Freitag , 30. Oktober 2020
So soll die neue Arena von innen aussehen, wenn die Volleyballer zum Spiel antreten. Grafik: bocklage + buddelmeyer

Arena könnte im Herbst 2017 fertig sein

as/pet Lüneburg. Zwei weitere Hürden hat das Projekt „Arena Lüneburger Land“ genommen: Der Wirtschaftsausschuss der Stadt und der Finanzausschuss des Landkreises stimmten mehrheitlich für das Projekt. Grünes Licht müssen nun der Rat der Stadt am 18. August und der Kreistag am 22. August geben, erst dann können die Verträge mit der Sallier Bauträger- und Verwaltungsgesellschaft unterschrieben werden vorbehaltlich der Genehmigung der Kommunalaufsicht des Landes und der Zustimmung des Rechnungsprüfungsamtes.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge erinnerte im Wirtschaftsausschuss daran, dass es seit mehr als 20 Jahren heiße, man brauche eine Stadthalle. Nun habe man alles so vorbereitet, dass die Halle im Herbst 2017 fertig sein könne.
Mit der Umsetzung in Form einer „Public Private Partnership“ (PPP) habe man in Lüneburg bei anderen Projekten wie der Musikschule gute Erfahrungen gemacht. Ein unabhängiger Gutachter erstelle derzeit eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. „Bis Mitte September haben wir alles so weit, dass der Baubeginn im November/Dezember sein kann.“ Der Bauantrag werde bereits geprüft.

Zustimmung gabs von der SPD, für die Eugen Srugis sagte: Das PPP-Modell sei der richtige Weg. Die Arena könne für Schulsport, Breitensport der Vereine, kommunale Veranstaltungen und vom Volleyball-Bundesligisten genutzt werden. Srugis sieht eine gute Werbung für Lüneburg. Der Vertrag mit dem Investor sei übersichtlich und klar formuliert. „Ich denke, wir können das machen.“

Die CDU ging da mit. Fraktionschef Niels Webersinn machte deutlich, dass die Halle unter anderem für den Schul- und Breitensport wichtig sei, aber auch ein Teil der Veranstaltungen des Vamos könnte dort künftig stattfinden. „Für uns ist ausschlaggebend, dass der städtische Haushalt die Kosten schultern kann.“

Claudia Schmid (Grüne) hatte hingegen das Gefühl, unter Zeitdruck ein Votum abgeben zu müssen. Für sie gebe es noch offene Fragen, zum Beispiel warum die Stadt das Grundstück nicht selbst gekauft habe, ob die Halle in Konkurrenz stehe zum Libeskind-Bau bei kommunalen Veranstaltungen und wie es mit der Ausschreibung für einen Betreiber stehe. Mädge stand Rede und Antwort.

Björn Adam (Grüne) kritisierte, dass es keinen Bedarfs-, Nutzungs- sowie Betriebskostenplan gebe. Ihm fehlen Zahlen und Daten. Mädge hielt entgegen: „Wir haben Ihnen vor einer Woche angeboten, die Verträge einzusehen.“ Für Adam ist es aber auch eine „politische Frage“, ob man in dieses Projekt investiert oder in andere Pflichtleistungen der Stadt.

Kritisch sieht Michèl Pauly, (Linke), das PPP-Projekt unter anderem deshalb, weil die Stadt eventuell Geld nachschießen muss, andererseits nicht am guten Betreiebsergebnis partizipiert. „Wir hätten uns gewünscht, dass eine Gesellschaft im kommunalen Eigentum die Halle erstellt.“ Mädge erwiderte: „Welche Gesellschaft soll das machen?“ Man bekomme jedes Jahr einen Jahresabschluss vorgelegt. Er sei froh, dass ein seriöser Investor das mache.

