Mittwoch , 12. August 2020
Diese Visualisierung zeigt, wie der Innenraum der geplanten Event- und Sporthalle aussehen könnte, wenn die Volleyballer der SVG Lüneburg bei einem Heimspiel aufschlagen. Grafik: brocklage/buddelmeyer/nh

Viele Fragen bei Event- und Sporthalle offen

as Lüneburg. Jede Menge offene Fragen zu der geplanten Arena Lüneburger Land haben die Grünen noch, machte Fraktionschef Ulrich Blanck im Rat der Stadt deutlich. Bei einer Gesamtinvestitionssumme von geplanten 10,3 Millionen, die aufgrund möglicher Umsatzsteuer sogar bei 12 Millionen liegen könnte, dürfte nicht unter Zeitdruck gehandelt werden. Deshalb beantragten die Grünen, die Position für die Sport- und Eventhalle im Nachtragshaushalt zu entfernen. Außerdem appellierte Blanck, dass sich die Verwaltung bei den Vertragsentwürfen Zeit lässt, diese nicht schon bei der nächsten Ratssitzung im August zur Abstimmung kommen. Beides wurde mehrheitlich abgelehnt.

SPD-Fraktionschef Klaus-Dieter Salewski hielt Blanck entgegen: „Hier soll heute nicht über die Halle abgestimmt werden.“ Es gehe darum, die Verwaltung zu beauftragen, die weiteren Vorbereitungen für diese voranzutreiben mit dem Ziel, dem Rat am 18. August abgestimmte Vertragsentwürfe zur Beschlussfassung vorzulegen. Er widersprach auch der Darstellung von Blanck, dass dies nur eine Halle für die Volleyballer der SVG sei. Neben Schul- und Breitensport sollen dort auch kulturelle und sportliche Veranstaltungen möglich sein. Salewski räumte ein, dass das Projekt Chancen und Risiken habe. „Aber die SPD glaubt, dass die Chancen größer sind.“ Jetzt gehe es darum, der Verwaltung ein Signal zu geben für weitere Gespräche mit dem Investor und dem Landkreis.

Birte Schellmann (FDP) erklärte: „Ich sehe das als Absichtserklärung, dass wir uns auf den Weg zu einer solchen Halle machen. Gleichwohl gebe es auch aus ihrer Sicht noch viele offene Fragen, die noch bis zum 18. August geklärt werden müssten. „Dann wird sich zeigen, ob man dem zustimmt oder nicht.“ Es komme auf die Ausgestaltung der Verträge an.

Der Finanzierung der Halle stimmte die Linke im Nachtragshaushalt zu. Aber die Umsetzung des Projektes als Public-private-Partnership (PPP) hält die Fraktion nicht für den richtigen Weg. Fraktionschef Michèl Pauly: „Ein Privater errichtet die Halle und gibt die Verpachtung oder Vermietung an die öffentliche Hand zurück. Im Gegenzug bekommt der Private von Landkreis und Stadt fünf Millionen Euro Zuschuss sowie eine gesicherte Miete, über die er das Darlehen finanziert inklusive Dividende.“ Vom Ertrag profitiere nur der Private. Wenn die Halle marode sei, „müssen wir nachfinanzieren“.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge hielt dem entgegen, dass die Stadt bisher gute Erfahrungen mit dem PPP-Verfahren unter anderem bei der St.-Ursula-Schule, der Musikschule und mehreren Schulsporthallen gemacht habe. Hauptzuschussgeber bei der Arena Lüneburger Land sei im Übrigen der Landkreis, als Hansestadt werde man nie wieder so günstig zu einer solchen Halle kommen. Der Verwaltungschef machte auch deutlich: „Wir haben noch kein fertiges Konzept. Risiken werden wir über Verträge ausschließen.“ In Richtung Blanck sagte er: „Wir könnten dir ein Jahr Zeit geben, und du hättest immer noch Fragen.“ Im gemeinsamen Sportausschuss von Stadt und Kreis sei im Mai öffentlich vorgetragen worden. Mit den Vertragsentwürfen, die die Verwaltung nun weiter vorbereiten soll, gehe man noch in den Wirtschafts- sowie Verwaltungsausschuss, danach in den Rat. Zustimmung für das Vorgehen signalisierte auch Eberhard Manzke (CDU).

Plädoyer für Halle

Während Hartmut Deja, Präsident des MTV Treubund und Sprecher des Sportbeirates, mit seiner Kritik zuletzt Wasser in den Wein der Hallenplaner gegossen hat, stellt sich der Kreissportbund (KSB) Lüneburg jetzt demonstrativ hinter das Millionenprojekt. „In den vergangenen Jahren durfte ich mehrfach Zuschauer beim ,Feuerwerk der Turnkunst sein. Diese tolle Show hat mich — als Fußballer — sehr begeistert. Ich würde mich freuen, wenn Veranstaltungen dieser Art künftig auch in Lüneburg stattfinden könnten“, sagt KSB-Vorsitzender Christian Röhling.

Mit dem Bau einer wettkampfgerechten Sport- und Veranstaltungsreihe ergeben sich laut KSB vielfältige Möglichkeiten in der Region Lüneburg, für die es bisher keine infrastrukturellen Voraussetzungen gegeben habe — wie etwa dem „Feuerwerk der Turnkunst“, die Ausrichtung internationaler Wettkämpfe und der langfristigen Sicherung des Bundesliga-Standortes für Volleyball. „Wir befürworten ausdrücklich, dass mit dem geplanten Finanzierungskonzept, das einen privaten Investor und eine Betreibergesellschaft vorsieht, keine Sportfördermittel gebunden werden, das Geld den Vereinen wie bisher in voller Höhe zur Verfügung steht“, sagt Röhling. ml