Freitag , 30. Oktober 2020

Zugfahrt wird für Pendler zur Qual

Lüneburg. Richtig ins Schwitzen gekommen sind die Gäste jetzt an den heißen Tagen im September nicht etwa auf einer Liege im Garten, sondern auf der Metronom-Fahrt von Hamburg nach Lüneburg. Lutz Brandt war einer von ihnen. Er pendelt regelmäßig zwischen den beiden Hansestädten, nimmt meist den Zug um 17.30 Uhr nach Lüneburg. Eine Tortur wie diese ist dem 55-Jährigen aber bislang noch nicht untergekommen. „Das Handythermometer hat 53 Grad angezeigt“, moniert er, „das grenzt fast an Körperverletzung“.

Ein Zugbegleiter soll den Fahrgästen erklärt haben, dass der Strom während des gesamten Aufenthalts in der Abstellanlage abgeschaltet werde. Danach könne die Klimaanlage zunächst nur auf ein Viertel der Kraft wieder hochgefahren werden, da sie sonst vereisen würde. Außerdem müssten die Anlagen in den Waggons einzeln angesteuert werden. In einer Diskussion auf der LZ-Facebookseite zum Thema haben sich derweil auch weitere Fahrgäste gemeldet und ihren Unmut zum Ausdruck gebracht.

Metronom weist die Vorwürfe zurück

Metronom-Sprecher Björn Pamperin weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Personal habe keinerlei Anweisung, die Klimaanlage auszuschalten, um Strom zu sparen. „Auch nicht, wenn der Zug in der Abstellung steht“, versichert er. Das würden die Energiedaten belegen. Eine mögliche Erklärung für die Überhitzung liefert Pamperin mit defekten Klimaanlagen. „In einem Verband war das in zwei Waggons der Fall, der Schaden wurde aber nun behoben.“

Lutz Brandt ist über den Vorfall entrüstet. „Der Zug war brechend voll.“ Besonders für Senioren und Tiere sei die Fahrt nach Lüneburg „gesundheitsgefährdend“ gewesen. „Die Älteren haben regelrecht nach Luft gejapst, ein Hund ist fast durchgedreht.“ Schon beim Einsteigen in Hamburg sei es im Zug „glühend heiß“ gewesen, „die Fahrgäste sind von Waggon zu Waggon gelaufen, in der Hoffnung, dass es anderswo kühler ist.“ Erst kurz vor Lüneburg sei die Temperatur dann etwas gesunken. Die rund 35 Grad Außentemperatur habe er beim Verlassen des Zuges als angenehm empfunden.

Keine Beschwerden beim Fahrgastbeirat

Dem Fahrgastbeirat in Harburg liegen jüngst keine Beschwerden zu diesem Thema vor, sagt Sprecher Klaus Steinfatt. „Das ist auf jeden Fall kein Massenphänomen.“ Seines Wissens nach funktioniere die Klimaanlage in den Doppelstockwagen des Metronoms „relativ gut“. Dafür ist sich Steinfatt sicher, dass der Strom im Zug für einige Minuten ausgeschaltet wird. „Er fährt ja mit dem Steuerwagen vorweg in den Bahnhof ein, der Lokführer rüstet dann ab und schaltet den Hauptschalter aus.“ Alle stromverbrauchenden Aggregate seien dann für fünf oder sechs Minuten abgeschaltet. „Sobald der Zugführer bei der Lok angekommen ist, schaltet er den Hauptschalter wieder ein.“

Lutz Brandt kann darüber nur schmunzeln. „Ich habe die Klimatechniker bei mir in der Firma gefragt“, sagt er. Innerhalb von wenigen Minuten könne der Zug nicht eine solche Temperatur erreichen so die Antwort. „Der Zug muss eine ganze Weile ohne Strom gewesen sein.“ Anna Paarmann