Dienstag , 27. Oktober 2020
Das Lüneburger Klärwerk in der Bockelmannstraße hat im vergangenen Jahr rund 9,2 Millionen Kubikmeter Abwasser aus der Stadt und den angeschlossenen Nachbarkommunen, von Adendorf bis Gellersen, verarbeitet. Foto: t&w

Lüneburgern stinkt Abwasser

Von Dennis Thomas

Reppenstedt/Lüneburg. Je nach Temperatur und Wetterlage ist das alles andere als ein feines Bouquet, das den Anwohnern des Lüneburger Stadtteils Weststadt regelmäßig um die Nase weht. Die üblen Ausdünstungen aus dem Untergrund in der Wilhelm-Hillmer-Straße haben ihren Ursprung in der benachbarten Samtgemeinde Gellersen. Die leitet, wie andere Nachbarkommunen auch, ihr Abwasser in die Stadt Lüneburg zum zentralen Klärwerk. Gestunken hat es in den vergangenen Jahren immer wieder mal am sogenannten Übergabepunkt in Jüttkenmoor. Doch mittlerweile trete der Gestank so oft und penetrant auf, dass sich die Samtgemeinde nun zu Sofortmaßnahmen gezwungen sieht.

40000 Euro für außerplanmäßige Ausgaben hat der Gellerser Samtgemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung beschlossen, um dem Problem kurzfristig beizukommen. Zunächst sollen in den Übergabeschächten im Bereich der Wohnbebauung Biofilter eingebaut werden, um die Geruchsbelästigung einzudämmen, sagte auf LZ-Nachfrage Gellersens Bauamtsleiterin Susanne Stille. Bei der Ratssitzung monierten die Ratsherren Eckhard Dittmer und Klaus Hövermann (beide CDU), dass die Verwaltung den Rat nicht schon Wochen vorher zur Bauausschuss-Sitzung über die Lage informiert habe. Dazu Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers: „Vorher war das noch nicht so akut.“

Im vergangenen Jahr hat die Samtgemeinde Gellersen rund 600000 Kubikmeter Schmutzwasser in die Stadt weitergeleitet. Dabei werden die Abwässer der Gellerser Dörfer durch Pumpstationen über das unterirdische Leitungsnetz zunächst beim Hauptpumpwerk in Reppenstedt zusammengeführt und von dort aus per Druck-, und auf der letzten Strecke per Freigefälleleitung zum Übergabepunkt in Jüttkenmoor in das städtische Abwassernetz geschickt.

Stille nennt eine mögliche Ursache für die Geruchsentwicklung: „Die Leute sparen immer mehr Wasser. Dadurch werden die Leitungen nicht mehr so gut durchgespült und das Abwasser bleibt länger in den Leitungen.“ Es entsteht Schwefelwasserstoff, der zu den üblen Ausdünstungen an Pumpstationen und Übergabeschächten führt. Bisherige Gegenmaßnahmen mit der Zuführung von Eisen-II-Sulfat hätten nicht das gewünschte Ergebnis erzielt. An einer Neudosierung werde gearbeitet.

Die 40000 Euro für Sofortmaßnahmen werden wohl nur der Anfang eines größeren Paketes sein, sagte Röttgers bei der Ratssitzung. Er sprach von mehreren Hunderttausend Euro, die in den kommenden Jahren in das Gellerser Kanalnetz investiert werden müssten. Und das dürfte sich dann in absehbarer Zeit auch auf die Abwassergebühren in der Samtgemeinde auswirken. Bis Ende 2015 galt in Gellersen eine Abwassergebühr von 1,57 Euro pro Kubikmeter Frischwasser. Seit Beginn dieses Jahres zahlen Bürger einen Satz von 1,83 Euro. Das wird nicht das Ende der Fahnenstange sein. Im Vergleich zu anderen Kommunen im Landkreis ist das jedoch noch relativ günstig, da sich die Gellerser zumindest kein eigenes Klärwerk leisten müssen.