Samstag , 19. September 2020
Es passte nicht: Der Lastwagen rammte den Rettungswagen auf der Scharnhorststraße. Foto: nh

Lkw-Fahrer rammt Rettungswagen

ca Lüneburg. Manchmal geht es um Leben und Tod. Doch wer hat da schon Zeit zu warten, wenn er es eilig hat? Schnell mit dem Wagen vorbeiziehen, erscheint dann wichtiger. So eine Situation erlebte ein Team des Arbeiter-Samariter-Bundes am Dienstag auf der engen Scharnhorststraße an der Uni. Wahrscheinlich nur durch das Können von Notarzt und Rettungsassistenten sowie das couragierte Eingreifen eines Passanten überlebte der Patient.

ASB-Rettungsdienstleiter Frank Maruhn und die Leitstelle von Rettungsdienst- und Feuerwehr (FEL) bestätigen entsprechende LZ-Informationen: Danach war ein Mann mit Herzproblemen zusammengebrochen. Ein Passant rief die FEL um 13.52 Uhr an, um Hilfe zu holen. Der Mitarbeiter leitete den Passanten telefonisch an, um den Kranken zu reanimieren. Zwischenzeitlich trafen ASB und Notarzt ein, stellten ihre Fahrzeuge mit eingeschaltetem Blaulicht an den Rand der Scharnhorststraße und übernahmen die Versorgung des Patienten. Das dauerte einem Lkw-Fahrer offenbar zu lange, er versuchte, mit seinem Truck vorbeizuziehen, blieb aber am Rettungswagen hängen und verkeilte dessen hintere Tür, sodass die Mediziner den Patienten nicht an Bord nehmen konnten.

Sie alarmierten um 14.16 Uhr einen weiteren Rettungswagen, der den Herzkranken schließlich auf die Intensivstation ins Klinikum brachte.

Maruhn sagt: „Wir können nur an Verkehrsteilnehmer appellieren, Rücksicht zu nehmen.“ ASB-Geschäftsführer Harald Kreft ergänzt: „Es geht da um Leben und Tod, kaum zu fassen, wenn dann so etwas passiert.“

Mitarbeiter aus dem Rettungsdienst berichten immer wieder davon, dass sie mit Gedankenlosigkeit, aber auch Attacken zu kämpfen haben. Dass auf Straßen keine Rettungsgassen gebildet werden, sei Alltag. Ebenso, dass Einsätze per Handy gefilmt werden, auch wenn es etwa um schwer verletzte Unfallopfer geht. Pietät und Anteilnahme sei für manchen ein Fremdwort. Aber auch, dass sie angepöbelt, angespuckt oder gar geschlagen werden, komme immer wieder vor. Der Vorfall an der Scharnhorststraße habe eine andere Qualität, da habe jemand in Kauf genommen, dass ein Patient Schaden nehme.

Im aktuellen Fall war die Polizei vor Ort. Deren Lüneburger Sprecher Kai Richter sagt, eine Streife habe den Unfall aufgenommen. Der Sachschaden sei so gering, dass man empfohlen habe, eine Einigung ohne Polizei zu finden. Ob das Verhalten des Lkw-Fahrers strafrechtlich relevant sei, müsse man prüfen. Es gehe im Zweifel um den Vorwurf, den Rettungsdienst behindert zu haben. Es klingt bei Nachfragen allerdings eher so, als komme der Chauffeur ohne Strafe davon.

Glücklicherweise hat der Patient überlebt.