viele Hamburg-Pendler. Foto: gae

Alle Wege führen in den Stau

Von Manuela Gaedicke

Lüneburg/Hamburg. 20 Kilometer auf der A1, eine Stunde Wartezeit vorm Elbtunnel, stockender Verkehr auf der A39 — die Verkehrsmeldungen am Morgen sind für viele Pendler im Moment besonders nervenaufreibend. Selbst die B 404 über Geesthacht für viele der letzte „Schleichweg“ nach Hamburg ist gerade gnadenlos verstopft.

Sorgenkind Elbtunnel

„Es gibt gerade keinen Weg mehr aus dem Süden, der nicht überlastet ist“, bestätigt Christian Hieff vom ADAC Hansa. Momentan sei es besonders schlimm, weil gleichzeitig auf der A7 und auf der A1 gebaut wird. Das größte Sorgenkind: der Elbtunnel. Laut ADAC gab es in der vergangenen Woche keinen Tag, an dem dort nicht mindestens zehn Kilometer Stau waren. „Das ist mehr, als der Pendler verkraften kann“, so Christian Hieff.

Ende Oktober ist die A39 fertig

Bahnfahrer dürften zumindest momentan schneller am Ziel sein. 33 Minuten braucht der Metronom bis zum Hamburger Hauptbahnhof wenn alles glatt läuft. Dass es aber auch hier häufiger Ärger gibt, das wissen nicht nur die rund 8500 Bahnpendler, die jeden Tag in Lüneburg einsteigen.

Eine Besserung ist zumindest für die nächsten zwei Wochen in Sicht. Während der Herbstferien dürften deutlich weniger Leute in der Rush Hour unterwegs sein. Die Bauarbeiten auf der A39 sollen bis Ende Oktober abgeschlossen sein.

Aktuelle Baustellen

A1: Zwischen dem Maschener Kreuz und der Anschlussstelle Hamburg-Harburg kommt es wegen einer Baustelle immer wieder zu stockendem Verkehr. Auf einer Länge von 200 Metern ist ein Fahrstreifen gesperrt. Die Arbeiten dort sollen laut ADAC am 14. Oktober abgeschlossen werden.
A7: Dauerbaustelle Elbtunnel. Hier sind an mehreren Stellen Fahrstreifen gesperrt. Es gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen. Mit einer Entlastung ist vorerst nicht zu rechnen.
A39: Die Bauarbeiten stehen laut Landesstraßenbaubehörde kurz vor dem Abschluss. Am kommenden Mittwoch (5.Oktober) soll der Verkehr auf die bereits sanierte Fahrbahn zurückgeführt werden. Auch die Sperrungen der Anschlussstellen Winsen-West und Maschen-Seevetal haben dann ein Ende. Die Restarbeiten werden voraussichtlich noch bis Ende Oktober andauern. gae 

Zwei Pendler berichten

Nadine Jounais (34) fährt jeden Morgen mit dem Auto über die B404. Die Diplom-Steuerjuristin arbeitet in einem Büro in Reinbek. „Ich höre morgens kein Radio mehr. Die Staumeldungen würden meinen Adrenalinspiegel noch erhöhen, das muss ich nicht haben morgens um 6. Dann fahre ich normalerweise los. Von Handorf auf die B404. Und dann geht es neuerdings schon los. Warum es hier auf einmal morgens so früh schon stockt, kann ich mir auch nicht erklären. Es muss an der A1 liegen. Und an den Baustellen auf der A39. Es fahren so viele Leute Richtung Hamburg morgens. Und das Pendleraufkommen ist definitiv gestiegen in den letzten Jahren. Ich arbeite seit 2009 in Reinbek. Normalerweise brauche ich 25 bis 30 Minuten. Diese Woche hat es meistens eine ganze Stunde länger gedauert. Ich kenne viele Leute, die das gleiche Problem haben. Eine Freundin von mir hat ihre Arbeitszeit so verschoben, dass sie morgens um 5 anfangen kann. Eine andere ist neulich erst gar nicht ins Büro gefahren, hat stattdessen zu Hause am Computer gearbeitet.
Ich fahre auch schon morgens um 6 los und frühstücke im Auto. Auf Getränke verzichte ich morgens. Es gibt unterwegs einfach keine Möglichkeit anzuhalten, falls man im Stau steht. Ich hoffe jetzt sehr auf die Herbstferien, diesen Sommer war ja auch alles okay. Man hat das Gefühl, dass jetzt alle noch früher losfahren und die Strecke deshalb noch mehr überlastet ist.“

Auch mit der Bahn läuft nicht alles glatt

Thorsten Wodarz (45) aus Oedeme pendelt jeden Morgen mit der Bahn nach Hamburg. Er arbeitet als Leiter Rechnungswesen bei einer Krankenversicherung. „Ich würde niemals mit dem Auto nach Hamburg fahren. Auch wenn ich ,das Drama morgens im Metronom kenne. 15 Jahre habe ich das gemacht, gefühlt ist es immer voller geworden. Zur Hauptzeit morgens zwischen 7 und 8 und nachmittags ab 16 Uhr pendeln einfach wahnsinnig viele Leute. Da kriegt man kaum einen Sitzplatz. Ab Winsen stehen eigentlich alle. Und spätestens wenn ich in Hamburg am Hauptbahnhof umsteigen muss, bin ich genervt.

Deshalb habe ich mich vor fünf Jahren entschlossen, auf den IC umzusteigen. Das ist deutlich teurer, aber für mich ist es eine Investition, die meine Lebensqualität deutlich verbessert. Seitdem bin ich entspannter, nutze die Zeit zum Lesen oder Arbeiten und schaffe es auch mal, in Ruhe die Zeitung zu lesen. Der Zug fährt durch bis zum Dammtor, sodass ich nicht am Hauptbahnhof umsteigen muss. Wenn ich das zwischendurch mal wieder mache, weil meine Bahn ausgefallen ist, merke ich, wie sehr mich das stresst. Am Hauptbahnhof sind morgens eben sehr viele Menschen unterwegs. Grundsätzlich habe ich mich aber ans Pendeln gewöhnt. Ich würde daran nichts ändern. Beruflich gefällt es mir gut in Hamburg, aber Lüneburg ist einfach eine tolle Stadt zum Leben. Dafür nehme ich die Fahrtzeit jeden Morgen gerne auf mich.“