Montag , 28. September 2020
Hauptfeuerwehrmann Tobias Johannsen mit dem neuen Schild, das bei einem Einsatz in den Privat-Pkw gelegt werden kann, um sich gegenüber Passanten besser erkennbar zu machen. Foto: t&w

Feuerwehr will helfen und wird bepöbelt

us Lüneburg. Wenn bei Tobias Johannsen der Meldeempfänger Alarm schlägt, gibt es für ihn nur noch eins: so schnell wie möglich zur Station der Feuerwehr Lüneburg Süd. Auf dem Weg dorthin nutzt der Hauptfeuerwehrmann mit seinem Auto den ungepflasterten Wirtschaftsweg zwischen Oedeme und Rettmer. Genau wie einige Kameraden. Doch die Brandbekämpfer haben dort immer häufiger unliebsame Begegnungen.

„Ich werde bepöbelt, teilweise stellen sich mir dort auch Leute in den Weg. Sogar Steine wurden mir schon nachgeworfen“, sagt Tobias Johannsen. Weil der Weg für Fahrzeuge normalerweise gesperrt ist, glauben offenbar viele, ihn und seine Kameraden beschimpfen zu dürfen. „Die Spaziergänger und Passanten sehen in uns normale Autofahrer, die unberechtigterweise den Weg nutzen und deshalb glauben, im Recht zu sein“, vermutet der Hauptfeuerwehrmann.

Einsatz beginnt mit Alarmierung

Dass dem beileibe nicht so ist, macht Oedemes Ortsbrandmeister Frank Noether deutlich: „Auch wenn es nicht so aussieht, die Feuerwehrmänner sind im Einsatz.“ Und der beginnt bereits mit Alarmierung der Feuerwehrleute, die zunächst noch in Zivil und mit eigenem Auto unterwegs den kürzesten und schnellsten Weg zum Feuerwehrhaus in Rettmer nutzen müssen, wo dann erst die Schutzausrüstung angelegt und es mit den Feuerwehrfahrzeugen zum Einsatzort geht.

„Bei unseren Einsätzen zählt jede Sekunde“, sagt Noether, der Vorfälle dieser Art auch von anderen Kameraden hört. „In jüngster Zeit ist es deutlich mehr geworden. Wir mussten schon mehrfach auf Kameraden warten und konnten so nicht früher zum Einsatzort fahren. Das geht gar nicht.“

Christel John vermutet, dass es wohl neu Hinzugezogene seien, die offenbar nicht wissen, dass der Weg zwischen Schmiedestraße in Oedeme und Lüneburger Straße in Häcklingen für Einsatzfahrzeuge erlaubt ist. „Darauf weisen auch entsprechende Schilder am Wegesanfang hin“, sagt Oedemes Ortsbürgermeisterin.

Privatfahrzeuge: Fahrzeuge mit Sonderrechten

Warum Spaziergänger dennoch die Einsatzkräfte behindern und bedrohen, bleibt unverständlich. „Wir rasen da ja auch nicht und fahren auch bewusst an der Seite. Außerdem sage ich immer, wenn ich angesprochen werde, dass ich im Einsatz bin und zeige meinen Feuerwehrausweis, doch das interessiert manche gar nicht“, sagt Tobias Johannsen, der überhaupt nicht verstehen kann, warum selbst Eltern mit Kindern sich vor sein Auto stellen und ihn bepöbeln. „Das macht keinen guten Eindruck. Und was würden sie eigentlich sagen, wenn es bei ihnen brennt und wir zu spät kommen, weil wir aufgehalten werden?“

Christel John heißt ein solches Verhalten nicht gut: „Ich appelliere an die Vernunft der Leute und hoffe, dass sie künftig mehr Rücksicht nehmen.“ Das hofft auch Antje Freudenberg, Pressesprecherin der Polizei Lüneburg. Und sie stellt klar: „Sobald die Feuerwehrleute im Einsatz sind, gelten auch die von ihnen dabei genutzten Privatfahrzeuge als Fahrzeuge mit Sonderrechten, genauso wie Feuerwehr- oder Polizeifahrzeuge.“ Behinderungen, Pöbeleien oder ein Bewerfen mit Steinen oder Stöcken sollten tunlichst unterlassen werden, warnt Antje Freudenberg. „Da könnte Nötigung vorliegen, außerdem kann es Beleidigungsklagen, Schadensersatzansprüche und Anzeigen wegen Straßenverkehrsbehinderung nach sich ziehen.“

Frank Noether will seine Feuerwehrleute jetzt mit Schildern mit der Aufschrift „Feuerwehr im Einsatz“ ausstatten, die bei Einsätzen im Fahrzeug sichtbar sein sollen. Er weist aber zugleich darauf hin, dass nach wie vor aber auch andere Einsatzfahrzeuge ohne ein solches Schild dort fahren dürften. Außerdem sollen größere Hinweisschilder an den beiden Wegesanfängen auf die wichtige Bedeutung des unscheinbaren Feldwegs hinweisen.