Freitag , 30. Oktober 2020
So zeigte sich der neue Vorstand der Lüneburger Kreisjägerschaft im März dieses Jahres (v.l.): Sascha Meyer, Torsten Broder, Christoph Lüttgens und Hans-Christoph Cohrs. Jetzt ist Sascha Meyer überraschend zurückgetreten. Foto: A/t&w

Die Schonzeit in der Kreisjägerschaft ist vorbei

Von Klaus Reschke
Lüneburg. Gerade einmal sechs Monate dauerte die Schonzeit: Während der Hauptversammlung im März dieses Jahres hatten sich die Mitglieder des Vorstandes der Jägerschaft im Landkreis Lüneburg noch einmal mühsam zusammengerauft — vermittelten nach Außen demonstrativ das Bild neuer Geschlossenheit. Doch jetzt ist der Streit wieder offen ausgebrochen: Sascha Meyer aus Bleckede, vor einem halben Jahr erst zum zweiten Vorsitzenden der mehr als 1100 Mitglieder zählenden Jägerschaft im Landkreis Lüneburg gewählt, hat überraschend das Handtuch geworfen. Aus persönlichen Gründen, wie es heißt. Doch damit hat der Bleckeder offenbar eine Kettenreaktion ausgelöst, die am Ende auch den Vorsitzenden der Jägerschaft, Torsten Broder, das Amt kosten könnte.

Der betonte zwar am Donnerstag auf LZ-Anfrage, dass er „keineswegs amtsmüde“ sei, seine internen Äußerungen freilich lassen andere Interpretationen zu. Meyer war Broders Wunschkandidat. Dessen Rücktritt habe nun zur Folge, „dass ich ebenfalls meine Tätigkeit als Vorsitzender kontrolliert … auslaufen lasse“, teilte der Vorsitzende den Mitgliedern in einer Rundmail mit. Außerdem kündigte er an, sein „Amt bis nach der nächsten erweiterten Vorstandssitzung ruhen zu lassen.“

„Ich habe uns allen eine Denkpause verordnet.“

Davon — und auch vom Rücktritt — will Broder nun nichts mehr wissen. Er beabsichtige keineswegs zurückzutreten, betonte der 64-Jährige. Seine Worte will Broder anders verstanden wissen: „Ich habe uns allen eine Denkpause verordnet.“ Auch er befinde sich jetzt in der Phase der Selbstreflektion, an deren Ende die Frage beantwortet werden soll: „Wie soll es personell weitergehen mit der Kreisjägerschaft? Welche Ziele wollen wir künftig verfolgen?“

Broders Botschaft scheint aber nicht bei allen Vorstandskollegen richtig angekommen zu sein — zumal der Vorsitzende offenbar selbst nicht an eine grundlegende Verbesserung der Zusammenarbeit in seinem Sinne glaubt: „Dieser Schritt, den ich nun beschreite, ist für mich unumgänglich und logisch, da ich keine positiven Veränderungen im Vorstand erwarte“, schreibt Broder und fügt hinzu: „Die Beharrungskräfte sind zu groß, und eine partnerschaftliche Führung wird nicht gewünscht.“ Zum Rumkommandieren, so der ehemalige Berufssoldat Broder weiter, habe er keine Lust: „Für mich zählt freiwilliges Miteinander um der Sache willen.“

Bei den Grünröcken im Kreis haben Broders Erklärungsversuche für Verwirrung, statt für Aufklärung gesorgt: Vorstandsmitglieder sprechen von zum „Teil verworrenen, sich widersprechenden Aussagen“ ihres Vorsitzenden. Franz-Josef Flögel, Schriftführer der Jägerschaft, der nach dem Rücktritt Meyers quasi amtierender 2. Vorsitzender der Kreisjägerschaft ist, hat per Mail zu einer außerordentlichen Vorstandssitzung für Dienstag nach Embsen eingeladen. Thema: „Aufarbeitung des E-Mail-Schriftverkehrs des Vorsitzenden Torsten Broder und sich daraus ergebende Konsequenzen für die weitere Vorstandsarbeit.“

Möglichst schnell Klarheit herbeiführen

Flögel will offenbar möglichst schnell Klarheit herbeiführen, den „Buschfunk“ abschalten. Was durchaus verständlich ist — aber nicht aus Sicht Broders: „Diese Sitzung werde ich unterbinden“, sagt der 64-Jährige mit Hinweis auf die Satzung der Jägerschaft. Sein Ziel: eine erweiterte Vorstandssitzung Ende Oktober. Bis dahin hätten die „verbleibenden Persönlichkeiten in der Jägerschaft Zeit, erste Entscheidungen herbeizuführen“.

Vielleicht aber hätten sich die Agierenden auch nur die Worte ihres ehemaligen Vorsitzenden Günter Larisch in Erinnerung rufen müssen: „Seid der Jägerschaft in der Sache gemeinsam verpflichtet und verantwortlich. Meinungsverschiedenheiten müssen im Gespräch und gegebenenfalls im Vorstand ausgetragen und gelöst werden, aber nicht öffentlich“, hatte dieser im März dem neu- beziehungsweise wiedergewählten Vorstand als wohlmeinende Mahnung mit auf den Weg geben.

Jetzt das Vertrauen der Mitglieder und der Öffentlichkeit zurückzugewinnen wird schwer. Das schwant auch so manchem Nimrod: „Ernst nimmt uns ohnehin keiner mehr!“, fürchtet ein Vorstandsmitglied.