FDP hat Bauchschmerzen

„Wir kämpfen seit vielen Jahren für eine Halle“, sagte Birte Schellmann (FDP). Dennoch habe sie „Bauchschmerzen“, weil auch für sie noch viele Fragen ungeklärt seien und sie noch nicht das Gefühl habe, dass das Projekt wirklich gut für die Stadt sei. Eberhard Manzke (CDU) hielt dagegen: „Ich habe das Vertragswerk intensiv durchgesehen. Alles ist darin abgesichert.“ Mit Blick auf die enthaltene Kaufoption nach 20 Jahren sagte er: „Wir haben uns entschieden, einen festen Betrag in den Vertrag zu schreiben. Der ist extrem niedrig.“

SPD und CDU votierten am Ende für das Projekt, Grüne und FDP enthielten sich der Stimme.

Bereits am Dienstagnachmittag hatte der Finanzausschuss des Landkreises die Arena einen Schritt voran gebracht. Mit großer Mehrheit, bei vier Enthaltungen der Grünen und Unabhängigen (Martin Gödecke), gab der Ausschuss die Empfehlung ab: „Der Kreistag des Landkreises Lüneburg begrüßt die Errichtung der Arena Lüneburger Land in Lüneburg.“

Harsche Kritik kam von den Grünen

Eine Lanze für das PPP-Konstrukt brach Landrat Manfrad Nahrstedt. Er verwies auf gute Erfahrungen des Kreises bei dem Modell etwa beim Bau des Gymnasiums Bleckede. Franz-Josef Kamp (SPD) warb für das Projekt, „quasi eine Stadthalle, über die wir doch schon jahrzehntelang geredet haben“. Die Halle werde nicht nur für die Bundesliga-Volleyballer der SVG Lüneburg gebaut, sie stehe auch anderen Nutzern offen: den Schulen, den Vereinen, der Universität und für weitere Veranstaltungen. „Wir haben auch kein Problem mit der „PPP“. Für die CDU schloss sich dem Günter Dubber an. Zustimmung kam auch von den Linken, „auch wenn uns die Konstruktion „PPP“ noch zu schaffen macht“, sagte Frank Stoll.

Harsche Kritik kam von den Grünen. Michael Gaus monierte, dass die Sallier Bauträger- und Verwaltungsgesellschaft als Partner von Stadt und Landkreis „gesetzt“ sei: „So etwas sollte immer in einem Wettbewerb ausgeschrieben werden.“ Der Grüne fühle sich angesichts des engen Zeitplans außerdem „subjektiv unter Druck gesetzt“. Gaus betonte: „Eile ist ein schlechter Ratgeber.“ Mit dem Bau der Arena an der Lüner Rennbahn entferne man sich „weg von unseren Pflichtaufgaben und in Richtung freiwilliger Leistungen“.

„Hier wird keiner unter Druck gesetzt“, entgegnete Nahrstedt. Erst, wenn alle notwendigen Verträge vorlägen und noch einmal von einem Rechtsanwalt geprüft seien, würden sie unterschrieben. Man sei der festen Überzeugung, dass die Halle an der Lüner Rennbahn dringend gebraucht werde, erklärte Franz-Josef Kamp: „Ich bin sicher, die Halle wird sofort ausgebucht sein.“

Die Eckdaten

Mit Bau und Betrieb der Arena soll die Sallier Bauträger- und Verwaltungsgesellschaft beauftragt werden. Das „investive Gesamtvolumen“ für die multifunktionale Halle mit einer Kapazität von bis zu 3500 Besuchern, so heißt es in den Beschlüssen der beiden Ausschüsse, liegt bei etwa 9,4 Millionen Euro netto. Darin ist der Wert des Grundstücks nicht enthalten.

Für das Vorhaben sollen der Landkreis rund 3,24 Millionen Euro und die Stadt als einmalig verlorener Zuschuss 833.000 Euro brutto für Sallier bereitstellen. Dazu sollen über einen Zeitraum von 20 Jahren jährlich jeweils von Stadt und Kreis rund 274.000 Euro brutto für Schuldendienst, Grundstückspacht und Hallenbetrieb zur Verfügung gestellt werden. Landkreis und Stadt erhalten im Gegenzug kostenfreie Nutzungsrechte an der Halle für Schul-, Breiten- und Universitätssport sowie für kommunale Veranstaltungen.