Freitag , 30. Oktober 2020
Das Casino in der ehemaligen Schlieffenkaserne wird nicht nur fürs Training, Tanzsportveranstaltungen und Kurse genutzt. Hier werden auch verschiedene Projekte, etwa zur Inklusion, realisiert. Foto: A/t&w

Heißer Tanz um das Casino

rast Lüneburg. Das Hanseviertel wächst und damit bei den vielen jungen Familien auch der Bedarf an Krippen- und Kita-Plätzen. Nach einem Umbau hat die Stadt zum 1. August nun in der Kita im Casino der ehemaligen Schlieffenkaserne neben zwei Krippen- und einer Regelgruppe eine zweite Regelgruppe untergebracht. Und sie plant die Unterbringung weiterer Kinder. Allerdings nutzt auch die Tanzsportabteilung des Sportvereins VfL mit ihren mehr als 300 Mitgliedern das Casino fürs Training und für Veranstaltungen. Sie würde ungern weichen. Das sorgt für einen heißen Tanz im Verein: Der bisherige Vorstand der Tanzsportabteilung spricht von „Kommunikationsstörungen“ mit der VfL-Geschäftsführung und ist aus diesem Grund zurückgetreten.

Platz wird für Kita gebraucht

Der bisherige Abteilungsvorsitzende Karsten Meyer sieht „ideale Bedingungen“ für die Tänzer, zudem sei mit „Casino Lüneburg“ eine Marke im Tanzbereich geschaffen worden. Mit Veranstaltungen wie dem Tanz im Casino, den Swing-Abenden, den Kursen und den Hochzeitsworkshops würde der Ort monatlich von knapp 500 Tanzbegeisterten genutzt. Er verweist auf den vor zwei Jahren für die Dauer von zehn Jahren zwischen VfL und Stadt abgeschlossenen Mietvertrag für die Räume und wirft der Geschäftsführung vor, ihn und den Abteilungsvorstand nicht ausreichend über die Verhandlungen mit der Stadt informiert zu haben.

VfL-Präsident Uwe Walther will öffentlich zu dem Thema noch keine Stellung nehmen: „Am Dienstag, 16. August, gibt es dazu mit der Tanzsportabteilung eine nicht-öffentliche Info-Veranstaltung, da reden wir über Details.“ Er bestätigt allerdings, dass es einen Alternativvorschlag der Stadt gebe: „Für ein Ausweichquartier. Wir müssen gucken, ob die Mitglieder das mittragen.“ Bei dieser Alternative handelt es sich laut Stadtpressesprecher Daniel Gritz um das Gebäude 41, wo einst die Bundeswehr-Küche untergebracht war: „Die Räume wären für den VfL gut von der Bleckeder Landstraße aus zu erreichen. Aber auch andere Liegenschaften kommen in Betracht.“

Das Hanseviertel wächst mit den Abschnitten II und III weiter

Zum Hintergrund des Kita-Bedarfs nennt Gritz Zahlen: „Im Hanseviertel waren bis Ende Juli 2016 insgesamt 1109 Bewohner gemeldet, davon 235 Kinder. Dies entspricht 21,2 Prozent der Einwohner. Das ist ein hoher Wert, und das Hanseviertel wächst mit den Abschnitten II und III ja weiter. Geplant sind im Casino deshalb eine weitere Kita- und eine Krippen-Gruppe zum 1. August 2017.“ Zur Situation Stadt-Sportverein sagt er: „Wir sind dem VfL dankbar, weil er das Gebäude unterhalten hat. Gemeinsam mit dem VfL arbeiten wir nun an einer einvernehmlichen neuen Lösung.

Dezernentin Pia Steinrücke und der VfL-Präsident Uwe Walther führen darüber Gespräche. Es geht nicht darum, den VfL aus dem Casino zu drängen. Im Gegenteil, wir stoßen beim Verein auf Verständnis.“ Der Verein sei bereit, vorzeitig aus dem noch bis zum 31. Dezember 2024 laufenden Mietvertrag auszusteigen: „Wir suchen gemeinsam nach neuen Räumen, die für den Tanzsport und andere Sportarten entsprechend ausgestattet werden können und die der VfL zu für ihn akzeptablen Konditionen mieten könnte.“

Der Ex-Abteilungschef Karsten Meyer argumentiert, die Tanzsportabteilung arbeite „alles andere als defizitär und bringt dem Verein Geld“. Das liege auch am seit 2005 genutzten Casino selbst, das bei Tänzern weit über die Lüneburger Region hinaus einen ausgezeichneten Ruf genieße. Zu möglichen Alternativen sagt er: „Wir sehen grundsätzlich kein Problem, in neue Räume zu gehen. Doch da müssten bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, eine Turnierfläche braucht eine Breite von mindestens zehn Metern und darüber hinaus Platz für die Ellbogen, das Casino bietet 10,55 Meter.“ Ein Gebäude in der ehemaligen Schlieffenkaserne, das er besichtigt habe, habe dagegen lediglich Raumbreiten von maximal acht Metern.“ Für ihn ist klar: „So etwas wie das Casino mit seinem einmaligen Ambiente kriegt man nicht wieder.“