Dienstag , 29. September 2020
Termin auf dem Truppenübungsplatz mit Bürgermeistern und CDU-Politikern (v.l.): Oberstleutnant Michael Hoppstädter, Meinhard Perschel, Deutsch Everns Bürgermeisterin Ulrike Walter, Alexander Blume, Wendisch Everns Bürgermeister Raymond Cuypers, Günter Dubber und Sonja Jamme. Foto: t&w

Absage aus Berlin – Kein Gewerbegebiet auf Truppenübungsplatz

kre Lüneburg/Wendisch Evern. Die Schreiben sind militärisch kurz und in der Sache deutlich: „Die …Entbehrlichkeitsprüfung hat zu dem Ergebnis geführt, dass der gesamte Standortübungsplatz Wendisch Evern weiterhin für Ausbildungszwecke der Streitkräfte zwingend benötigt wird. Eine Abgabe von Teilflächen für eine zivile Nutzung ist daher nicht möglich“, teilt Gerd Hoofe, Staatssekretär im Bundesministerium für Verteidigung, Landrat Manfred Nahrstedt auf eine entsprechende Anfrage mit. Post aus dem Bundesverteidigungsministerium vom Parlamentarischen Staatssekretär Markus Grübel — mit gleichem Inhalt — hat auch der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols erhalten. Damit steht nun endgültig fest, dass der gemeinsame Wunsch von Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Landrat Manfred Nahrstedt, Teile des Übungsplatzes als Industrie- und Gewerbegebiet zu entwickeln, unerfüllbar bleibt. Landrat Nahrstedt und Oberbürgermeister Ulrich Mädge bedauern diese Entscheidung.

Der Vorstoß der beiden SPD-Politiker hatte bei der Truppe für Unruhe gesorgt: „80 Prozent der Soldaten leben in der Stadt und im Landkreis Lüneburg“, betonte am Dienstag der Standortälteste und Kommandeur der Lüneburger Aufklärer, Oberstleutnant Michael Hoppstädter und fügte hinzu: Die Soldaten wüssten sehr genau, was auf dem Spiel steht, wie schnell Kasernen geschlossen werden, wenn erst einmal der Übungsplatz aufgegeben wird.“

Diese „Gefahr“ für die Truppe scheint nun fürs Erste gebannt. „Und das ist auch gut so“, findet der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes, Günter Dubber. Mit dem CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Niels Webersinn fordert er von den „politisch Verantwortlichen vor Ort ein klares Bekenntnis für den Bundeswehrstandort Lüneburg“. In einer gemeinsamen Presseerklärung der beiden CDU-Vorsitzenden heißt es weiter: „Die Soldaten der Bundeswehr fühlen sich in der Lüneburger Stadtgesellschaft herzlich aufgenommen und trainieren am hiesigen Standort und auf dem Standortübungsplatz, um sich erfolgreich bei Friedenseinsätzen weltweit zu bewähren.“

Vor diesem Hintergrund gelte es deshalb, bei der Suche nach neuen Gewerbeflächen für Hansestadt und Landkreis Lüneburg behutsam vorzugehen und den Standortübungsplatz Wendisch Evern nicht in Frage zu stellen beziehungsweise durch vereinzeltes und unkoordiniertes Vorgehen den Standort Lüneburg zur Disposition zu stellen, heißt es weiter in der Erklärung der Christdemokraten.

Für Unverständnis hatte auch das Vorgehen von Mädge und Nahrstedt gesorgt, dass bei der Anfrage im Ministerium vorab die örtlichen Bürgermeister in Wendisch Evern und Deutsch Evern nicht informiert und mit einbezogen wurden. „Für die positive Entwicklung der Hansestadt Lüneburg … ist es zwingend notwendig, dass Umlandgemeinden und Hansestadt an einem Strang ziehen“, schreibt Niels Webersinn den beiden SPD-Spitzenpolitikern deshalb ins Stammbuch.

Unterstützung erhält er dabei vom Gemeinderat in Wendisch Evern, der während seiner jüngsten Sitzung einstimmig eine entsprechende Resolution verfasst hat. Darin spricht sich der Rat nicht nur gegen die Umwandlung des Standortübungsplatzes — auch in Teilen — in ein Gewerbe- und Industriegebiet aus, sondern fordert zudem, dass „grundsätzlich bei Planungen, die das Gebiet der Gemeinde Wendisch Evern betreffen, die Gremien der Gemeinde im Vorfeld einzubinden sind“. Eine Resolution mit gleichlautendem Inhalt will auch noch der Rat Deutsch Evern verabschieden. Für Günter Dubber und CDU-Kreistagsfraktionschef Alexander Blume macht der Einsatz für die Truppe auch aus wirtschaftlichen Gründen Sinn: „Der Standort Lüneburg ist mit 900 Arbeitsplätzen schließlich ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor.“

Landrat Manfred Nahrstedt

nahr„Am Freitag habe ich die Nachricht erhalten. Der Übungsplatz wird auch für die Ausbildung an unbemannten Fluggeräten genutzt. Hierfür war die Erklärung des Areals zum Flugbeschränkungsgebiet erforderlich. Alternative Ausbildungsinfrastruktur steht laut Staatssekretär Hoofe regional nicht zur Verfügung.

Ich finde es schade, dass mein Versuch im Kreis Lüneburg eine geeignete Gewerbefläche von der Bundeswehr zu erhalten, nicht erfolgreich war. Wenn ich mir die Größe des Truppenübungsplatzes Munster ansehe, kann ich nicht verstehen, warum die Abgabe einer kleinen Teilfläche nicht möglich war. Sollte es Überlegungen geben, die Ausbildung an unbemannten Fluggeräten an einen anderen Standort zu verlegen, werde ich mich beim Verteidigungsministerium wieder melden.“

 

Oberbürgermeister Ulrich Mädge

ulrich„Ich bedaure die Entscheidung und nehme zur Kenntnis, dass es zurzeit offensichtlich nicht gewollt ist, hier eine Fläche zu entwickeln. Mittelfristig werden wir jedoch schauen, ob sich am Standort nicht doch eine Möglichkeit ergibt, denn keine Entscheidung ist endgültig in der Politik.

Unabhängig davon werden wir in der Region weiter schauen, wo wir notwendige Gewerbeflächen zur Schaffung und Sicherung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen bekommen können. Um es deutlich zu machen: Wir stehen in der Verantwortung, notwendige Flächen für notwendige Arbeitsplätze — vor allem für junge Menschen — in der Region bereitzustellen, damit sie nicht nach Uelzen oder nach Hamburg abwandern müssen.“

 

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