Donnerstag , 1. Oktober 2020
Keine U-Bahn für Lüneburg!, fordern die Aktivisten. Es gibt immerhin schon Reaktionen aus der Politik auf den unkonventionellen Protest. Foto: t&w

Eine U-Bahn für Lüneburg?

ca Lüneburg. Der Öffentliche Personennahverkehr ist eine gute Sache. Da sind sich fast alle einig. Busse und Bahnen prima. Doch nun gibt es Protest. Eine Initiative will den Bau einer Lüneburger U-Bahn verhindern. Die erste Demo lief am Sonnabend bereits im Liebesgrund. Nach Informationen der Gruppe soll dort ein Knotenpunkt der drei Linien liegen. Im Rathaus reagiert ein Sprecher irritiert: Der Protest sei nicht angemeldet und damit nicht statthaft. Und überhaupt: Vom Bau einer U-Bahn sei gar nichts bekannt. Manchmal kommt der 1. April mit Verspätung. Doch den Klamauk betreiben Nolde Europa, Naomi Sample und Timmo LaBouche ziemlich ernsthaft. Im wahren Leben heißen sie anders, aber das spielt hier kaum eine Rolle.

Die drei Lüneburger haben bei Facebook eine Kampagne gestartet. Und wie es so ist: Manche nehmen die Sache verdammt genau. Wie kann man gegen so ein tolles Angebot sein? Andere sorgen sich um alte Häuser und den wackeligen Untergrund.

Es gibt eine Reaktion aus der Politik. Der neue grüne Fraktionschef Ulrich Blanck schreibt augenzwinkernd: „Ich verstehe nicht, wie das schon wieder in die Öffentlichkeit gelangen konnte. Wir haben den U-Bahnbau doch auf der streng geheimen Ratssitzung unter der Leitung des Militärattachés der Schweizer Gebirgsmarine am 30.2.2016 beschlossen. Ich kann nur hoffen, dass der U-Boothafen am Elbe-Seitenkanal und die Pläne zur Überdachung der Innenstadt nicht auch noch durchsickern.“

Überdachung der Innenstadt. Gar nicht so absurd. Das bayerische Hof hat das vor Jahren mal geplant. Glas über den Gassen. Hofer Himmel hieß das. Doch zurück zur U-Bahn. Timmo LaBouche, der mit Kumpels und zwei Kisten Bier in den Liebesgrund gekommen ist, erklärt, wie alles ans Licht kam: durch Lüne-Leaks. Ein großes Datenleck und Whistle-Blower haben die unterirdischen Pläne verraten. Die Strecke soll Deutsch Evern, Reppenstedt und Adendorf an die City andocken. Ein Bild zeigt Oberbürgermeister Ulrich Mädge vor einem Stadtplan mit blauer Linie. Wer will, kann da schon ins Grübeln kommen.

Naomi Sample, eigentlich Jugendpfleger in Bardowick, nimmt einen Schluck aus seiner Cola Rebell (Wie sollte die auch sonst heißen?), er empört sich: „90 Prozent der Menschen sind für den Bau der Bahn. Die breite Masse brilliert eben nicht durch Nachdenken.“ Prost.

Das Trio ist so ein bisschen Böhmermann im Kleinen. Was der Moderator auf deutsch-türkischer Ebene angezettelt hat, die bewusste Provokation, könnte auch lokal funktionieren. Die Kampagne spielt mit ewigen Empörungen, die im Netz zu Bewegungen werden können. Wie der berühmte Schlag des Schmetterlings, der sich von Südamerika aus verstärkt und zum Wirbelsturm der Weltwetterlage mutiert. Wenn man genug Fantasie besitzt.

Nolde Europa, Naomi Sample und Timmo LaBouche sind ein bisschen wie Don Quijote, der Romanheld aus dem 17. Jahrhundert, der als spanischer Ritter gegen Windmühlen ritt. Sie kämpfen gegen einen Feind, den es gar nicht gibt. Dabei verstehen sie keinen Spaß. Die grün-blancksche Antwort auf ihren Streich finden sie nicht witzig: „Wir wollen keinen Humor und keine Klamauk-Keule!“

Nein. Lustig sein ist eine verdammt ernste Angelegenheit. Wenn aber aus Nolde Europa wieder der Kneipier Carsten Nolte geworden ist, dann trinkt er mit Uli Blanck oben in der Gasthaus-Brauerei Nolte an der Dahlenburger Landstraße ein Bier. Oder zwei. Und die beiden lachen sich scheckig. Bestimmt. Oder ist das auch Teil der Lüneburger U-Bahn-Verschwörung? Wer weiß?