Sonntag , 20. September 2020
Um den Charakter der Kasernengebäude an der Bleckeder Landstraße zu erhalten, wurde jetzt für den Bereich ein Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Foto: t&w

Kasernengebäude sollen als Ensemble gesichert werden

as Lüneburg. Entlang der Bleckeder Landstraße prägen Kasernengebäude seit vielen Jahren das Stadtbild. Die Gebäude sind bis heute in ihrer äußeren Form erhalten, auch wenn es inzwischen Umnutzungen zum Beispiel durch das Behördenzentrum Ost gegeben hat. Die Stadt möchte dort bekanntlich in einem weiteren Bauabschnitt Wohnraum entwickeln, auch wenn das Areal derzeit noch dem Bund gehört. „Es ist Ziel der Stadt, dieses Gesamtensemble in seinem Charakter zu sichern“, machte Stadtbaurätin Heike Gundermann im Bauausschuss deutlich. Dafür sei die Aufstellung des Bebauungsplans „Hanseviertel-Ost/Bleckeder Landstraße“ notwendig. Die Ausschussmitglieder folgten dem einstimmig. Gleichzeitig wurde eine Veränderungssperre beschlossen.

Gundermann erläuterte, dass es bereits Interessenten für die Gebäude gebe. Umbauten wolle man durchaus ermöglichen, auch den Ausbau von Dachgeschossen sowie den Anbau von Balkonen. Um den Charakter der Gebäude zu erhalten, bedürfe es eines Bebauungsplanes, der unter anderem Baugrenzen festsetzt. Und Baulinien, die vorgeben, wo auf zwei Freiflächen noch Gebäude entstehen können.

Rainer Petroll (Linke) erklärte, er habe als Soldat nicht gern in einer Kaserne gewohnt. Seine Fraktion präferiere statt Erhalt der Gebäude den Abriss und Neubau. Die Stadt solle dazu einen Architektenwettbewerb ausloben. Das war für die Stadtbaurätin eine Steilvorlage für ein leidenschaftliches Plädoyer für den Erhalt des Ensembles. Gebäude und Struktur hätten eine hohe städtebauliche Qualität. „Ich würde dort auch einziehen, weil ich die Fantasie habe, was dort entstehen könnte.“ Die Stadt habe außerdem im Vorfeld ein Architektenbüro beauftragt, bei einem Gebäude zu prüfen, was dort entstehen könnte. Dabei sei auch der Sanierungsaufwand ins Verhältnis zu einem Neubau gesetzt worden. Inklusive Schadstoff- und energetischer Sanierung sei Sanierung die günstigere Variante. „Kasernen gehören außerdem zu unserer Geschichte und alle Kasernenstandorte gewinnen Qualität durch das, was bewahrt wird.“

Birte Schellmann (FDP) sagte: „Ich freue mich, dass Sie so engagiert vortragen.“ Der Bauausschuss habe sich in anderen Städten solche Projekte angeschaut, die Gebäude hätten enorme Qualität. Das Plädoyer beeindruckte zwar auch Eberhard Manzke (CDU), „aber man muss doch auch Investoren ermöglichen, etwas Neues zu bauen“. Man könne doch über den Bebauungsplan regeln, dass die neue Substanz hineinpasst. Gundermann hielt dem entgegen, es gehe nicht um ein Erhaltsgebot. Doch wenn jemand etwas abreiße, müsse er sich an die jetzt vorhandenen Formen beim Wiederaufbau halten. Aus Sicht von Ulrich Blanck muss es darum gehen, Prägendes zu erhalten. Für den Grünen spricht aber noch Weiteres dafür: „Hochwertige Bausubstanz zu erhalten, ist auch im Sinne der Nachhaltigkeit sinnvoll.“ Den Gedanken ergänzte Christian Burgdorff, der für den Arbeitskreis Lüneburger Altstadt als beratendes Mitglied im Ausschuss sitzt: Bei Abriss seien 50 Prozent der Abfallmenge Bauschutt. Das korrigierte Eberhard Manzke: „Wir haben eine Recycling-Quote von 95 Prozent.“ Recycling koste allerdings auch Energie, setzte Ulrich Löb (Grüne) dagegen.