Samstag , 31. Oktober 2020
Der Landkreis ist für mögliche Katastrophenfälle gut gerüstet, sagt Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer. In der Vergangenheit habe man gezeigt, dass man Tausende Hilfskräfte anwerben und über Tage führen könne, wie hier beim Sandsack-Füllen während des Elbehochwassers 2013. Foto: A/be

Erster Kreisrat lehnt das Hamstern ab

Von Klaus Reschke

Lüneburg. Welches Katastrophen-Szenario wäre denkbar, das eine Bevorratung mit Lebensmitteln und Trinkwasser für zehn Tage notwendig machen könnte? Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer denkt lange nach, bevor er antwortet: „Ich persönlich kann mir kein Ereignis vorstellen, bei dem das wirklich Sinn machen würde!“ Gestern stellte Bundesinnenminister Thomas de Maizière offiziell die Fortschreibung des Zivilschutzkonzeptes vor, das seit Tagen bereits kontrovers in der Bevölkerung diskutiert wird, speziell die Aufforderung, sich mit Lebensmitteln für den Ernstfall einzudecken (LZ berichtete). Da stellt sich die Frage: Wie sieht es mit dem Katastrophen- und Zivilschutz vor Ort aus? Ist der Landkreis schon jetzt für alle Eventualitäten gewappnet oder war die Überarbeitung des Konzeptes dringend notwendig?

Die zurückliegenden „Jahrhundert-Hochwasser“ an der Elbe richteten große Schäden an, hatten aber rückblickend auch ihr Gutes: „Denn dadurch haben wir unser Katastrophen- und Einsatzkonzept ständig optimieren müssen“, sagt Krumböhmer. Feuerwehren, THW, die Rettungsdienste DRK und ASB und bei Bedarf auch die Bundeswehr arbeiteten seinen Worten zufolge gut zusammen. Und die Hochwasser-Ereignisse hätten gezeigt: „Wenn es die Lage erfordert, schaffen wir es, etliche 1000 gut ausgebildete Hilfskräfte auf die Beine zu stellen und zu führen“, sagt Krumböhmer.

Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer sieht keinen Grund zum Hamstern, also einen Notvorrat für sich und seine Familie zu bunkern. Foto: A/t&w
Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer sieht keinen Grund zum Hamstern, also einen Notvorrat für sich und seine Familie zu bunkern. Foto: A/t&w

Wenn es die Lage erfordert…! Für den Ersten Kreisrat ist es das entscheidende Stichwort. Er kann sich kaum vorstellen, dass die Bevölkerung in einem dichtbesiedelten Land wie Deutschland über Tage und Wochen von jedweder Versorgung abgeschnitten wäre. „Dann müssten das schon nationale oder globale Katastrophen sein!“ Und in einem solchen Fall würde wohl auch kaum noch der zehntägige Notvorrat weiterhelfen.

Und was sagt das Innenministerium? „Es geht nicht darum, die Bevölkerung zu verunsichern oder auf konkrete Bedrohungen einzustimmen. Aber bei behördlichen Vorbereitungen müssen wir gründlich und ursachenunabhängig planen, wie wir zum Beispiel mit großflächigen Stromausfällen, langanhaltenden Hochwassern oder Starkregenereignissen umgehen. Dazu gehört eben auch die Überlegung, wie wir mit kriegsbedingten Gefahren und schwersten inneren Notständen umgehen würden“, sagt Pressesprecherin Lisa Häger auf LZ-Anfrage. Das Ministerium halte daher das Anlegen von Vorräten für vernünftig.

Krumböhmer sagt: „Ich glaube nicht, dass diese Diskussion klug ist.“ Der stellvertretende Kreisverwaltungschef fürchtet, dass dadurch die diffuse Angst in der Bevölkerung vor IS-Terror und Anschlägen noch weiter geschürt werde. Eine konkrete Bedrohungslage für sich und seine Familie kann der Erste Kreisrat jedenfalls nicht erkennen, sagt deshalb: „Natürlich kann jeder einen Notvorrat anlegen, wenn das seinem Sicherheitsgefühl dient ich werde das aber nicht tun!“
Jürgen Krumböhmer vertraut dem Katastrophenschutzkonzept des Landkreises: „Wir sind gut gerüstet“. Und eine hundertprozentige Garantie gebe es sowieso nicht.