Dienstag , 27. Oktober 2020
Campus-Geschäftsführer Klaus Hoppe und seine Mitstreiter haben von der Stadt das ehemalige Anna-Vogeley-Seniorenzentrum übernommen. Sie nutzen es selber und haben viele Räume untervermietet. Mit Immobilien will Campus verstärkt Geld verdienen. Foto: ca

Campus: Krise oder Boom?

Von Carlo Eggeling
Lüneburg. Der Satz klingt dramatisch, soll aber nicht so, sondern als „Weckruf“ gemeint sein: „Derzeit befinden wir uns mit der Campus Management GmbH in einer zu lang anhaltenden schlechten Phase.“ Eine „Flaute im Baubereich“ und eine „Reihe defizitärer Geschäftsfelder“ machten der Geschäftsführung Sorgen. Auch deshalb organisiere man das Unternehmen neu, Ziel: Kosten senken und Gewinne erhöhen. Die Echtheit des der LZ zugespielten internen Schreibens bestätigen Campus-Geschäftsführer Klaus Hoppe und seine Kollegin Nele Jennert. Allerdings weisen sie trotz der kritischen Worte jeden Verdacht auf eine dramatische Situation zurück.

„Es ging uns noch nie so gut wie heute“, sagt Hoppe. Die Eigenkapitalquote liege hoch, die Liquidität sei gut, man habe ein Dutzend neue Mitarbeiter eingestellt. Insgesamt beschäftige man 90 feste und 140 Aushilfskräfte. Gleichwohl laufe es nicht überall rund, daher sollte das interne Schreiben Mitarbeiter sensibilisieren, auf Kosten zu achten und zudem wie gewohnt eine gute Leistung abzuliefern.

Campus betreibt fünf Wohnheime, ein sechstes wird gerade gebaut

Campus ist bekanntlich längst zu einem kleinen Konzern gewachsen. Entstanden aus einer studentischen Initiative, die Anfang der 90er-Jahre einen leeren Mannschaftsblock der Scharnhorst-Kaserne besetzt, um Wohnraum für Studenten zu schaffen, betreibt Campus heute fünf Wohnheime, ein sechstes wird gerade gebaut. Dazu kommen unter anderem die Gastronomie wie mit der Ritterakademie und dem Vamos sowie das Carsharing. Unter einem Trägerverein ist die GmbH aktiv, um das operative Geschäft zu führen.

Ein Problem ist der Baubereich mit 15 Kollegen. Da sich der Startschuss für das Wohnheim Campus6 an der Uelzener Straße verzögerte, hatten die Handwerker nicht genug zu tun. Das Schreiben sollte auch sie wieder motivieren, sagt Hoppe. Das Bleckeder Haus als Veranstaltungszentrum laufe mit Verlust. Da möchte Hoppe ein neues Konzept fahren.

Der bisherige große Profitbringer Vamos, Tanzpalast und Veranstaltungshalle sowie Finanzier von Campus-Töchtern, habe 2015, anders als in Vorjahren, nur einen kleinen Gewinn erwirtschaftet. Aber immerhin so viel, um weiterhin den Beitrag für das Sponsoring der Bundesliga-Volleyballer der SVG einzufahren. „Wir sind da der größte Geldgeber“, sagt Hoppe, der in der Zusammenarbeit mit der SVG weitere Pläne verfolgt: Er möchte gern die Arena an der Lüner Rennbahn betreiben, in der die Volleyballer künftig auflaufen sollen. Daneben sind dort auch Schulsport und Veranstaltungen geplant.

Mietvertrag für das Vamos läuft in einem Jahr aus

Das ist sozusagen auch ein Plan B. Denn der Mietvertrag für das Vamos auf dem Campus zwischen Uni und Campus läuft in einem Jahr aus. Die Uni will ihn nicht verlängern. Nele Jennert betont, dass man weiter für den Erhalt kämpfe, Hoppe ergänzt aber: „Trotzdem müssen wir vorbereitet sein.“

Hoppe und seine Kollegin Jennert sehen den Verein Campus und seine Wirtschaftsgesellschaft in einem großen Umwälzungsprozess. So wird das Konstrukt künftig unter dem Dach einer Stiftung agieren. Dabei soll auch das Kapital in Millionenhöhe helfen, das aus aus einem Immobilienverkauf stamme. Zu Einzelheiten hält sich das Führungsduo bedeckt.

Sicher ist allerdings, dass Campus das Geschäftsfeld Immobilien ausweiten möchte. Kein Wunder bei dem in Lüneburg boomenden Markt. „Da wollen wir wachsen“, sagt Hoppe. Es gehe darum, günstigen Wohnraum zu schaffen: „Das sehen wir so wie die Stadt.“ Um allerdings an vergünstigte Grundstücke zu kommen, müsste sich Campus nach Meinung von Fachleuten wahrscheinlich mit einem kommunal geprägten Unternehmen zusammentun. Gemunkelt wird von der überwiegend städtischen Lüwobau und der Sparkassen-Tochter idb, die praktischerweise den Bereich der alten Schlieffen-Kaserne zum Hanseviertel entwickelt. Campus soll Pläne haben, eben dort zu bauen.

Das will Hoppe nicht kommentieren, er lächelt nur.